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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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655 den, ich würde alle Juden vertreiben. Warum? fragte ich weiter. Er erwiederte: Die Juden sind von Kind auf lauter Betrüger und würden wir sie nicht unterdrücken, sie würden uns alle verschlingen, aber ich hoffe den Tag zu erleben, wo man sie alle aus dem Lande vertrieben haben wird; so lange sie noch in unserer Mitte sind, ruht der Fluch auf unserm Lande, mögen sie nach Jerusalem oder sonst wohin gehen, nur bei uns können sie nicht bleiben. Das sind Worte eines Jugendlehrers, bei dem man doch voraussetzen sollte, daß er Anspruch auf Bildung habe. (Ib. An.) Amerika. New-Bork, 25. Juli. Große Aufregung verursachte heute Morgen ein schrecklicher Raubmord, der vergangene Nacht in einem der feinsten Quartiere Ne'^Pork's begangen wurde und dem einer der achtbarsten hiesigen Brokers, Herr Benjamin Nathan, zum Opfer fiel. Derselbe wurde heute Morgen, den Kopf gespalten, in seinem Zimmer gefunden, an der Seite der Leiche eine scharfe Axt. Die in demselbem Zimmer befindliche eiserne Geldspinde war erbrochen und der nicht unbedeutende Inhalt geraubt. Das Comite der Broker hat bereits eine Belohnung von 10,000 Dollar für den Entdecker der Mörder ausgesetzt. Der Gemordete war Präsident des israelitischen Mount-Sinai- Hoipitals hier und stand an der Spitze verschiedener anderer wohlthätiger und gemeinnütziger Gesellschaften. Feuilleton. Säen und Krnten. XI. Im Garten. Wir haben im Anfänge dieser Erzählung erwähnt, daß der große, schöne Garten des Wolfsohn'schen Palastes an eine Gasse stieß, in welcher sich das Ruhdorf'sche Häuschen befand. Wenn nun die Pforte, welche in jene Gasse führte, zufällig geöffnet war, dann blickten wohl manchmal die Ruhdorf'schen Kinder, sehnsüchtig in den schönen, wohlgepflegtm Garten hinein, bewunderten die prächtigen Blumen, die großen Rasenplätze, den herrlichen Springbrunnen, die schattigen Lauben, und wenn dann Moritz und Wilhelmine im Garten spielten, so holten sie sich die Ruhdorf'schen Kinder als willkommene Spielgenossen herein. Auf diese Weise waren die Kinder miteinander bekannt und befreundet worden. Zur bestimmten Stunde pflegte Moritz die Gartenpforte zu öffnen, und Naphtali und seine Schwestern kamen herein. Oft auch besuchten Moritz und Wilhelmine das Ruhdorf'schp Haus. Anfangs hatten sie mit Neugier, später mit Theilnahme der Erfüllung so manches jüdischen Gebotes zugeschaut. Wolfsohn wußte von diesem Umgänge nichts; er kümmerte sich fast gar nicht um seine Kinder; Frau Wolfsohn aber sah es gern, daß Moritz und Wilhelmine viel mit den gutgearteten und gesitteten Ruhdorf'schen Kindern verkehrten. Es war an einem schönen Sommernachmittage, als sich die kleine Gesellschaft in dem Wolfsohn'schen Garten zusammengefunden hatte. „Naphtali," sagte Moritz, „ich möchte Dich etwas fragen. In der Geschichtsstunde hat heute Dr. Prinz die Kämpfe der Mackabäer gegen die Syrer erwähnt. Sage doch, stehen die Lichter, die ich vorigen Winter einmal bei Euch sah, im Zusammenhänge mit jenen Kämpfen?" „„Gewiß;"" entgegnete Naphtali, „„hat Dir denn das Dein Lehrer nicht erzählt?'" „Nein, er erwähnte dieser Kämpfe nur beiläufig, und als ich ihn nach den Lichtern fragte, da wußte er nichts davon/' „Ich bitte Dich, Naphtali," nahm jetzt Wilhelmine das Wort, „erzähle Du uns von jenen Kämpfen. Du erzählst so hübsch." „„Der syrische König Antiochus Epiphanes,"" sagte Naphtali, der Aufforderung nachkommend, „ „wollte die Juden zwingen, vom einzigen Gotte sich loszusagen und die Götter des Königs anzubeten."" „Was hatte denn der für Götter?" unterbrach ihn seine ältere Schwester, Martha. „„Antiochus Epiphanes,"" antwortete Moritz, „„war König von Syrien, aus dem Stamme der Seleuciden. Sein Ahnherr Seleucus war ein Feldherr Alexanders des Großen gewesen, also ein Macedonier, ein Grieche; er betete daher zu den Göttern Griechenlands."" „Die Götter Griechenlands!" rief Wilhelmine, „das ist ja ein Gedicht von Schiller: „Als ihr noch die schöne Welt regiertet". Höre einmal, Naphtali, das war doch so schlimm nicht, was der König Antiochus verlangte; die griechische Mythologie ist wunderschön." „ „Liebe Wilhelmine," " entgegnete Naphtali surft, „schön ist die griechische Götterlebre wohl, aber sie ist unwahr, sie ist unsittlich. Die Griechen haben sich selbst und ihre Leidenschaften und Laster in ihren Göttern vergöttert, und es gibt kein größeres Verbrechen als Götzendienst und Abgötterei, mag diese auch noch so schön sein. Wir Juden glauben an den einzigen Gott, der sich uns aus Sinai offenbart und unS

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