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Der Israelit · 1870-08-10 · Heft 32 (10.8.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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608 dienstes verschlossen, die ehrwürdige alte Synagoge ist jetzt eine Stätte geworden, wo Grundsätze verkündigt werden, die das Fundament des Judenthums erschüttern; alle Errungenschaften der Neuzeit werden in Anwendung gebracht, um Bresche zu schießen in Mles, was uns heilig und theuer ist. Die kleineren Synagogen haben, mit Ausnahme der Schochare Hatob, die 500 Plätze hat, kaum 60 Stellen zur Verfügung der Andächtigen. Alle Jahre wiederholt sich nun das traurige Schauspiel, daß bei dem Herannahen der hohen Feiertage in öffentlichen Lokalen ersten und zweiten Ranges, wo Tages zuvor die jsuussss äores mit der demi-monde bei den Klängen der Musik der ausgelassensten Tanzlust gehuldigt, am folgenden Tage feierlicher Neujahrsgottesdienst abgehalten wird. Dabei zählt Berlin 25,000 jüdische Seelen ohne die Fremden, und wenn selbst die von der Adaß Jisroel zu erbauende Synagoge mit 1000 Plätzen vollendet sein sollte, so ist der Synagogennoth in keiner Weise Abhilfe geleistet Dieser Nothftand wirb nun jedenfalls durch das Eingehen der Zachariassynagoge vergrößert. Sollten denn nicht irgendwie Männer austreten, die ein jüdisches Herz haben, um in materieller Beziehung interveniren zu können? Manchem, der mit Glücksgütern reichlich gesegnet ist, würde es ein unbedeutendes Opfer sein. ES ist wohl fast überflüssig zu erwähnen, daß der Ritus dieser Synagoge der altehrwürdige ist, in welchem unsere Väter Trost und Erbauung gefunden haben. Zum erstenmale wird der Trauergottesdienst des neunten Ab seit 106 Jahren di es es mal nicht gefeiert, da die Synagoge einstweilen geschlossen worden. Noch ist es Zeit; Gottes reichster Segen würde dem zu Theil werden, der dazu beiträgt, diese ehrwürdige Gebetes - Stätte den Gesetzestreuen zu erhalten. Am 27. Juli, an dem von Sr. Majestät dem Könige verordneten Bußtage, fand gleichzeitig, wenn auch nicht von den Behörden officiell dazu aufgefordert, in fast allen Synagogen ein feierlicher Gottesdienst durch Gebet und Predigt statt, zu dem die Schaaren der Andächtigen hinströmten, und das mit Recht, denn es gibt wohl keine Familie, aus welcher nicht Söhne unter dem Banner Preußens sich befinden, um dem französischen Uebermuth mit deutscher Kraft und Einheit entgegenzutreten und ihn mit Gottes Hilfe für immer unmöglich zu machen. Da müssen wir uns nun recht wundern, wie ein Herr Julius Kornik in der Vossischen Zeitung den Gottesdienst in der neuen Synagoge ganz besonders hervorhebt und mit begeisterten Worten der Predigt des Herrn Geiger gedenkt und schließlich anführt, daß, als der ehrwürdige Geistliche den Segen über die scheidenden Soldaten aussprach, in Aller Augen Thränen erglänzten. Wir möchten fast glauben, daß manche Thräne auch wohl der Erinnerung gegolten, daß es einem Manne, wie Geiger, gelungen, nach Berlin zu kommen, um seinen Vernichtungskrieg gegen das Judenthum zu führen, und mit eherner Faust Alles zu Boden zu schlagen, was nicht in dem Katechismus der Neologen geschrieben steht. Dem begeisterten Verehrer des Herrn Geiger möchten wir dies zur reiflichsten Erwägung anheim geben, vielleicht würde er sich eine andere Ansicht zu eigen machen, wie es thatsächlich bei Vielen schon geschehen ist. Frankreich. Paris, 1. August. Der jüngste der hiesigen Gebrüder Rothschild, Baron Edmund, ist heute als Corpora! der mobilen Garde nach ChalonS abgegangen. Amerika. Gl. Thomas (Westindien). Gleich nach dem Eintreffen des Aufrufs der „Alliance JSr." bezüglich der Adoption von russischen Waisen wurde hier zu diesem Zwecke eine Versammlung berufen, in der beschlossen wurde, daß wegen der allzugroßen Entfernung es zwar nicht thunlich sei, solche Kinder hierher kommen zu lassen, man aber eine Sammlung veranstalten wolle, deren Resultat der ,,All. Jsr/' zur Verfügung gestellt werde, um dafür in ihren Namen die Erziehung mehrerer solcher Waisen zu ermöglichen. Neuern Nachrichten zufolge haben die hiesigen Glaubensgenossen bereits 2000 Dollar gesammelt. Auch viele Christen haben beträchtliche Summen dazu beigesteuert. Afrika. Port Elisabeth. Unser Glaubensgenosse, Herr N. Adler, Vice-Consul der österr.-ung. Monachie, hat vom Kaiser von Oesterreich den Franz-Joseph-Orden erhalten. (Jew. Chr.) Feuilleton. Die Matur hält ihren Schwur. *) Von Abr. Tendlau. Es sprach einmal jemand zu dem berühmten Schriftgelehrten Akiba: „Mein und Dein Herz weiß, *) Nach Ialkut Zethro Nr. 288, 289. — Abod. Sar. f. 54 d.

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