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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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650 Vaterlandes lenken, noch immer uns die heiligsten Rechte versagen. Der „Preußische Staatsanzeiger" feiert den Sieg von Gravelotte-Metz und schließt mit den folgenden Worten: „Der Herr, der unsere Heere zum Siege führte, Er wird jetzt gnädiglich fürsorgen, daß unsere edlen Opfer nicht vergeblich fallen. Er wird unfern königlichen Kriegsherrn im Silberhaare segnen, daß ihm vergönnt sei, einen dauernden Völkerfrieden herzustellen im Herzen Europa's durch ein großes einiges deutsches Vaterland als Hort der Gottesfurcht, edler Sitte und wahrer Freiheit! Das walte Gott." Von Herzen sagen wir: Amen. Möge aber such die Gottesfurcht, die edle Sitte und die wahre Freiheit sich in der Gerechtigkeit gegen uns Juden bethätigen. Man nimmt unsere Söhne zu Soldaten, aber den Offiziers-Stand verschließt man ihnen factisch; es befindet sich in der ganzen preußischen Armee kein jüdischer Linien - Offizier; es befindet sich im ganzen preußischen Staate kein höherer Gerichts - oder Verwaltungsbeamter, der Jude ist; ja, noch mehr, der preußische Staat ignorirt das Judenthum als solches vollständig. Während die Geistlichen der christlichen Confessionen Staatsbeamte find, sind die Rabbinen in Preußen lediglich Gemeindebeamte, mit denen ein Contract abg-schlossen wird auf ein Jahr oder drei Jahre wie mit einem Commis oder einer Magd; während für die christl. Confessionen die religiöse Trauung die volle Rechtskraft hat, ist für die Juden in Preußen die religiöse Trauung ohne alle rechtliche Wirkung; man hat unfern Soldaten keine Feldprediger mit in den Krieg gegeben; man hat unsere Rabbinen nicht aufgefordert, den allgemeinen Buß - und Bettag vor dem Beginne des Krieges in der Synagoge zu feiern. Alle diese Dinge schmälern unfern Patriotismus nicht im Geringsten. Die Vaterlandsliebe ist uns nicht nur eine bürgerliche, sie ist uns auch eine religiöse Pflicht, ganz unabhängig von dem Maaße der Rechte, das man uns zugesteht. Als die Franzosen am Ende des vorigen und am Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts Deutschland unterjochten, kamen sie für die Juden als Befreier von hartem, unerträglichem Joche. Dennoch waren unsereVäter undGroßväter deutsche Patrioten durch und durch. Freiwillig zo»en sie mit in den Kampf, als es galt, das Vaterland zu befreien. Zum Lohne dafür wurden sie nach dem zweiten Pariser Frieden wieder in Ghettos eingepfercht (in Oesterreich) und entsetzlichen Bedrückungen unterworfen (in ganz Deutschland). „Gottesfurcht, edle Sitte und wahre Freiheit" — wir wollen ja nichts Anderes. Aber mit Schmerz erfüllt uns das Unkengeschrei, das uns aus fremdländischen Zeitungen entgegentritt: „Frankreich ist der Hort der bürgerlichen Gleichstellung, der confkssionellen Gleichberechtigung. In Frankreich gibt es und gab es jüdische Regimentscommandeure, jüdische Gerichtspräsidenten, jüdische Minister. Ist Frankreich erst niedergeworfen, so wird die preußische Idee vom christlichen Staat die Ausschließung der Juden decretiren!" So ruft man uns aus der Ferne zu und macht uns aus unserm Patriotismus einen Vorwurf, erblickt darin ein Verkennen der eigenen Interessen. Immerhin - wir werden uns durch keinerlei Rücksichten in unserer Vaterlandsliebe irre machen lassen; aber hoffen und wünschen wollen wir, daß jener Vorwurf zu Schanden, daß Deutschland auch unfern berechtigten Anforderungen gerecht werde. Das walte Gott! Ileöer die Dornahme der Ueschneidung. Von Rabb. vr. Hildesheimer. (Fortsetzung und Schluß.) Wie ist es aber heute? Bürgt immer die religiöse Disposition des Mohel für die exakte Einhaltung der Vorschrift? O! welche Ironie! Von denjenigen, welche wenigstens heute noch uneigennützig dieses Amtes walten, gibt rs sehr Viele, deren höchstes Ideal die Geschwindigkeit der Beendigung des Actes ist, die ihren Ruhm darin suchen, sofort nach der no-o den Ruf erschallen zu lassen: „ns'SD 'm dd", wenn man sich zu dieser bekennt, oder: „Läppchen" rc. wenn man über jene antiquirte „Orientalia" lächelt. Was aus der .ib'v selbst wird, ob wirklich die müy ganz blosgelegt, rttiyn ny und nynsn “>iy genau in vorgeschriebener Weife entfernt ist, oder nicht, mit andern Worten, ob man im Aufträge des Vaters die mso erfüllt und den Neugeborenen vor dereiustigem 1112 um bewahrt hat, oder nicht, was, wie oben nachgewiesen, auch nur mit einem nur Haarbreiten Reste geschieht, d. h gar nichts gethan als 2 no-o selbst zu machen, und zu einer den Vater zu veranlassen, das ist gleichgiltig Und bedingt denn die Uneigennützigkeit allein die Zuverlässigkeit? haben wir nicht heute die heiligste Pflicht zu fragen: “dp ’D? du sagst, du seift ein Mohel, auf Grund welcher Autorität, welches Lehrers? Und behauptest du, Mohel zu sein, so muß dein religiöses Privatleben ein eines solchen Amtes würdiges sein. Was sage ich Privatleben, blei-

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