Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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615 AeitungSnachrichten und Gorrespoudenzen. Deutschland. Mainz, 5. August. Anfangs Juli haben wir zum Besten der Armen und Nothleidenden im heiligen Lande 1634 fl. 42 kr. nach Amsterdam geschickt. Die Gesammtsumme der von uns in diesem Jahre für den genannten Zweck gesammelten und beförderten Gelder .beträgt demnach 11,072 fl. 6 kr. — Die Noth in Palästina ist leider noch immer sehr groß, zumal da durch den Krieg die Spenden plötzlich zu fließen aufgehört haben. Wurzburg, im Juli. Wie die geschätzten Leser aus einer der jüngsten Nummern des „Israelit" ersehen, hat die hiesige israel. Gemeinde zwei russische Waisenkinder angenommen. Wenn dies wohl für die hiesige zahlreiche Gemeinde nicht gerade viel erscheint, so muß man in Betracht ziehen, wie sehr unsere Gemeinde stets in Bezug auf das Ausüben der Wohlthätigkeit beansprucht ist, so daß keine Woche vorübergeht, in der nicht außerordentliche Collecten vorgenommen werden, abgesehen von den regelmäßigen Gaben. So verabreicht der hiesige israel. Wandererunterstützungs - Verein jährlich an 4000 fl. an durchreisende Israeliten u. s. s. Betrachten wir erst, welche enorme Summen unser hochverehrter Herr Districtsrabbiner Bamberger dahier alljährlich durch freiwillige Beiträge sammelt : 5— 6000 fl. für die hiesige israel. Lehrerbildungs - Anstalt, eine gleiche Summe für unsere armen Glaubensbrüder in Jerusalem, für die Koscherbeköstigung der jüd. Soldaten und die der sich im hiesigen Spitale befindenden Armen, bei welchen Gaben unsere hiesige Gemeinde stets gut vertreten ist, so können wir nur den Wunsch ausdrücken, daß sich größere Gemeinden unseres Bayerlandes ebenfalls der so schwer geprüften armen Waisenkinder annehmen, und mindestens ebensoviel adoptiren mögen, damit endlich etwas Bedeutendes hierin geschehe.— Unser unermüdlicher Autor, Herr Rabbiner Bamberger, bewerkstelligt eben wiederum die Herausgabe eines neuen Werkes unter dem Titel: 5,0*0 *nip, worin alle in wno ,’o^Brn'i ^33 d"k? verkommenden npn auf die präcifeste Weise erklärt werden. Wir werden hierauf nach Vollendung desselben zurückkommen. Möge es unserm hochwürd. Herrn Rabbiner '"2 vergönnt sein, so fort zu wirken wie bisher. §. Fürth, 8. Aug. Wie lange es noch mit unserer Wahlangelegenheit dauern wird und wie dieselbe! zur Erledigung kommt, das zu bestimmen, wird sicher! nur sehr wenigen, vielleicht keinem Menschen möglich I sein. Von der kgl. Regierung ist neuerdings, nachdem der Vorstand den vom Magistrat empfohlenen Sühneversuch abgelehnt, dieser hingegen den fraglichen Paragraphen verändert der Regierung in Ansbach übermittelt hatte, eine Entschließung dahin ergangen, daß die Fassung des betreffenden Paragraphen die Intention des Vorstandes nickt deutlich erkennen lasse, öielmehr zu Mißverständnissen Anlaß geben könne; es sei deshalb das Statut unter nochmaligerHörung der Reclamanten abzuändern. Jetzt ist es an der Zeit, daß diese ihr Votum über das neue Wahlstatut im Allgemeinen oder im Speziellen abgeben, indem sie das nachholen, was bei der ersten Ausgabe aus Mangel an Zeit unterlassen worden. Nachdem man aber einmal über einen einzelnen Paragraphen sich beschwert, die übrigen aber wegen der erforderlichen Eile unberührt gelassen, so ist es am Besten, da Geschehenes nicht ungeschehen gemacht werden kann, alle Punkte im fraglichen Statut, welche eine Verbesserung bedürfen, den Reclamanten in Gesammtheit vorzulegen und nach Majoritätsbeschluß deren Aenderung zu beanspruchen. Als eine besondere Neuigkeit habe ich von hier zu melden, daß gestern am 3*0 njwn unsere Fleischscharre wegen des Buß- und Bettages nur bis acht Uhr Morgens geöffnet war, während sie in früheren Jahren bis nach Beendigung des Gottesdienstes, also bis nach 11 Uhr geschloffen blieb. Ich enthalte mich darüber jedes Commentars, glaube aber, daß, wenn der betreffende Bettag wirklich die Veranlassung dazu war, man ohne andern Ausweg besser für diesen Tag die Fleischbank gar nickt geöffnet hätte. yidk Aus Weftphalen. In Herford, Rgb. Minden, ist nach langjährigen Leiden, der jüdische Lehrer Heine gestorben. Es drängt uns, bei dieser GAegenheit einen Act wahrhafter rel. Toleranz zu verzeichnen, der in den weitesten Kreisen bekannt zu werden verdient. Als nämlich der katholische Pastor erfuhr, daß der Lehrer H. leidend sei, mußte in der katholischen Kirche — dieselbe befindet sich vis ä vis der Synagoge, in welcher sich auch die Wohnung des Lehrers befindet — das Geläute, und, als später die Krankheit einen gefährlicheren Verlauf nahm, sogar der Gesang eingestellt worden. Alle Ehre einem solchen braven Mann. Es liefert diese Thatsache auch zugleich den Beweis, wie sehr der Verstorbene sich der Liebe und Achtung aller Confessionn zu erfreuen hatte. Davon gab auch die Beerdigung, durch die Betheiligung sämmtlicher Confesstonen, den beredetsten Ausdruck. — Daß aber nicht alle christl. Geistlichen von