Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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640 zu gottergebener Duldung zu ermuthigen, ist dem Juden dieser Trost — wenigstens von Seiten eines Glaubensgenossen — versagt. Wir haben bisher keine angestellten jüdischen Feldprediger. Und doch könnten diese manches Gute wirken. Freilich kennt das Judenthum nicht den geistlichen Beistand, der bei den Bekennern anderer Confesstonen, besonders in den letzten Augenblicken des Leidens, für nothwendig erachtet wird und könnte diesen Liebesdienst ebenso gut jeder Laie versehen. Auch ist die Zahl der Juden bei den einzelnen Truppenkörpern eine nur geringe. Wenn indeß nur einigen Wenigen Trost an ihrem Schmerzenslager zugesprochen würde, — und dazu ist doch immerhin ein Prediger befähigter — wenn nur Wenigen die Stunde des Scheidens aus dem Leben durch den Gedanken an Gott erleichtert würde, wenn nur zuweilen bei Ansammlung größerer Truppenmassen im Lager jüdischer Gottesdienst abgehalten würde, so wäre die Anstellung von jüdischen Feldgeistlichen schon sehr nutzbringend. Von diesem Gedanken geleitet, hat sich unser geehrter Landrabbiner, Herr Dr. Meyer, an die oberste Behörde zur Abhilfe des beregten Mangels gewendet. Hoffen wir, daß es ihm gelingen wird, unsere Gleichstellung mit den anderen Confesstonen auch hierin zu erwirken. Ich haben Ihren Lesern, geehrter Herr Redacteur, bisher nichts von unserem Gattesdienste an dem allgemeinen Bettage mitgetheilt, weil unter den gleichen Verhältnisien von überallher wohl nur Gleiches zu berichten wäre. Der Gottesdienst in unserer Synagoge fand überaus zahlreiche Betheiligung. Auch viele Soldaten hatten sich eingefunden, an welche sich Herr vr. Meyer in seiner trefflichen Rede zu wiederholten Malen besonders wandte. Diese sowie sämmtliche Anwesenden verließen sichtlich gerührt von der ernsten würdigen Feier das Gotteshaus. Einen bewältigenden Eindruck machte die herrliche Absingung eines Psalms in passender Melodie von Seiten unseres neuen Cantors, des Herrn Berggrün. An den zahlreich hier anwesenden jüdischen Soldaten beweist die Gemeide Hannover ihren mit Recht gerühmten Wohlthätigkeitssinn. Um es denselben zu ermöglichen, wenigstens hier "ibü und unentgeltlich zu speisen, bezahlt die Gemeinde durch Vermittelung unseres Herrn Rabbiners den größeren Theil der Kosten; die übrige nicht unbedeutende Summe wird von einigen jungen Leuten, die hier in verschiedenen Geschäften fungiren, aufgebracht. Posen, 20. August. Der bei Wörth gefallene Lanowehrlieutenant Ja ff e (ein Kaufmann unserer Provinz und einer der wenigen jüdischen Landwehrofficiere unserer Armee) hatte gleich im Anfänge des Gefechts einen Streifschuß erhalten, nach dessen Besichtigung ihn der Arzt aufforderte, die Gefechtslinie zu verlaffen. Er leistete jedoch dieser Aufforderung keine Folge und fiel eine Stuude später im mörderischen Granatfeuer. (Ostd. Z.) Aus Weftphalen Die Reformbestrebungen in einigen Districten Westphalens, namentlich aber die immer größere Dimensionen annehmende, willkürliche und verderbliche Umgestaltung des sog. Cultus haben auch auf manche Gemeinden der angrenzenden Rheinprovinz einen schädlichen Einfluß auszuüben nicht verfehlt. Hiervon liefert die jüd. Gemeinde der berühmten Fabrik- und Handelsstadt Elberfeld den deutlichsten Beweis. Noch vor etwa 12 Jahren, als Herr vr. Samuel Auerbach, jetzt Rabbiner zu Nordhausen, die Prediger- und Cantorstelle in E. bekleidet, wurde daselbst der Gottesdienst nach altherkömmlicher, echt jüdischer Sitte abgehalten; auch die übrigen jüd. rel. Institutionen, wie Religionsschule, mpci waren unter der Leitung dieses Mannes in der besten Ordnung. Wie hat sich aber Alles das im Laufe der Zeit geändert! Nach dem Abgänge Auerbachs wurde Dr. Engelbert aus Gudensberg, jetzt Rabbiner in der Schweiz, an die Spitze der jüdischen Gemeinde nach Elberfeld berufen. Schon unter der Leitung dieses Mannes wurde einigc. unwesentliche Reformen (?) im Gottesdienste vorgenommen, die aber unter der Aegidie seines Nachfolgers, des Dr. Kleeberg, jetzt Rabbiner in Amerika, immer mehr erweitert, schärfer ausgeprägt und ausgebildet wurden. In der jüngsten Zeit haben dieselben vollends ihren Höhepunkt erreicht, so daß E., — wenigstens in Bezug auf den sogenannten öffentlichen Gottesdienst, — selbst den modernsten jüd. Gemeinden in keiner Weise nachsteht. Um dieses zu beweisen, wollen wir Dir, lieber Leser, nur Einiges anführen: Der Gottesdienst beginnt mit nDffj; außerdem sind noch manche andere wichtige Gebetstücke ausgemerzt, wofür von einem gemischten Chore — die beiden Geschlechter sitzen neben einander - deutsche Gesänge vorgetragen werden. Für minn nwip ist der 7jähr. Cyclus eingeführt; aufgerusen wird, da das Ausgeben der Karten nicht modern genug ist, Niemand, sondern die minn nxnp^ nD“>3 werden vom Chore auf deutsch gesungen und von der Orgel begleitet. An den Q’Q» DWi sich mit einen Sterbekittel zu bekleiden, ist strengstens verboten; nur der Vorbeter trägt eine weiße Chorkappe in der Synagoge. Nun, wir glauben, durch das Angeführte den genügenden Beweis geliefert zu haben, daß der Gottesdienst, wie er jetzt in E. geleitet wird, eher einer Theatervorstellung, als einem jüdischen Gottesdienste ähnlich sieht, und daß die Wenigen daselbst, die diesem unjüdischest Gottesdienste nicht anwohnen, sondern lieber zu Hause nach echt jüdischer Sitte ihr Gebet verrichten, DrvmsN lrua? idd im vollen Rechte sich befinden; ja pq-q an^j; xnn. Und alles das geschieht unter den Auspieien und den