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Der Israelit · 1870-08-17 · Heft 33 (17.8.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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619 zenden Namen, kümmerten sich wenig tun dir Regierung des Landes, sondern überließen Alles ihren Räthen. Durch seinen zum Ministerialrath avancirten Freund Vieregg wurde Wolfsohn in diesen Kreisen bekannt und erhielt hier oftmals Winke und Mittheilungen, die für sein Geschäft unschätzbar waren. Dieses nahm dadurch einen glänzenden Aufschwung; die Bank, an welcher sich Wolfsohn den Löwenantheil Vorbehalten hatte, entwickelte sich derart, daß sie ihrem Begründer alljährlich einen ungeheuren Reingewinn brachte. In der Zeit, in welche unsere Erzählung fällt, gab es in dem Theile Deutschlands, welcher der der Schauplatz unserer Geschichte ist, erst wenige Eisenbahnen. Es sollte nun eine neue Linie gebaut werden, um die entfernteren Landestheile mit einander in nähere Verbindung zu bringen. Da die neu zu erbauende Eisenbahn wenig Aussicht auf Rentabilität bot, in strategischer Beziehung aber von unschätzbarem Werthe war, so mußte sich der Staat entschließen, selbst den Bau Herstellen zu lasten. Zu diesem Behufs war es nothwendig, eine Anleihe aufzunehmen. Wolfsohn erfuhr rechtzeitig davon und traf seine Maßregeln. Zuerst wußte er es dahin zu bringen, daß mit auswärtigen großen Häusern Verhandlungen anzuknüpfen beschlossen wurde; dann liH er den Literaten Bruno Bürger zu sich kommen und hatte eine lange Berathung mit ihm. Bald darauf erschienen in den bedeutendsten Zeitungen der europäischen Hauptstädte Aufsätze über die Finanzlage desB.'schen Staates, welche diese nicht gerade in günstigem Licht erscheinen ließen. Als nun die Regierung mit den ersten Bankhäusern Verhandlungen wegen des neuen Anlehens anknüpfte, wurden ihr überall ungünstige Bedingungen gestellt; sie sollte nicht nur das Hundert mit fünf Prozent verzinsen, sondern auch an Capital nur 80, an anderer Stelle 83, an der günstigsten 87 statt hundert erhalten. Endlich wandte man sich an Wolfsohn und bat um seinen Rath. Zu einer Sitzung des Finanzministeriums wurde er hinzugezogen und ihm die Sachlage, die ihm schon nicht unbekannt war, exponirt. „Das sind," sagte der Minister, nachdem der Vortragende Rath seinen Vortrag beendet hatte, „die Anträge, die wir erhalten haben. Unser Staat ist bei seiner vortrefflichen Finanzlage nicht gewohnt, sich solche Bedingungen vorschreiben zu lasten." „Excellenz," entgegnete Wolfsohn, „die Bedingungen sind bei der heutigen Lage des Geldmarktes nicht so übel; es hat erst eine große Geldkrise stattgefunden, und das Geld ist immer noch sehr knapp. Nichtsdestoweniger darf unser Staat sich zu solchen Bedingungen nicht herbeilasten." „Aber was sollen wir thun?" fragte der Minister, „wir haben bereits in Frankfurt, in London, in Paris, in Amsterdam und überall angesragt und nirgendwo bessere Anerbietungen erhalten!" „ „Haben Excellenz schon an den Patriotismus eines Bürgers unseres Landes appellirt?"" „Was wollen Sie damit sagen?" „ „Excellenz, ich und die hiesige Bank, deren Verwaltungsrath unter meinem Präsidium steht, wir sind bereit das ganze Anlehen al pari zu übernehmen." " „ „Das wollten Sie thun, edler Mann? Aber bedenken Sie, die Summe ist eine sehr große!" „ „Sie ist für unsere Vaterlandsliebe nicht zu groß." "j Noch an demselben Tage wurde Wolfsohn zu Sr. Majestät, dem Könige, befohlen. Seine Majestät belobten die Vaterlandsliebe, die Aufopferungsfähigkeit des Banquiers in den anerkennendsten Ausdrücken und boten ihm den Titel eines Commerzienrathes an. „Verzeihen mir, Eure Majastät," sagte Wolf-" sohn, „wenn ich mir zu erwähnen erlaube, daß mir der Titel eines Commerzienraths bereits mehrmal vou deutschen Fürsten, mit deren Höfen ich in Geschäftsverbindung stehe, ist angeboten worden." „ „Und Sie haben ihn abgelehnt?" " Wolfsohn verbeugte sich. „ „Ich möchte Sie aber gerne auszeichnen. Würden Sie auch ein Adelsdiplom ablehnen?" " „Eure Majestät würde mich durch solche Auszeichnung außerordentlich beglücken." Und Wolfsohn wurde in den Adelstand erhoben. Er erhielt den Namen eines Herrn von Wolfseck. Ehe die Bank zu B. die Actien des neuen Eisenbahnanlehens an den Markt brachte, erschien in den dortigen Zeitungen eine Reihe von Aufsätzen, in welchen die Sicherheit und Preiswürdigkeit dieser Actien angepriesen und begründet wurde. Das Privatpublikum zögerte daher nicht, dieselben mit großem Eifer anzukaufen, so daß der Cours bald auf 118 stieg. Wolfsohn hatte ein glänzendes Geschäft gemacht. Mit seinem neuen Adel war sein Reichthum bis ins Ungeheure gewachsen, aber auch sein Stolz, sein Hochmuth, sein Uebermuth. Sein Haus genügte ihm nicht mehr; er ließ an derselben Stelle ein neues bauen, das der Stadt B. zur Zierde gereichen sollte; da wurde Alles auf adligem Fuße eingerichtet und das neuverliehene Wolfseck'sche Wappen prangte überall, auf dem Portale des neuen Palastes, auf dem Silbergeschirre, auf der prachtvollen Equipage, auf den vergoldeten Knöpfen der Livreebedienten. Auch andere chevalereske Neigungen WolfsohnS, die bisher mehr im Verborgenen befriedigt worden waren, traten jetzt offener zu Tage. Wie gern hätte Auguste Wolfösohn, die nunmehrige Frau von Wolfseck, auf den neuen Adel, auf den übergroßen Reich-

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