Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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618 um demnächst über sie herfallen zu können. Wann werden endlich diese elenden Verleumdungen ihr Ende erreicht haben? Palästina. Wir entnehmen einem Privatbriefe, den einer unserer Bekannten von der ung.-öst. Gemeinde in Je- , rusalem erhielt, folgenden Passus: „Danken wir Gott für seine große Gnade, daß $hc uns beglückt hat, für unsere Gemeinde ein Grundstück zu erstehen, zur Synagoge und Bmonn'3, während wir bis jetzt ohne Ruhe und Rast von Ort zu Ort, trotz schweren Miethzinses, getrieben worden waren, weil eben die Türken zu jüd.-synagogalen Zwecken ihre Grundstücke nicht hergeben wollten. Schon oft bemühten wir uns vergebens um ein eigenes Besitzthum; erst in diesem Jahre erreichten wir unfern Zweck, Dank sei es der sonst so verbängnißvoll lastenden Noth, die unseren Verkäufer zu diesem Entschlüsse nöthigte. Das Grundstück ist ein herrliches, nahe dem n»an m gelegenes und von dort aus sichtbar. Wir liehen uns das nöthige Geld und kauften es getrost in der sicheren Hoffnung, daß unsere theueren Brüder, die von warmem, thätigem Interesse für Jerusalem durchdrungen sind, uns in den Stand setzen werden, dieses Darlehen successive zurückzuzahlen. Unseren innigsten Dank aber vor Allem Sr. Hochwohlgeboren, dem Herrn Graf Kabago, k. k. österr. uug. Generalkonsul Hierselbst, und dessen erstem Beamten, Sr. Wohlgeb. Hrn. V. Konsul, Jakob Paskal, welche sich um den Abschluß dieses Kaufes außerordentlich viele Verdienste erworben haben; und nur durch ihre thätige Hilfe ist es uns gelungen, die Genehmigung der Kaufcontracte höheren Ortes zu erreichen. — Und nachdem dies geschehen, beehrte uns Herr Paskal (in Abwesenheit des Hrn. Generalkonsuls, der in Jaffa verweilt) Mit einem hervorragenden Türken Beder Jpendi, und versprachen uns hochherzig, Alles zu unseren Gunsten thun zu wollen. Dank sei dem himmlischen Vater, der uns die Gnade der hohen Beamten zuwendete; möge Er ihnen reichlich lohnen all die Gnade, diese uns und unseren Brüdern erweisen! — Amerika. Atetv-Nork Dr. Hirsch in Philadephia hat einen Sonntagsgottesdienst eingerichtet. Seine Absicht ist wohl, auf diese Weise anzubahnen, daß der Dabbat auf den Sonntag verlegt werde. Merkwürdig ist eö, schreibt der „Jew. Mess.", daß selbst ein Ultra-Reformblatt, der in Cincinnati von vr. Wise herausgegebene „Jsraelite", das Gebühren dieses Resormhelden verdammt. New-Uork. Concerte in den Synagogen werden in den Vereinigten Staaten nach und nach Modesache. So wurde am 9. Juli in der Beth-Elohim- Synagoge zu Brooklyn von einigen jungen Damen ein Concert abgehalten und suchte man das Unrecht, ähnlich wie in Berlin, unter dem Deckmantel der Wohlthätigkeit zu beschönigen. Man will aus dem Erlös die Restauration der Synagoge bestreiten. (Jew. Mess.) Afrika. Algier. Die Herren Jules Favre und Cr«- mieux waren vor 2 Monaten in Algier gewesen. Sie hatten vor dem dortigen Kaiserlichen Gerichtshöfe gegen einander einen Proceß geführt, der die interessante Frage der Naturalistrung der Algierischen Israeliten berührt. Es handelte sich in Kürze um Folgendes: Ein reicher Israelit starb und hinterließ ein bedeutendes Vermögen. Er hatte vier Kiüder: zwei Söhne und zwei verheiratete Töchter. Auf Grund des mosaischen Gesetzes bemächtigten sich die beiden Söhne der Erbschaft und sagten: Alles gehört uns, da nach unserem Religionsgesetze Töchter ihren Vater nicht beerben können. (Die Töchter hatten eine bestimmte Summe bei ihrer Verheiratung erhalten.) Die Töchter sagten dagegen: da unser Vater sich hat naturalisiren lassen und französischer Bürger geworden, so stehen wir unter dem französischen Gesetze und können erben. Herr Julius Favre hat vor dem Gerichtshöfe die Sache der Töchter, Herr Cremieux die der Söhne verteidigt. Das Gericht entschied zu Gunsten der Söhne. Feuilleton. Säen und ßrnten. XI. Neuer Adel. Während Wolfsohn aus den Kämpfen der jüdischen Gemeinde als Sieger hervorgegangen war, hatten diese ihm noch einen andern Vortheil gebracht. Er hatte immer nach einflußreichen Verbindungen getrachtet; Regierungspräsidenten, Generäle, Freiherren waren zu seinen Festen geladen worden und hatten seinem Hause Glanz verliehen; allein erst jetzt war er aus die rechte Fährte gerathen. In dem bureaukratisch eingerichteten Staate, in welchem er lebte, hatten die Verwaltungsbeamten das Heft in Händen. Die Minister, reiche und vornehme Aristokraten mit glän-