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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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653 regelmäßig Gottedienst abgehalten werden kann. Ein edles, wohlthätigeS Mitglied der Adaß Jisroel soll, wie wir erfahren, die ganze innere Einrichtung gratis Herstellen lasten wollen. 'n"yn gibt eS noch echte von Hochherzigkeit und Gemeinsinn durchglühte und aufopferungsfähige Männer und wird es solche geben, so lange JiSroels Lehre und Wahrheit gelehrt werden wird. Mit der Eröffnung unseres Gotteshauses werden wir erst eine Gemeinde in des Wortes schönster Bedeutung erhalten. Wir gestehen es offen, bis jetzt schien uns Alles so lose und zerstreut; es fehlte der natürliche Centralpunkt. Wohl sahen wir in den Vorträgen des Rabbiners stets den Sammelplatz der Gemeinde, aber der innige Zusammenhang wird erst durch ein entsprechendes no^Dn rv2 geschaffen. Zum Schluffe gestatten wir uns noch ein kurzes Mahnwort auszusprechen. Möge doch jetzt mit Eröffnung deS Bethauses der Gemein tut sich neu und fest beleben, undGesinnung und That sich innig verbinden. Denn jeder Einzelne muß mit treuer Gesinnung und lebensfrischer That seiner Gemeinde angehören. Gleichgiltigkeit oder Engherzigkeit zist der größte Feind jeder Bestrebung und am meisten der religiösen. Es muß jedem Mitgliede Ehrensache sein, durch seine Einsicht, sein Wort und seine Thätigkeit und sein Vermögen dazu beizutragen, daß unsere junge Gemeinde immer mehr und mehr erblühe und erstarke; erst dann wird die Adaß JiSroel das zu erreichen im Stande sein, was sie sich als Ziel vorgesteckt. Berlin, 21. August. Soeben haben wir auf dem hiesigen jüdischen Kirchhof einen Braven zu Grabe getragen, der in der Schlacht bei Wörth die tödtliche Kugel empfangen. Joseph Königsberger (Sohn des sehr achtbaren und dem streng conservativen Judenthume angehörenden Herz Königsberger'schen Ehepaares) hatte schon den Krieg 1866 mitqemacht und sich durch sein muthiges und braves Wesen in jenem Feldzuge rühmlich hervorgethan. Bei Wörth wurde er am Fuß verwundet; sein Hauptmann forderte ihn auf, sich auf den Verbandplatz zu begeben, um sich die Wunde verbinden zu lassen; er lehnte es aber ab und kämpfte weiter. Kurz darauf wurde er von einer Kugel getroffen und nach Heidelberg transportirt; dort wurde die Kugel herausgenommen, aber nach der Operation ist er im Alter von 26 Jahren gestorben. Seine Mutter, die an das Krankenbett geeilt war, drückte ihm die Augen zu. Die Leiche wurde, da die Eltern sehr reich sind, hierhergebracht und kam heute unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung zu "Qp. Die Beerdigung fand unter miliärischen Ehren statt. Eine Abtheilung des 2. Garde-Regiments, unter Führung des Lieutenants Reck, prasentirte das Gewehr, als die Leiche vorübergetragen wurde und gab die üblichen drei Salven bei der mop. Einer unserer alten Frommen und Braven, Herr Wolff Lewinsohn (er war eine lange Reihe von Jahren Synagogen-Vorsteher in der Libermann'schen Synagoge bis zu feinem Tode), der sein ganzes Leben den Namen eines echten nrp mit vielem Recht sich erworben, ist gestern, kurz vor Sabbatausgang gestorben, nachdem er noch zu nmo in der Synagoge gewesen; auch er verdient ein Wort der Erwähnung. Daß die Adaß Jisroel im Keßler'schen Hause, Bischofsstraße, sich eine Synagoge gemiethet hat, darüber wird Ihnen wohl noch von anderer Seite Ausführlicheres geschrieben werden. (Siehe oben. Red.) Rofchkow (Posen). Bor Kurzem starb hier Herr Dr, Roschkow int 72 Lebensjahre. Derselbe hatte in seiner Jugend Mediein stttdirt und wurde auch in Oesterreich als Militärarzt angestellt. Zu damaliger Zeit waren aber die Juden in Oesterreich noch sehr unterdrückt. Wegen einer Schrift, die er zur Vertheidigung seiner Glaubensgenossen geschrieben, wurde er aus dem österreichischen Heere und nach und nach ganz aus seiner Carriöre gedrängt. Er erg iff hierauf das Lehrerfach und war viele Jahre hindurch Privatlehrer in großen Häusern. In der jüdischen Literatur war er sehr bekannt; er verfaßte mehrere jüdische Gedichte und schrieb eine Weltgeschichte in hebräischer Sprache, die jedoch noch nicht im Drucke erschienen ist. (Hamagid.) Leipzig. Vor einigen Wochen starb im Alter von 76 Jahren Herr H. Spiro. Derselbe stammt aus Brody und war ein streng religiöser, in der h. Thora bewanderter Mann, der vielen hiesigen Meßbesuchern bekannt sein wird, da er eine Reihe von Jahren Vorsteher der sogenannten Brodyer Synagoge war. Oesterreichrsch Ungarische Monarchie. Krakau, 18. August. Gestern Abends nach 9 Uhr, als eben zur Vorfeier des Geburtsfestes Sr. Majestät mehrere Militärbanden mit Trommel und Spiel die Stadt durchzogen, wurde ich durch lebhaftes Pfeifen und Zischen auf dem frequentesten Punkte der Stadt (Grodzkergaffe) auf einen großen Volkshaufen aufmerksam, welcher, wahrscheinlich zur größeren Verherrlichung der Festivität, den ruhig vorübergehenden Israeliten Samuel Koplik mit einem Steinregen begrüßte, um seinem blinden Fanatismus Luft zu machen. Dem armen Manne, welcher durch mehrere Steinwürfe am Kopfe lebensgefährlich beschädigt wurde, gelang es nur durch das Dazwischentreten einiger Besonnener in einen Hausflur zu entkommen, da er sonst ohne Zweifel als Opfer der blinden Volkswuth erlegen wäre. Dieser Vorfall ist um so bedauerlicher, da selbst an-

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