Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1870)
- Date
- 1870-08-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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610 in jener Zeilperiode. von welcher die Erzählung spricht, «an immer den Juden als das 30?ö$rgeid?en der verbrecherischen VenschenNÄffe bezekchnete. Uebngens sind ja ober auch noch vieleandere derartige Charactere in Oliver Twist, die als Christen auftreten, zu finden. Wenn ich Fagiy einen Juden genannt, so geschah dies keiueSwegs, um eine Anspielung aus die jüdische Religion zu machen, sondern es bezieht sich dieses lediglich nur aus seine Herkunft; ich wollte erzählen, daß er jüdischen Bluts gewestn. Auf Ihre Anregung erfolgt anliegend ein namhafter Beitrag zu bewußtem Zwecke, und möge Ihnen dieses als Beweis gelten, daß ich dem jüdischen Volke nie anders als wohlwollend gesinnt bin und war, denn stets habe ich die Gelegenheit ergriffen nur Gutes für es zu zeugen, und berufe ich mich auf mein „Childs History of England“ wo ich niemals unterlassen, die Grausamkeiten der alten Zeit gegen die Nation als höchst verwerflich zu geißeln. Empfangen Sie geehrte Frau, die Versicherung meiner Hochachtung rc. Ch. Dickens. Hierauf sandte Frau E. dem Dichter die nachstehende Antwort: Geehrter Herr! Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihr Geehrtes, sowie für die darin enthaltene Geldsendung. Obzwar ich keinenfalls gerne durch Zudringlichkeit lästig werden möchte, so erlaube ich mir dennoch, auf Ihre gütige Entschuldigung rechnend, einige Gegenbemerkungen bezüglich bewußten Themas zu machen. Cs ist Thatsache, daß die jüdische Religion und die jüdische Rare ein untheilbares Ganze bilden, denn nimmt beispielsweise ein Jude einen andern Glauben an, so wird ihn Niemand seiner Race mehr zu den Seinigen zählen. Ich will es keinenfalls bestreiten, daß in jenem Zeiträume, von dem im „Oliwer Twist" die Rede, eS. Juden gegeben haben mag, die die Bezeichnung' als Diebe, Räuber verdienten, aber in fraglichem Werke ist ein allgemeines Uriheil ausgesprochen, ba wohl die als Christen aufgeführten verabscheuungswürdigen Persönlichkeiten den Gegensatz zu dem Charakter der beflern Christen liefern,, indem man sie blos bei ihren eigentlichen Namen nannte, man dem verworfenen Fdyin hingegen aber stets das Prädikdt „Jude" Leilegte. Sir Walther Scott, Mrs. S. Hall haben unsere Nation zu vielem Danke verpflichtet, indem ste dieselbe in einigen Charakteren jüdischer Rare einer Schilderung unterworfen, und wir zollen ihnen diesen Dank gern, trotzdem z. B. „Isaak of Dort" nicht als Tugendheld dargestellt ist. Hoffentlich, geehrter Herr, werden wir durch diese vermeintliche Empfindlichkeit Ihre gute Meinung nicht verscherzt haben:; sind wir aus diese Weise nicht an den Pranger gestellt? Vertheidigen wir uns wohl jemals gegen die Angriffe derer , welche uns, trotz ihrer eigenen Nichtigkeit, stets vernichten möchten? Aber ist es nicht Pflicht, da zu appelliren, wo eine bekannte Größe gegen uns auftritt? Ungekannt in unseren häuslichen und sonstigen Verhältnissen wohnen wir in diesem Lande, und oftmals staunte ich schon über die craffe Ignoranz, mit welcher der Pöbel uns betrachtet, so daß die von Zeit zu Zeit wieder von gewissen Journalen aufgegetischten" mittelalterlichen Blutsagen noch manches willige Ohr finden. Im Uebrigen vertrete ich die Meinung, daß es einem Autor gewiß mehr Ruhm bereiten wird, wenn er die britischen Juden erst genauer auö dem Leben kennen gelernt, und sie dann nach vollendeter Prüfung einer treuen Beschreibung unterwirft. Ich zeichne Ew. Wohlgeboren in vollkommener Ehrerbietung E. Die Antwort auf dieses Schreiben vom 14. Juli 1863 war das jüdische Charakterbild „Riah" in „0nr Mutual Friend“ und noch einige Skizzen jüdischer Bilder, vom Autor in sehr wohlwollender Meinung dargeftellt. Mr. Dickens wurde jedoch gerade bei diesen Stücken einer scharfen Kritik in den öffentlichen Blättern preisgegeben, was ihn zu den nachfolgenden Zeilen, auf obigen Brief Bezug nehmend, v.ranlaßte. Geehrte Frau! Mit großem: Vergnügen habe ick Ihren Brief erhalten und hoffe, daß Sie sich der Ueberzeugung von meiner steten innigen Freundschaft gegen das jüdische Volk hingeben möchten. Der Jrrthum, in dem Sic mich verfallen glauben, ist leider! ein allgemein verbreiteter und ist es jetzt zu spät, demselben entgegenzutreten. Jedoch möchte ich niemals Unrecht' thun. Uebrigens richten sich immer die Ergenthümlichkeitett des Aeußerw. und der Manieren nach den Ursachen' der moralischen Schilderung. Genehmigen Sie; geehrte- Frau , die Versicherung meiner Hochachtung. Charles- Di ckens Die Verfafferin obiger Briefe überschickt« Mr. Dickens, als Zeichen der. Würdigung seiner edlen T enkungSart, ein Exemplar einer prachtvollen hebräischenglischen Bibel, welche mit folgMder Inschrift bezeichnetwar: „Geschenk für Mr. Ch. Dickens als Zeichen herzlichster Ergebenheit und dankbarer Erinnerung seiner edlen Gesinnung, als Beweis aufrichtiger Reue, wenn diese letztere mi kannt worden sein sollte. Durch eine Jüdin." i