Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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630 dennoch schächten!! Und die Gemeinden kümmern sich nicht darum und essen von solcher Schechitah!!! Was soll man zu solchen Vorkommnissen sagen? Hat die Sprache ein Wort dafür, sie zu bezeichnen? Ist das ganze Verfahren nicht purer Wahnsinn? Wollen die pfälzischen Gemeinden Terephoth und Ne- Leloth esien, — ja, warum stellen sie denn Schochtim an? Wollen sie aber die Gesetze unseres Gottes beobachten, warum lassen sie denn durch „poßele" Schochtim sich mit Terephot und Nebeloth versorgen? Es ist, wie gesagt, ein Gemisch von Leichtsinn und Unwisienheit, das bisher in Israel unerhört war. Um die Pfälzer Fleischtöpfe nicht „trepha" werden zu lassen, veranlaßt man den Schochet, am itnip na» zu schächten, bedenkt aber nicht, daß nun Alles, Alles „terepha" geworden, der Schochet selber wie Alles, was künftighin aus seiner Hand hervorgeht!! Es erinnert uns das an eine Anekdote, die wir einmal haben erzählen hören. In einem Orte in Jütland wohnten fern vom Verkehr mit andern Juden einige jüdische Familien, die ganz und gar verbauert, die meisten jüdischen Gesetze auch nicht dem Namen nach mehr kannten. Zu ihnen kam einst ein reisender Kaufmann aus Hamburg, kaufte ihnen ihre Produkte, Ochsen-, Kalbs-Felle, Schaafwolle rc. ab, und wurde dann zum Esien eingeladen. Als er sich weigerte, die Einladung anzunehmen und als Grund die mangelnde Schechitah angab, erfuhren die guten Leute zum ersten Male in ihrem Leben, daß so Etwas existire. Für schweres Geld ließen sie sich dann im im Herbste von Rendsburg einen om» kommen; der sollte ihnen ihren ganzen Winterbedarf versorgen. Und als derselbe eine genügende Anzahl von Ochsen und Hämmeln geschlachtet hatte, sollte er ihnen auch die — Schweine schächten! I! Kaum anders scheint es in der bayrischen Pfalz werden zu wollen, wenn das so weiter fortgeht; denn wenn die Schochtim am »np na» schächten, so dürfen sie am Ende auch Schweine schächten. Der von einem ''D,-nsa na» ^nn geschachtete Ochs ist ebenso wenig a»a wie das geschächtete Schwein, und der Schweine-fchäcktende öm» wäre nur ein Narr, während der am na» schächtende Schochet nn'v a"N ist. Ihr jüdischen Männer aber in der Pfalz, denen der Sinn für das Judenthum und das Wissen vom Judenthume noch nicht ganz abhandengekommen ist, raffet Euch auf und tretet mit aller Macht und Energie solchen Vorkommnisien entgegen! Belehret die unwisiende Menge, ermahnet die Wankenden und Schwankenden, schaaret Euch zusammen, um mit vereinten Kräften der Sünde, dem Abfall, dem L ichtstnn, der Unwisienheit entgegenzutreten. Tief eingepflanzt ist die Liebe zu Gott und der Religion der Väter in die Herzen der Söhne und Töchter unseres Volkes. Es bedarf nur des mahnenden Weckrufs, um die Irrenden zurückzuführen zu unserm Vater im Himmel! Lasset es nicht daran fehlen; die Nachkommen Abrahams, Jizchak's und Jakobs werden darauf hören, und Sünde und Abfall wird schwinden — die religiöse Innigkeit und Hingebung unserer Vorfahren wird wiederkehren! Ileöer die Dornahme der Aeschueidung.*) Von Rabb. Dr. Hildesheimer. Je mehr gewisse stereotyp gewordene „Repräsentationen" des JudenthumS ihre Alleinherrschaft geltend machen, und oÄes Uebrige absorbiren oder wenigstens in den Hintergrund drängen, je mehr besonders die traurige Prärogative der Synagoge und des „Cultus" in den Augen der bethörten, den Quellen der Gotteslehre entfremdeten Menge alle nmv an"n vergessen läßt, desto mehr ist es die Aufgabe der jüdischen Presse dieser Verschiebung, ja Umkehrung aller religiösen Verhältnisse wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen. Ich will heute von einer Vorschrift sprechen, die, wie vielleicht keine andere ohne genügende Controlle und Organisation jedem Einzelnen überlassen, und deren unvollständige Ausführung doch von einer Tragweite, wie kaum eine andere Vorschrift ist. Ich denke nämlich an r6’D niBD, ein Gebot das dreizehn Mal als Repräsentant des Bündnisses zwischen Gott und Israel bezeichnet wird mnna -n»y »4» n^y imaa. Groß ist die Milah, daß selbst dem Mose« um ihrer Unterlassung willen nicht einen Augenblick lang Rücksicht geübt wurde, wie es in der Mischna Redarim heißt: „Abraham wurde nicht früher „ganz" genannt, bis er dieselbe an sich vorgenommen hatte, und nur ihretwillen hat Gott das Bündnitz über den Besitz des Landes geschloffen, sie rettet vor den Seelenstrasen, (bm 'jh djh’J) sie ist ein unwandelbares Bundeszeichen, nicht etwa wie pV’ön ober n'L'rr, die sich nur zeitweilig an uns befinden, sondern ein unzertrennliches Symbol unserer Erwählung, ihre Unterlassung involvirt für den, an dem dies geschehen, einen ma ann wenn er nach seiner religiösen Großjährigkeit das Versäumte nicht nachholt, daher auch für den Vater eine mit ma verbundene Pflicht (nia as), welche als Symbol unserer Erwähltheit gilt gegenüber den Heiden, welche durch die Vorhaut besonders bezeichnet werden (Tur Jore Dea. 260.) vergl. Berit Abrahm S. 109 ff. Diese besondere Weihe, mit der die Vorschrift umfloffen, hat sich auch genau in den früher» bessern Tagen ihrer *) Die in dem nachstehenden Aufsatze besprochenen Verhältnisse finden sich zumeist in den größeren Städten Nordoeutschlands.