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Der Israelit · 1870-08-24 · Heft 34 (24.8.1870) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 34 (24.8.1870)
Date
1870-08-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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646 nicht mit Stillschweigen hingenommen werden darf. Wir können im Talmud weder für das Erschweren noch für daS Erleichtern Eklektiker fein, hier heißt es: entweder — oder. Aus dem Gesagten ergibt sich als zweite Bemerkung, das wir nicht gegen die Tendenz dieses BucheS kämpfen werden, weil eben ein solcher Kampf uns unnöthig scheint, — wir richten uns nur Igegen die Art und Weise der Beweisführnug; es wird also hauptsächlich eine kritische Untersuchung der Citate nothwendig sein, was uns aber eines näheren Eingehens auf die Vorrede enthebt. Um aber die Art und Weise der Beweisführung zu kennzeichnen, genügt das Hervorheben der wichtigsten Momente, ein Stillschweigen zu manchen Deduktionen darf uns daher nicht als eine Zustimmung ausgelegt werden. — Jetzt zur Sache! Der Anfang schon nöthigt uns zu einigen Bemerkungen. „So wahr es auch ist," beginnt der Verfasser, „daß die gottesdienstlichen Gebete der Juden ihrer bestehenden Einrichtung nach einer späteren, nachmosaischen — theils sopherischen theils talmudischen, theils gaonischen und rabbinischen — Zeit angehören: so ist es doch nicht ganz unversucht geblieben, dieselben bis auf Moses zurückzuführen und als dessen ursprüngliche Einrichtung und Anordnung geltend zu machen. Diese Ansicht findet sich in Taanit (Anfang) und Sifri durch Deut. 11, 13. begründet und wird von Maimonides (H. Teph. Ans.) wiederholt. Zwar wird diese Ansicht schon durch den Talmud selbst (Ber 21 a ), wie auch von späteren Rabbinen (Nachmanides) widerlegt und umgestoßen, jedoch ist das Wahre daran, daß man mit der Einrichtung des öffentlichen Gebets dieselbe als eine mit der Religion gegebene und somit göttliche anzusehen anefangen hat. Anders erscheint die Ansicht an*) Ber. 1 b., welche die Einrichtung der Gebete auf die Erzväter zurückführt und somit ebenfalls als eine in dem Menschen selbst begründete und nicht erst durch Offenbarung gegebene betrachtet." Die ersten Seiten eines Buches find oft entscheidend für die Stimmung, in der der Leser das ganze Buch durchlieft, wie der erste Eindruck, den wir von einem Menschen empfangen, oft der bleibende ist, unter welchem wir mit ihm zeitlebens verkehren. Man möge uns darum nicht der Haarspalterei zeihen, wenn wir hier gleich beim Anfang bei einem Ausdruck stehen bleiben, der in praxi allerdings durch den von Verfasser selbst beigefügten Zusatz bedeutungslos bleibt, in thesi jedoch nicht von zu unterschätzender Bedeutung sein kann. Was soll sich denn ein unbefangener Leser, und für das Volk ist doch dieses Buch dem eigenen Ausspruch des Verfassers nach geschrieben, denken, *) Der Verf. ist gewohnt bei Citaten sich immer des Wörtchens „an" zu bedienenwenn er liest, daß sich eine Stelle im Talmud (Taanit) und im Sifri findet, und von Maimonides sei es wiederholt daß man versucht habe, „die; gottesdienstlichen Gebete der Juden ihrer bestehenden Einrichtung nach" auf Moses zurückführen? Muß sich da der Leser nicht sagen: Ei, ei, was für albernes Zeug steht doch in den alten Folianten, ich hätte nicht geglaubt, daß die Rabbinen sich so lächerlich hätten machen können, zu behaupten, schon Moses habe rmwi, -»sieg ypn, m noa m u. s. w. u. s. w. zu beten, angeordnet l Ist einmal diese Stimmung gewonnen, welch' ein günstiger Vorsprung für dm Autor, dem der Leser in der antitalmudischen Stimmung folgt! Durch die gleich darauf folgende Bemerkung des Verf., daß „diese Ansicht schon durch den Talmud selbst, wie auch von späteren Rabbinen widerlegt und umgestoßen werde," wird der erste Eindruck nicht abgeschwächt; immerhin sucht man doch durch Albernbeiten die einmal bestehende Einrichtung der Gebete stützen, indem man dieselbe als mosaisch ausgibt, und da muß es doch wahrhaftig sehr bedenklich um doch die Verpflichtung, diese Einrichtung beizubehalten, stehen, wenn man sich solcher Handgriffe bedienen muß. Es ist aber durchaus nicht der Fall, daß an irgend einer Stelle in den talmudischen Schriften der Gedanke ausgedrückt wird, daß die Gebete „ihrer bestehenden Einrichtung nach" schon von Moses her datiren sollten, wie es auch nicht der Fall ist, daß „diese Ansicht schon durch dm Talmud selbst wie auch von späteren Rabbinen (Nachmanides) widerlegt nnd umgestoßen" werde; denn eine Ansicht, die gar nicht existirt, bedarf natürlich weder der Widerlegung noch kann sie umgestoßen werden. Prüfen wir daher die einschlägigen Stellen. (Schluß f.) Kritik einer Kritik. Bon Dr. Jacob Cohn in Hannover. (Schluß. Recensent meint ferner, G. begründe sein Urtheil, daß Eibesch, nicht einmal mit den jüdischen Philosophen in hebräischer Sprache vertraut gewesen. Die ganze Begründung steckt in einem angeführten vereinzelten Citate aus dem Manuskript des Simon Buchhalter. Solche aus dem Ganzen gerissene Stellen, deren Zusammenhang nicht angegeben ist, besagen gar nichts, und besonders, wenn sie aus einem Manuscript entnommen, dessen Authenticität sehr anzutasten ist (cfr. p. 4 u. 11 m. Schr.). Wenn Eibesch, wirklich behauptet hat, der größte Philosoph seit Maimonides sei Delmedigo, so resultirt daraus nur sein geringes Verständniß für philosophische Systeme, oder richtiger

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