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Der Israelit · 1870-08-10 · Heft 32 (10.8.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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609 daß die Verehrung und Anbetung der Götzenbilder nichtig und eitel ist und wenig helfen kann. Wie kommt es nun, daß wir dennoch mitunter Kranke und Bresthafte nach ihren Tempeln wallen und sie geheilt, gekräftigt und gefestigt zurückkehren sehen? —" „Mein Freund," antwortete der Weise, „laß Dich durch ein Gleichniß belehren. — Ein Mann genoß eines solchen Vertrauens bei allen seinen Mitbürgern, daß ihm Jeder, so oft der Fall eintrat, noch so werthvolle Dinge ohne Zeugen oder sonstige Versicherung zum Pfände oder auch zum Aufheben gab. Nur Einer nahm immer sich Zeugen dazu. Eines Tages indeß kam auch dieser Eine ohne Zeugen; er hatte vergessen sich solche mitzubringen. Da sprach die Frau des Mannes: „Dem könnten wir jetzt leicht sein uns anvertrautes Gut vorenthalten, könnten sagen, er sollte seine Zeugen beibringen." — „Frau," antwortet ihr der Mann, „weil dieser Eine thöricht gehandelt, sollte wir den Schwur brechen, den wir der Treue zugeschwvren, und das Vertrauen, das wir genießen, einvüßen!" „So, mein Freund!" fuhr der Weise fort „„verhält es sich auch mit Dem, was Du gefragt. — Wenn körperliche Leiden über den Menschen kommen sollen, so haben dieselben einen Sckwur abzulegen, daß sie, so wie sie zu einer bestimmten Stunde nur in Folge einer bestimmten Veranlassung den Menschen heimsuchen, ebenso zur bestimmten Stunde oder durch einen bestimmten Mann r nd ein bestimmtes Kräutlein den Menschen wieder verlassen wollen. Kommt nun diese bestimmte Zeit heran, und eS trifft sich, daß der Heimgesuchte gerade in dieser Zeit Hilfe für seine Leiden da sucht, wo keine Hilfe zu finden ist, da sprechen wohl die Leiden:" „Wir sollten diesen Thoren jetzig gerade nicht verlassen und in seiner Thorheit nicht noch bestärken!" „Aber bald besinnen sie sich eines Bessern und sagen, ihres SchwureS eingedenk: „„Nein! um dieses Thoren willen dürfen wir nicht treulos handeln dürfen den Schwur nicht brechen, den wir geschworen."" „Die Natur, mein Freund!" schloß der Weise, „geht unwandelbar den ihr vom Schöpfer vorgeschriebenen Gang und kümmert sich wenig um den Mißbrauch und die Thorheit des Menschen. Sollten Sonne und Mond nicht mehr leuchten oder die Sterne nicht mehr glänzen und die Planeten nickt mehr wandeln, weil der Mensch thöricht genug ist, ihnen göttliche Ehre zu erweisen? Das Waizenkörnlein, das der Mensch in den Boden legt, und ist es auch gestohlen, es keimt und sprießt auf, und überläßt es der Gottheit, für das Unrecht des Menschen Rechenschaft von ihm zu fordern." ßharles Dickens «nd die Anden. Das Iewish Chronicle widmet dem unlängst verstorbenen berühmten Schriftsteller Dickens einen Nachruf. Die Muse desselben war anfangs den Juden unfreundlich. Zur näheren Erläuterung mögen die folgende Briefe dienen: Frau G. an CH. Dickens. Sehr geehrter Herr! Ich wage es, mich an Sie in einer Angelegenheit zu wenden, die mein höchstes Interesse erweckt hat. ES betrifft dies die Characterzeichnung des Juden Fagin in Ihrem „Oliver Twist." Sehr schmerzlich muß es berühren, heutzutage, wo doch die Freiheit und Gleichheit für alle Religionen überall ihr siegreiches Banner aufgeflanzt, leider nur noch zu oft, in unserem die allgemeine Freiheit liebenden Lande, in dem die Gesetze keinen Glaubensunterschied mehr kennen, die Feder der Novellisten gegen den jüdischen Volksstamm zu Felde ziehen zu sehen. Ihre berühmten Werke, sehr geehrter Herr, tragen sämmtlich die sprechendsten Beweise in sich, wie sehr es ein edles Princip bei Ihnen geworden, allem und jedem Drucke in unserem Lande entgegenzuarbeiten und dennoch haben Sie in der Characterzeichnung des Fagin einen Bösewicht in höchster Vollendung mit dem Prädikate „Jude" bezeichnet, dadurch das niedrige, ungerechte Vorurtheil gegen die Hebräer ermutigend! Shakespeares Shylok ist eines solchen Vorwurfes halber, mehrere Jahre von der Bühne verbannt worden. Sie, geehrter Herr, könnten sich rechtfertigen und einer beleidigten Nation Genugtuung für ein begangenes Unrecht gewähren. Möge ich daher, geehrter Herr, voraussetzen dürfen, daß beifolgende Gabenliste für wohltätige Unterstützungen an jüdische Armen auch Ihren hochgeehrten Namen tragen wird. Gegen den Vorwurf von Zudringlichkeit mich verwahrend zeichne in Hochachtung Ihre ergebene E. Antwort von Charles Dickens. Entschuldigen Sie gütigst die verspätete Beantwortung Ihres Werthgeschätzten, da es mir oft unmöglich, sofort zu entgegnen. Um aber sogleich auf das besprochene Thema zurückzukommen, bemerke ich Ihnen, daß ich die Intelligenz und den trefflichen Character der jüdischen Nation wohl nie verkannt und mithin, wie Sie, geehrte Frau, glauben dieser Nation in der Characterzeichnung des Juden Fagin ein großes Unrecht zugefügt habe. Aber Sie find im Jrrthum. Fagin ist als Jude dargestellt, weil leider

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