Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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616 solchen loyalen Gesinnungen und wahrer Menschenliebe beseelt sind, davon zeugt folgender Vorfall. In Horn, einer Stadt im Fürstenthume Lippe-Detmold fungirt ein jüdischer Arzt, der sich eines ausgebreiteten Rufes und einer bedeutenden Praxis zu erfreuen hat. Nun traf eS sich kürzlich, daß in einem benachbarten Orte der katholische Geistliche krank wurde. Alle Aerzte der Umgegend wurden nach und nach zu Rathe gezogen, aber keiner konnte helfen. Da kam eines Tages der Herr Kaplan zu dem Pastor, der, als er von diesem erfuhr, daß sämmtliche Aerzte der Umgegend ihn aufgegeben hätten, an denselben die Frage richtete, ob er auch schon den jüdischen Doctor consultirt habe. „Den jüdischen Arzt", — soll der Herr Pastor geantwortet haben, — „der darf mir eben so wenig, wie ein anderer Jude ins Haus kommen, „der kann mir doch nicht helfen!" Doch, was that der Caplan? Er holte, ohne Wissen des Pastors, den jüdischen Doctor und ging auch selbst mit ihm ins Pastorat. Daß der Geistliche beim Anblicke des jüdischen Arztes sehr verduzt war, läßt sich leicht denken. Nun was geschah? Der Doctor hielt die Krankheit doch nicht für so bedenklich, wie seine christl. Collegen, verschrieb dem Pastor einige Male Medicin und schon nach Verlauf von 14 Tagen war dieser nicht allein von seiner Krankheit, sondern — und das will noch weit mehr sagen — auch von seiner antijüdischen und intoleranten Gesinnung — gründlich geheilt, so daß er an einem Sonntage in der Predigt seine Gemeinde aufforderte, daß sie doch ja nicht versäumen sollten, in Krankheitsfällen die Hilfe des jüdischen Doctors Arenberg zu Horn in Anspruch zu nehmen. — In unserem Geburtsorte Schötmar, Lippe-Detmold, besteht schon seit längeren Jahren eine O'ion nP'vm omna nmn. Dieser Verein, zu einer Zeit ins L ben gerufen, wo in Sch. nur 5 jüdische Familien wohnten und wo, da nach den damaligen Gesetzen die Israeliten des Fürstenthums zum größten Theile zum Cölibat verurtheilt waren, auch nicht mehr wohnen durften, hat schon viel Gutes gestiftet. Schon nach den beiden ersten Jahren des Bestehens war es dem Verein möglich, von dem vorhandenen durch Einkaufs - und Mitgliederbeiträge angesammelten Fond eine schöne Dmoyn m min nöD schreiben und tcnipn 'dv entsprechende anfertigen lassen zu können; ebenso hat genannter Verein schon mancher nothleidenden Familie Unterstützung gereicht und noch kürzlich, als während unserer Anwesenheit in Sch. einige junge Leute, die Mitglieder des Vereins sind, zu den Fahnen einberufen wurden, wurde in einer Sitzung beschlossen, auch diesen, obgleich nicht unbemittelten eine solche zukommen zu lassen. Eine solche That verdient bei der jetzigen ernstlichen Weltlage sicher Anerkennung und Nacheiferung. — In Sendenhorst, einem Städtchen in der Nähe von Münster, lebt ein jüdisches Ehepaar, Herr und Frau Stern, von denen erstererdas seltene Alter von 105 Jahren hat, und noch so gesund und rüstig ist, daß er seinen täglichen Geschäften auf dem Lande nachgehen kann. Auch die Frau ist nicht viel jünger. Beide haben sich, soviel uns bekannt ist, immer der besten Gesundheit zu erfreuen gehabt; wenigstens haben wir, als wir in den vierziger Jahre in S. die Lehrer- und Cantorstelle bekleideten, die in Redejstehenden Eheleute niemals über Unpäßlichkeit klagen hören. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Frankfurt, 4. August. Die Familie des Hrn^ v. Rothschild übte gestern, während das Verpflegungs- Comite die Hungrigen speiste und die Durstigen tränkte, ein anderes Werk der Erquickung aus, indem sie unter die nach Tabak Lechzenden eigenhändig Cigarren vertheilte. Das gegebene Beispiel wirkte und bald fanden sich weitere Damen zu demselben Dienst bereit. Crefeld Die hiesige Gemeinde hat beschlossen, zwei russische Waisen zu adoptiren. Vor Kurzem sind ungefähr 60 Gemeindemitglieder der „All. Jsr." beigetreten. Hamburg. Wie Ihnen schon durch die politischen Zeitungen bekannt sein wird, haben die Hamburger durch eine freiwillige Nationalsubscription ihren Patriotismus zu erkennen gegeben und das Resultat derselben dem König von Preußen zur Verfügung gestellt. An die Spitze dieses Unternehmens hat sich unser Glaubensgenosse, Herr Siegfried Schiff, gestellt; er zeichnete 5000 Thlr. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien, 7 August. Gestern Vormittags ist die Vertheilung der Rothschild'schen Stiftung im Betrage 1575 fl. an arme Gewerbetreibende mit je 52 fl. 50 kr., und an fünf arme Techniker mit je 105 fl. von einer Commisston vorgenommen worden, welche aus dem Bürgermeister-Stellvertreter als Vorsitzenden, aus 7 Gemeinderäthen und aus einem Vertreter des Hauses Rothschild bestand. Pefth» Ein Amtsdiener des ungarischen Oberhauses , der sich Ladislaus Magyar nannte, hat sich vor etwa drei Wochen mit einer gewissen Magdalena Beckmann in Pesth nach israel. RituS verehelicht. Die Ehe dauerte nicht lange, denn kaum hatte der saubere Mann die Mitgift seiner Frau, bestehend aus 300 fl., durchgebracht, so ist derselbe auch flüchtig geworden. Da derselbe der Bigamie schuldig ist, mag er in Erinnerung an den goldnen Spruch: „es ist nichts so fein gesponnen u. s. w.," lieber das Weite