Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-08-17 · Heft 33 (17.8.1870) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447480--08577-2464231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

622 Glaubensgenossen zu spreche», der in der Schlacht bei Saarbrücken- Spicheren sein Blut fürs Vaterland vergossen, auf dem Schlachtfelde sich durch besondere Bravour hervorgcthan und in Folge dessen zum Lieutenant befördert ist worden. Derselbe hatte als Jude und Hannoveraner das doppelte Dorurtheil zu widerlegen, und es ist ihm wie vielen Anderen in leicher Lage gelungen. Mit Freuden vernahmen wir, aß unsere Glaubensgenossen sich während des gegenwärtigen Feldzuges der Anerkennung ihrer Vorgesetzten, der Liebe ihrer Kameraden erfreuen. Gemeinsam vergossenes Blut ist ein starker K-tt, der zusammenhält trotz Stammes- und Rsligionsverschiedenheit. Gott gebe, daß unser theures Vaterland recht bald in Frieden die Früchte der glorreichen Siege seiner tapferen Söhne genieße. Berlin, 9. August. Die Allg. Ztg. des JudenthumS vom 2. d. M. veröffentlicht einen Brief des Pr. London, Oberarzt am Rothschild'schen Hospital zu Jerusalem; in demselben sind die Mittel angegeben, um dem Elend unserer dortigen Brüder Abhilfe zu leisten. — Es ist eine Radikalkur, und wenn die picht hilft, dann gibt es keine Rettung. — Man htzze und staune. — Die Bildung guter Schüler mit obligatorischem Unterricht dnrch Lehrer, die nicht ausschließlich fromm zu sein brauchen, außer Bibel und Talmud, müssen Sprachen, Naturgeschichte, Geographie und Mathematik, die Lehrobjecte sein, damit derMüssiggqng und dieArbeitsscheuverbannt werden. — Die Redaction obengenannter Zeitung schließt den Artikel mit folgender, moralischer Nutzanwendung. „Dieser Krebsschaden ist bereits oft"genug aufgeweckt worden, aber die Europäer selbst wollen eine reelle Verbesserung in der jüdischen Bevölkerung Palästinas nicht, und die meisten derer, welche in Europa die Sammlungen für Palästina leiten und fördern, sind jeher Maßregel feind oder wenigstens abgeneigt, die wirksam sein könnte, mit aber einer gewissen Energie durchgesührt werde müßte. Hat man doch erst jüngst wieder von Berlin aus einen Verein zu gründen gesucht, der die Hülfsmittel herbeischaffen soll, um die in Palästina ansässigen und eingewanderten Juden in ihrer „fromme" Faullenzerei zu erhalten. Wir müssen es offen gestehen, daß es uns anwidert, gegen derartige Unwahrheit anzukämpfen, denn der Verein, der hier genannt wird, ist kein anderer als der von dem Rabbiner der Adaß Jisroel ( Herr Dr. Hildesheimer errichtete Verein für palästinensische Angelegenheiten, welcher seit der kurzen Zeit seines Bestehens, Dank den enormen Bemühungen, Dank der Aufopferung des genannten Hrn. Rabbinen sich einer gesegneten Wirksamkeit zu erfreuen hat. -- Für die vielen Gläubigen, die in verba magistri schwören, mögen nur 4 Punkte aus den Statuten des Vereins angeführt werden. a. Unterstützung unserer Glaubensgenossen in Palästina, in materieller und geistiger Beziehung. b. Vermehrung der israelitischen Armen- und Pilgerwohnungen. o. Gründung eines Hospitals in Jerusalem. ä. Uebermisielung der sstr specielle jüdische Institute und bestimmte Personen gespendete Summen und Verwaltung von dergleichen Legaten. Wir fragen jeden Unparteiischen, heißt das etwa fromme Faullenzerei befördern, wenn wir außer der geistigen, auch materielle Untersuchung den Armen zukommeu lassen? - Glaubt man denn wirklich mit Schulen den lautfordernden Magen zum Schweigen zu bringen, wir können uns durchaus kein rechtes Bild machen, wie es möglich sein sollte, denen, die am täglichen Brode Mangel leiden, durch mathematischen oder geographischen Unterricht den Hunger wegdisputiren zu können. — Man sicht es offenbar; mit welchen unwürdigen Waffen die Neologie kämpft, statt der Wahrheit die Ehre zu geben, werden Lügen in die Welt geschickt, und sollten diese einst nicht mehr ziehen, dann dürften vielleicht die ehrwürdigen, unfehlbaren Väter der Neologie zu einer von ihnen noch zu erfindenden Mitrailleuse ihre Zuflucht nehmen, um mit den armen Gesetzestreuen gründlich tabula rasa za machen, — aber mit Gottes Hilfe, — es wird ihnen nie und nimmermehr gelingen. — Es. ist uns jederzeit ein schmerzliches Gefühl, daß bei der Opferfreudigkeit, die sich überall Bahn bricht, um die Leiden des Krieges zu mildern, bei den Aufrufen der verschiedensten Vereine immer an die christl. Mildthätigkeit appellirt wird. — Wir wollen uns zwar nicht rühmen, ober offen gestunden, man verschaffe sich einen Einblick in so manche Vereins-Liste, und man wird die Bek nner des Judenthums mit den glänzendsten Beiträgen verzeichnet finden, und nicht allein das, sondern Einzelne mit Beiträgen von über Tausend Thalern, die alle mit Freuden hingegeben wurden, weil es einer heiligen Sache, der Rettung unseres deutschen Vaterlandes gilt. — Weit entfernt Parallellen zu ziehen, wollen wir aber doch ein Cuxiosum mittheilen, welches die allgemeinste Sensation erregt hat, und noch lange Stadtgespräch sein wird. — Ein alter, .bekannter, frommer Herr, dessen Lippen von christlicher Mildthätigkeit überströmen, also kein Jude, reich gesegnet, Inhaber einiger Millionen Thaler, hat — sage Ein Hundert Thaler gezeichnet. Es ist gewiß nicht unsererseits ein fanatisches Gebühren, welches uns veranlaßt das Gehässige eines derartig lieblosen Aufrufes, welcher die Mildthätigkeit, als ein nur christliches Gemeingut anerkennt, zu kennzeichnen, sondern wir glauben ganz im Sinne unserer denkenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.