Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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641 Augen des dortigen RabL. vr.Z. Auerbach! Ob derselbe hinsichtlich derartiger Reformen sich mit dem Vorstande und den Repräsentanten im Einverständniß befindet oder nicht — wir wissen es nicht. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Wiesbaden. Auch hier hat sich wie überall ein SanitätScorpS gebildet; es besteht auS jungen Leuten, die den unglücklichen Verwundeten ihre Schmerzen lindern helfen wollen. Bei denselben sind auch mehrere Israeliten. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Darnow, 16. August. Die Lorbeeren unserer rumänischen Nachbarn ließen die hiesigen Judenfresier nicht ruhen, und so haben wir nunmehr unseren eigenen autochthonen Judenkrawall — fürwahr ein gelinder Ausdruck zur Bezeichnung der traurigen Ereignisse, deren Schauplatz Tarnow am 15. d. gewesen ist! Folgendes ist in Kürze der Hergang. Am gedachten Tage kam es auf dem Casimirplatze zwischen einem Juden und einem Christen aus irgend einem nichtigen Vorwände zu einem Conflicte. Wie auf ein gegebenes Zeichen füllte sich der gedachte Platz plötzlich mit einigen Hunderten von Leuten, die dem Anscheine nach dem Handwerkerstande angehörten und meistens mit Knütteln und Stöcken versehen waren; diese saubere Gesellschaft fiel sofort über die Juden her und mißhandelte dieselben auf die fürchterlichste Weise. Der ganze Schwarm zog hierauf nach dem nahegelegenen Hauptplatz, und was dort geschah, ruft die traurigen Erinnerungen an die finsteren Zeiten der gräßlichsten Judenverfolgungen wach. In sämmtlichen von Juden bewohnten Häusern dieses Stadttheiles wurden die Fenster eingeworfen, arme Juden, die ganz ruhig vor ihren Läden standen oder ihrem Erwerbe nachgingen, wurden überfallen und erbarmungslos mit Knütteln geprügelt, andere Haufen von Juden, wie sie gewöhnlich auf dem erwähnten Platze zu finden sind, mit Steinen beworfen. Nachdem in Folge der eben geschilderten Vorgänge eine heillose Verwirrung entstanden war, ging es an die Läden einiger jüdischer Krämer, welche in der Gasse ihre Standorte haben, und nachdem die armen Leute von den Excedenten ohne Erbarmen mißhandelt worden, plünderten dieselben die Läden aus und liefen prügelnd, Steine werfend unter Hurrahs mit dem Raube fort. Nachdem sich die hiesige Communal-Polizei als unzulänglich und ungeeignet zur Herstellung der Ordnung erwiesen hatte und auch das beschwichtigende Zureden einiger angesehener christlicher Bürger nichts fruchtete, entschlossen sich mehrere Israeliten, Militärhilfe in Anspruch zu nehmen, welche auch, in Vertretung des zufällig abwesenden Herrn Generalmajor- Grafen Wallis, von dem Oberst des hier garnisonirenden Husaren-RegimentS Nr. 1, v. EröS, schleunigst geleistet wurde. Bald durchzogen berittene Patrouillen unter dem Commando der Offiziere die Stadt und verjagten die Exedenten, während Infanterie-Soldaten die am meisten bedrohten Straßen und Plätze absperrten. Obschon mit dem Erscheinen des MilitärS die Ruhe keineswegs wiederhergestellt war und einzelne Haufen von Tumultuanten den ganzen Tag über und tief bis in die Nacht hinein durch die Straßen zogen, die Fenster von Judenhäusern einwarfen, Juden prügelten und mit größeren Gewaltthätigkeiten bedrohten — so kam es doch nicht zu solchen Thätlichkeiten wie am Vormittag. Heute ist es ruhig. Die sonst so lebhafte Stadt sieht wie ausgestorben aus, die Handlungen sind gesperrt, die Straßen leer — auf den Plätzen campiren Infanterie und Jäger, und Husaren-Patrouillen durchstreifen die Stadt unter persönlicher Leitung des hierortigen Brigadiers Generalmajors Grafen Wallis, welcher bei Nacht aus Nzeszow herbeigeeilt war und durch gütliche- Zureden überall beschwichtigend wirkt. Zu Thätlichkeiten zwischen den Tumultuanten und dem Militär kam es nirgends — leider aber wurden bei den gestrigen Scenen viele Juden schwer verwundet, von denen Einer, Vater von 6 Kindern, bereits den erhaltenen schweren Verletzungen erlegen ist, und ein gleiches Schicksal erwartet stündlich noch mehrere dieser Unglücklichen. Der Werth de- Geraubten beläuft sich auf viele Tausende, und trafen die Plünderungen gerade arme Krämer, welche nunmehr dem größten Elende preisgeqeben sind. Auch mehrere Tumultuanten sollen verwundet worden sein. Frankreich. Paris. Im Monat Juli wurde der „Alliance" die Adoption von 3L russischen Waisen angezeigt und zwar von folgenden Gemeinden und Privatpersonen: Metz 2, Bonn 1, Aaachen 8, Mannheim 2, Liverpool 1, Frankfurt a. M. 10, Paderborn 3, die Gesellschaft zum Schutze der israel. Jugend in Bayonne 1, Herr Seba aus Morcenz 2, Herr Elia R. Traggi aus Larisse 1, Herr Löwenherz aus Rheinbrohl 1, Herr Jonas Meyer aus Heidelberg 1. (Univ. Jsr.) Holland. Amsterdam. Das ,,N. I. Weekbl." berichtet aus Beuren, daß daselbst ein achtbarer Israelit am 9. August seinen 100. Geburtstag gefeiert hat.