Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Der Israelit. M 3&. Ein Kentral - Hrgan für das orthodore Audmtßüm. Herausgegebm von v Dr. LeHmann in Mainz. Mittwoch, den 31. August 5630 (187 0). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder fl. 6. 1b kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate l*/2 Sgr. die Petitzetle oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut CourS. Direkte Francozusendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhattr Leitende Artikel: Der gegewärtige Krieg und die Juden. — Ueber die Vornahme der Beschneidung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Berlin. Berlin. Roschkow. Leipzig. — Oesterr.- Ung. Monarchie: Krakau. — Frankreich: Paris. Holland: Groningen. — England: Cardiff. — Donaufürstenth.: Bukarest. Bukarest. Bakeu.—Amerika: New-Bork. — AeuMeto«: Säen und Ernten. Anhatt der Iteitage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. Berlin. Berlin. Frankfurt a. M. Dresden. Dresden. Dresden. Berlin. — Frankreich: Paris. — Asien: Jakohama- — Leitende Artikel. per gegenwärtig« Krieg und die Inden. Mainz, 23. August. Der furchtbare Krieg, welcher gegenwärtig wüthet, hat bereits entsetzlich viel Blut und Thränen gekostet. Die Schlachtfelder von Elsaß und Lothringen sind auch vielfach von jüdischem Blute gefärbt worden. Während der Jubel des Sieges erschallet, verzehrt sich in Sorge so manches Mutterherz, wird in Angst um den geliebten Sohn das Haar des Vaters bleich. Da harren die Eltern, die Geschwister, die Gattinnen, die Kinder in banger Sorge der Nachricht entgegen, die endlich wehebringend kommt: „Dein Sohn ruht in lothringischer Erde, Dein Gatte liegt als Krüppel im Lazareth, Dein Bruder wird vermißt, Euer Vater ist als Verwundeter aus der Schlacht getragen und auf dem Transporte gestorben!" Und dem Vater und der Mutter ist die 'Hoffnung des Alters dahin, und die junge Wittwe legt das Trauergewand nicht mehr ab, und die unglücklichen Waisen entbehren den Erzieher und Ernährer. „Doch süß und wohlanständig ist der Tod für's Vaterland!" Voll zahlen auch wir Juden unsere Schuld dem Vaterlande. Wir thun es freudig und gern; denn wir lieben unser Vaterland nicht minder als unsere nichtjüdischen Mitbrüder. Die allgemeine Wehrpflicht trifft uns deutsche Juden so hart und schwer-,- wie jeden andern deutschen Volksstamm; ja, sie tr fft unS härter und schwerer, denn — sagen wir es nur offen heraus — wir sind leider noch immer die Parias der Gesellschaft. DaS Unrecht, unter dem wir zu leiden haben, empfinden wir doppelt schwer, wenn unser Blut gefordert wird. Freudige Hingebung beseelt unsere Brüder in der Schlacht, freudige Hingebung beseelt uns Ändere, denen es nicht vergönnt war, mit in den Kampf zu ziehen; gern tragen wir die Lasten des Krieges; freudig sind wir bereit zu allen Opfern, die das geliebte Vaterland von uns erheischt. Aber es drückt uns schier das Herz ab, daß Diejenigen, welche die Geschicke des