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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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654 ständige Personen, dem Bürgerftand angehörig, den Pöbel zu diesen gröblichen Ausschreitungen animirten, und ich war Augenzeuge, wie ein vorübergehender höherer Justizbeamter auf seinen Appell an den Bürgerstand, solchen sträflichen Ausschreitungen Einhalt zu thun, die Erwiderung erhielt: „Das Volk thur ja nichts Arges, man prügelt ja nicht Menschen, sondern nur Juden." Da sich diese bedauerlichen Vorfälle gestern Abends gleichzeitig an mehreren Punkten der Stadt ereigneten, so ist kein Zweifel, daß man es hier mit organistrten Judenhetzen zu thun hat. Wie ihnen schön bekannt sein dürfte, haben vor einigen Tagen in Tarnow ähnliche, nock weit ernstere Ausschreitungen des Pöbels gegen die Juden stattgefunden, und es scheint, daß in Folge auswärtiger politischer Agitation von dort daö Signal zur allgemeinen Verfolgung der Juden in Galizien gegeben wurde. Es ist zu besorgen, daß ähnliche Katastrophen wie in Rumänien herbeigeführt werden, falls nicht bald energische Maßregeln in Anwendung kommen. Diese Vorgänge characterisiren lebhaft unsere corrumpirten Zustände; hier bei uns darf Niemand einer anderen politischen Meinung sein als der, welche die Herren Polen verschreiben; wehe dem, der nicht durch und dvrch französisch gesinnt ist, der wird als Preußenfreund aufs gröblichste insultirt. In diesem Verdachts der preußischen Sympathien stehen hier die Juden in Galizien, und das mag wohl die Hauptursache der ausgebrochenen Judenhetzen sein. Frankreich. Paris. In demselben Maaße wie die deutschen Juden durch Zeichnung von beträchtlichen Summen für die Verwundeten sich hervorgethan, geschieht es auch von unfern französischen Glaubensgenossen. So gab das Haus Rothschild 50,000 Fr., Frau Furtado 25,000 Fr., Frau Heine 40,000 Fr., viele Andere 1000 Fr. In den Synagogen sind Sammelbüchsen aufgestellt, durch die ebenfalls schon namhaftes Geld eingegangen ist. Im Hospital Rothschild wurden 100 Betten für Verwundete zur Verfügung gestellt. Holland. Groningen. Unser Glaubensgenosse, Herr I. Oppenheim wurde am hiesigen Gymnasium als Lehrer der Staatskunde angestellt. (N. I. W.) England Cardiff. Nach dem „Jew. Chron." setzt Herr Lyon seinen Proceß gegen den Missionär Thomas fort. Thomas soll das Anerbietm gemacht haben, von den sich auf 36,000 fl. belaufenden Prozeßkosten die Hälfte bezahlen zu wollen, wenn Lyons ihm seine Tochter überlassen will. Selbstverständlich geht Herr Lyons nicht darauf ein. Donaufürstenthümer. Bukarests. Leider haben wir fast jede Woche von Unterdrückungen unserer Glaubensgenossen in Rumänien zu berichten; so erzählt der Jb. An. wieder ein Stückchen von der Gerechtigkeit der rumänischen Justiz. Ein lahmer Jude, der auf seine Krücken gestützt, sich dur ch eine Straße schleppte, wird von einem Rumänen geschlagen und aus die Seite gestoßen, weil er nicht schnell genug auszuweichen vermochte, und als die dazugekommenen Inden ihren Glaubensgenossen und den Rumänen vor den Richter brachten, um die Thatsacke zu Protokoll zu nehmen und den Rumänen zu bestrafen, sagte dieser: Was, ich soll einen Rumänen bestrafen wegen eines Juden, die Inden alle, die auf zwei Füßen gehen, betrachte ich als vierfüßige Thiere, und wie viel mehr erst diesen lahmen Juden. Gehe fort, Du verachteter Jude, sagte er und warf die Thüre vor den Juden zu, und als der lahme Mann und seine Begleiter in den Hof gelangten, wurden sie noch von dem Rumänen mit der Faust geschlagen. Bukarest. Ein in Diensten des Ex-Ministers Cogalceano stehendes Blatt, (Secolulu) droht den Juden mit Ausrottung, weil deren Glaubensgenossen in Europa bewirkt haben, daß die Stroußberg'schen Bahnactien auf 50 Prvcent gefallen, und sie es darum auf einen Staatsbankerott abgesehen hätten, um so die Rumänen zu zwingen, die Juden zu emancipiren. In Baken liefen die Gassenjungen einem sehr geachteten und reichen Juden nach, warfen ihn mit Steinen und verfluchten ihn, und als ich stein rumänischer Sprache fragte (sie wußten nicht, daß ich Jude bin) warum sie dies thun, antworteten sie: Unsere Eltern haben uns festigt, daß es ein Verdienst ist, diesen Juden umzubringen. (Wahrscheinlich schuldeten mehrere Rumänen diesem Juden etwas.) So wird also schon in die Jugend der Judenhaß eingepfropft. Ein Gymasiallehrer, mit dem ich zusammentraf und den ich fragte, ob er nicht die Wahrnehmung gemacht, daß die das Gymnasium besuchenden, israelitischen Schüler durch ein reges, wissenschaftliches Streben sich auszeichnen, und woher es komme, daß man dennoch die Juden so anseinde und hasse, antwortete mit folgenden Worten: Hätte ich die Macht in Hän-

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