Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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639 trotz der großen Dürre zu Wasser geworden, ein verzweifelter Geist in die neolvgen Gemüther eingedrungen, der Geist der unaussprechlichsten Langewette, der die edlen Kämpfer so sehr captivirte, daß sie wahrlich nicht wußten, waS sie den Leftrn ihrer Partei-Organe bieten sollten, denn die herrlichsten Reden sind nicht gehalten worden, und das Placefc und non placet in der Münchener Aula, mußte nothgedrungen in den Herzen der frommen Väter erstarrt sein, und — siehe, in der bittersten Anzweifelung, in der noch nie dagewesenen Langeweile, in der rabies theologicä, wußte man endlich einen Weg der Rettung ausfindig zu machen. — Das alte abgedroschene Thema von dem Fanatismus der Gesetzestreuen, das mußte zünden. Und diesem Jdeengang verdankt es der obengenannte Artikel, daß er das Licht der Welt erblicken konnte. Wir citiren einige Stelle: (bei Gelegenheit des Bußtage-.) „Was also natürlicher, als die Gelegenheit zu ergreifen, die geängstigten Herzen vor Gott zü erleichtern und sich an den Tröstungen und Lehren der Religion aufzurichten! Dies ist denn auch in unzähligen Gotteshäusern geschehen, in allen solchen, in welchen die religiösen Lehrer des Volkes ihre Aufgabe begriffen und das Herzensbedürfnis des Volkes erkannt haben. Natürlich kan hier nur von der neuen Synagoge und dem Hr. vr. Geiger die Rede sein, denn wer da etwa zweifelt, daß dieser Mann die Ausgabe begriffen, und das Herzensbedürfniß des Volkes erkannt habe — anathema sit. Und weiter: „Wie ich von hier und nach Berichten von verschiedenen Orten mittheilen muß, so haben zelotische und heuchlerische Geistliche aller Confessionen katholische, evangelische und leider auch jüdische, die ihnen günstig scheinende Gelegenheit ergriffen, um aberwitzige Anschuldigungen, von den verkehrtesten Begriffen ausgehend, über ihre versammelte Heerden auszugießen."- Da wir hier also nur von jüdischen Geistlichen reden können, so sind hier in Berlin mit Ausnahme der Herren Geiger und Aub die anderen jüdischen Geistlichen Zeloten und Heuchler liorribile äictu. — Und nun zum Schluffe noch einige Betrachtungen des Herrn S. „Ich habe die bestimmtesten Nachrichten und könnte die Herren namentlich bezeichnen, die Napoleon UI. als Werkzeug des strafenden Gottes, Deutschland nur deßhalb den Krieg erklären ließen, weil deutsche Iudengemeinden die Orgel einführen und an den Gebeten des Mittelalters mäkeln, weil Deutsch-Juden die Satzungen des Schulchan-Aruch nicht mehr hielten und auch Sabbat- und Speisegesetze verletzen. Eine Fluth von Verwünschungen wurde von den heiligen Lippen über Alle losgelaffen, die nicht zu ihrer Fahne schwören, und das „Verflucht sei," welches jetzt in Rom ertönt hat, muß in den Ohren der ZionS- Wächter so. lieblich geklungen haben, daß sie es mit wahrer Wonne auch ihrerseits anftimmen und sich nicht daran sättigen können.. So wird die Religion verstummest und mißbraucht." —! Nachdem nun, da Herr S. keine Namen ^genannt, wir uns der Mühe unterzogen haben, «ne Nachforschung anzustellen, so ist das Resultat folgendes. In der alten Synagoge, in welcher Herr vr. Ungerleider predigte (wir wiffen zwar nicht, ob derselbe zur Orthodoxie zu zählen ist,) ebenso in der Synagoge, Schochare Ha Tob, wo Herr vr. Landsberger einen Vortrag hiAt, ist nichts derartiges von der Kanzel verkündigt worden. — Nun bliebe noch dieAdaßIisroel-Synagoge übrig — da müssen wir nun das freudige Bekennlniß ableges, daß der Rabbiner derselben, Hr. vr. Hildesheimer, und die zahlreiche Versammlung kann es bezeugen, nicht allein eine Predigt gehalten, die mit dem allgemeinsten Beifall ausgenommen worden, sondern daß es die liberalste von allen Predigten gewesen; indem der verehrte Redner den Krieg als einen heiligen bezeichnet. Jeder, der nur die Befähigung hat, einen deutschen Vortrag zu verstehen, wird es anerkennen, daß Herr vr. Hildesheimer nichts gesagt hatte, 'waS irgend wie berechtigte, Verläumdungen, wie sie in der Zeitung des JudenthumS zu lesen sind, in die Welt zu schicken. — Es bleibt uns nun nichts weiter übrig, als den Inhalt des von S. gefertigten Schriftstückes, als eine wohlüberlegte Lüge, als eine Denunciatton gegen die Gesetzestreuen aufzufassen, welche aber ohne alle und jede Wirkung ist. — Was uns aber so sehr erfreut, und was uns eine unendliche Beruhigung gewährt, ist, daß man genaue Kenntniß von den Waffen erhalt, mit denen die zu kämpfen gezwungen sind, welche uns das Heil bringen wollen. — Wie verächtlich muß die Sache sein, die mit dem Unwürdigsten, mit der Lüge und der Denunciation ausgekämpft werden muß l Hannover, im August. Trostreicher Zuspruch und liebreiche Ermahnung ist in Zeiten der Noch und Gefahr ein erprobtes Mittel zur Erweckung ausharrenden Muthes und festen Gottvertrauens. Auch in dem verstocktesten Menschen erwacht ja in solchen Stunden das bessere Ich, das gleichgültigste Gemüth ist in solchen Augenblicken wohlgemeinten Worten zugänglich. Diele unserer Brüder sind dem Ruse des Vaterlandes folgend begeistert mit hinaus gezogen in den Kamps gegen den Erbfeind Deutschlands. Manche von ihnen werden voraussichtlich nach dem natürlichen Gange der Dinge von den traurigen Leiden, die der Krieg unwiderbringlich im Gefolge hat, aetroffen werden. Während an dem Krankenlager der Verwundeten anderer Confessionen Feldgeistliche stehen, um sie