Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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623 christlichen Mitbrüder zu handeln, wenn wir entschieden Front gegen die sogenannte fromme Partei der „Unversöhnlichen," machen, wenn wir mit aller Energie unsere Glaubensgenossen ausfordern, mit Kraft, namentlich aber in politischen Zeitungen, alles uns Kränkende öffentlich zu brandmarken. Zu unserer Freude bringt die heutige Vossische Zeitung folgendes Inserat: Offener Brief! An den Präsidenten des Central - Comitös zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger Herrn v. Sydow. Mit tiefem Bedauern, ja mit Mttzmuth haben die hiesigen Einwohner, welche nicht dem christlichen Glauben angebören, in diesen Zeiten he'liger Begeisterung für das große Vaterland die christliche Mildthätigkeit in den öffentlichen Aufrufen, und ebenso in Ihrem veröffentlichten Antwortschreiben an das Pariser Comite wahrgenommen. Wir fragen nicht, welche Confessionsgenossen mehr oder minder zur Linderung allgemeiner Calamitäten beitragen, das aber dürfen wir, ohne Widerspruch zu befürchten, offen auSsprcchen, wir Juden stehen mit Gut und Blut für das Vaterland nicht minder ein, wie unsere christlichen Mitbrüder; Niemand wird uns dies Zeugnitz verweigern. Wir müssen also entschieden Protest dagegen einlegen, als wäre Mildthätigkeit und Menschlichkeit der Vorzug einer bestimmten Confession und hoffen, daß diese Einseitigkeit endlich schwinde. Berlin, 8. August 1870. I. Ruhemann jr. Louis Herbst, vr Bramm. Kaufmann. Kaufmann. Hermann Joachim, Leo Moral, Adolph Meyer, Kaufmann. Kaufmann. Kaufmann. M. ^Blumenfeld, I Eisner, Kaufmann. Kaufmann. Frankfurt a. M., 15. August. In einem Artikel der „Elb. Ztg." wird dem hiesigen Hause Rothschild der Vorwurf gemacht, es habe seine Tasche nicht finden können, „als es galt für die Pflege unserer Soldaten beizusteuern und auf die Bundesanleihe zu zeichnen." Es ist dieß eine einfache Unwahrheit, indem das Haus, wie hier Jedermann weiß und wie es sämmtliche hier erscheinenden Zeitungen mitgetheilt haben, eine Million Thaler auf die BundeS-Anleihe zeichnete und dem Verein für die Pflege der Verwundeten einen Beitrag von 5000 fl. überwiesen hat. Oefterreichisch-Ungcttnfche Monarchie. Crfenftadt, 11. Menachem. Die neueste Nummer Ihres geschätzten Blattes brachte mir eine eigenthümliche Freude, und da )i2nb njnü fron Wmnb will ich Ihnen die Mittheilung derselben nicht vorenthalten; sie betrifft das Ende der Nummer, nämlich die — Eisenstädter Annonce; deren Inhalt ist G. s. D. schon erledigt worden, ehe das Blatt im engern Sinne des Wortes die Presse verließ. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit jenes Artikels, den unser derzeitiger Rabbiner, Herr vr. Hildesheimer, in diesen Blättern in jener Zeit veröffentlichte, als sich auch die Nentraer Gemeinde der rückschrittlichen Neuerung angeschlossen hatte, einen Rabbiner auf dem „nicht mehr ungewöhnlichen" Wege der öffentlichen Feilbietung des Rabbinates zu suchen; wie derselbe darin die Degradation ehrwürdiger Rabbiner, den Mißbrauch und die Verschiebung der Faktoren, auf die es bei einem Rabbiner ankommt, die Unannehmlichkeit , welche für den Nichtaufgenommenen dadurch bei seiner Gemeinde erwächst rc. rc., welches Alles mit den obligaten Probepredigten verbunden, erörtert hat. Nun, Eisenftadt hat G.s.D. noch keiner „öffentlichen Ausschreibung" bedurft, hat noch immer die schone alte Sitte "pfrnp' *;o*pOD innegehalten, es ist ihr gelungen, es auch dieseömal zu thun, indem Herr Solomon Kuttna, Obberrabbiner in Koposvar, fast einstimmig (d. h. mit allen Stimmen bis auf eine) am 4. d. M. zum Rabbiner gewählt worden ist. Es war dies eine besondere Fügung Gottes. Derselbe befindet sich nämlich gegenwärtig in dem nahe gelegenen Kurplätze Baben und hatte gar keine Ahnung von den mit ihm dort anzuknüpfenden Unterhandlungen, die auch merkwürdigerweise bei Gelegenheit einer mit einem andern Candidaten, welcher sich ebenfalls dort befindet, angestrebten persönlichen Bekanntschaft, zu welchem Zwecke einige Vorstandsmitglieder sich dorthin begeben hatten, durch Gottes Fügung veranlaßt wurden. Uebrigens standen zwei Dinge fest, die beiden äußersten Gegensätze, sogenanntes „unterländisches ", sowie andererseits Reformfteunde sind in unserer Gemeinde unmöglich; eS konnte sich daher in dem ganzen „Interregnum" nur darum handeln, ob man sich einen den Culturbestrebungen uicht feindlichen „Alten" oder ein altes Kind der Zeit, d. h. einen bei allem „vorzeitigen" positiv die Culturbestrebung fördernden etdji a^a hi,t nehmen solle. Herr vr. Hildesheimer empfahl bei seinem Abgänge dem Vorstände auf dessen Anfrage drei Rabbinen, in erster Linie Herr Kuttno; die erste Wahl in der Gemeinde siel, wie Sie wissen, auf den Rabbiner in Karoly, den vorzüglichsten Vertreter der erstgenannten Richtung. Entscheidend dafür war einmal die große Berühmtheit desselben auf talmudischem Gebiete, sowie, daß derselbe ein geborener Eisenstädter ist und jetzt i’3N mpo t6ao sein würde. Diese Persönlichkeit bildete, wie Eingeweihteren wohlbekannt ift eik Com-