Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-08-10 · Heft 32 (10.8.1870) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447479--08561-2464214
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fcie er zur Wiederherstellung seiner zerrütteten Gesundheit unternommen, ereilte ihn in Ofen nttns 'n du der Tod. Ich hatte das Glück, in meiner frühesten .Jugend zu seinen Füßen zu sitzen, hatte Gelegenheit, die vortrefflichen Eigenschaften dieses seltenen Mannes in nächster Nähe kennen zu lernen. Derselbe war bis an sein Lebensende ein eifriger Lehrer der jüdischen Jugend Ungarns, und sein größtes Glück, seine höchste Freude bestand darin, recht viele Schüler in das reiche Gebiet des Talmuds einzusühren. Ein liebeveller Vater seinen lernbegierigen Schülern, war es stets seine angelegentlichste Sorge, den „Söhnen der Armen", eine sorgenfreie Existenz zu sichern. Und welch kindliche Freude, ja welch edler Stolz erfüllte ihn, wenn einer seiner Zöglinge den Weg zur Wahrheit gefunden, die Bahn des Rechts glücklich und muthig sortgewandelt! — Er kannte die Verhältnisse, er wußte recht wohl, daß in den Zeiten des Abfalles und deö Unglaubens die rechte Thovakenntniß die einzige Waffe ist, die, wenn muthigen, kräftigen Händen anvevtraut, überall der guten Sache den Sieg erstreiten wird. Aber nicht nur in den engen Räumen seines bescheidenen Lebrhauses wirkte er Unsterbliches, er war auch seiner Gemeinde , in der er 33 Jahre sungirte, ein rüstiger Leiter zu allem Guten und Schönen, ein Gesetzeslehrer in des Wortes edelster, schönster Bedeutung. Davon zeugt der echt jüdische Sinn, der alle Glieder seiner Gemeinde beseelt, in der die Götzen unseres Jahrhunderts noch keinen Verehrer gefunden, wo alle 'ntmpn Durun beibehalten sind, wo Wohlthätigkeit, Opferfreudigkeit, jüdische und bürgerliche Erziehung der Jugend ihre bleibende Stätte gefunden. Davon zeugt endlich die trüb-ernste Stimmung, die bei der Trauerkunde sich aller Gemüther bemächtigte. Für die Wittwen und Waisen war der Verewigte ein liebreicher Besckützer, und deßhalb stoffen auch die Thränen dieser Unglücklichen reichlicher an seinem Sarge, an dem in Tab, wohin die irdische Hülle des Verblichenen gebracht worden war , zuerst sein Sohn, Rabbiner zu Adaud, dann die Rabbinen zu Görbe, B. Csabo, Szilos und HeveS in tiefgefüblteu markigen Worten dem allgemeinen Schmerzgefühle kräftigen Ausdruck liehen. Möge seine ehrenwerthe Familie Trost suchen und ffnden in dem Gedanken, daß viele, sehr viele Jehudim mit ihnen trauern, denn Tab hat in ihm einen aufopferüngsfähigeit Freund, das ungarisch e' Israel einen begeisterten Mitkämpfer, die ganze Judenheit ein edles Glied ihrer großen Kette verloren. G. Goitein. BeMrr. Unter den in der jüngstest Zeit der jüdischen Gemeinde gemachten Geschenken hebe ich heute die beiden folgenden hervor: CoütMrzientüch JöelWölfMaW hak' dikr Armencommission 5600 Tblr. in Staatspapieren geschenkt, die für die Erziehung jüdischer Waisen oder wenn ein Waisenhaus gebaut werden sollte, als Beitrag zum B^ufond desselben zu verwenden sind. Frau Mustkdirector Mayerbeer hat der jüdischen Gemeinde 3(00 Thlr. übergeben für die Erziehung von jüdischen Waisenmädchen, die sich zu Lehrerinnen, Kammerfrauen u. s. w. heranbilden wollen. Berlin, den 2. August. Unter den kleinen Synagogen Berlins ist nächst der Scblesinger'schen die Zacharias - Synagoge die älteste. Sie wurde im Jahre 5524, d. i. im Jahre 1764, durch Reb Secharjäh ben Natan Feitel, seligen Angedenkens, in dem Hause Neue Friedrichstraße 39 erbaut und durch den würdigen Stifter mit einem Beth-Hamidrasch verbünden, welches später einging. Von den Erben wurde nach vielen Jahren das ansehnliche Grstndstüch verkauft und ging in christliche Hände über. Der letzte Besitzer des Gebäudes, der Maurermeister Schweinitz, war wegen seiner Humanität gegen arme Jehudiqr eine in jüdischen Kreisen sehr beliebte Persönlichkeit denn als die Räumlichkeiten der Synagoge zu anderen Zwecken verwendet werden mußten, erbaute er aus einem im Garten befindlichen Pavillon eine neue Synagoge von je 6 Fenstern auf jeder Seite, die, von blühenden Garten - Anlagen auf der einen , von der vorüberfließenden Spree auf der anderen Seite begrenzt, fern von aller Störung, einen sehr freundlichen Anblick gewährt, und vor 6 Jahren feierlich eingeweiht wurde. Der Wirth des Hauses starb aber vor einiger Zeit, und damit begannen die Calamitäten für die Zacharias - Synagoge. Die Erben hatten sofort einen bedeutend theurern Miethzins verlangt, den man bewilligen mußte, bis es cibernrals denfelvest beliebte, ihren Forderungen noch größere Ditnettsionen zu geben, so daß bei nur 50 Männer- und 16 Frauenplätzen die Existenz dieser Synagoge vollständig in Frage gestellt wurde. Der würdige zweite Vorsteher, Herr I. Asch, hat zwar sehr oft das Deficit gedeckt, da aus dem Ertrag der Stände das ungünstigste Resultat erzielt wurde und viele materielle Opfer gebracht, aber der erste Vorsteher, Herr Couvmerzienrath Flatau, der Tausende für die Ausschmückung des Breslauer und Berliner Rathhauses hingegeben, scheint leider kein Verständniß für den Schmerzensschrei zu haben, daß eine Synagoge, die schon seit der Negierung 5 preußischer Könige besteht, dem Untergänge geweiht fein soll, da mit Wenigeni Rettung gebracht werden könnte. Die Synagogenbesuchrr selbst sind nicht so gut situirt, daß sie interveniren können. Jeder, der die hiesigen Verhältnisse Mau kennt, weiß, welche' Synagogennoth seit langen Jahren für die Gesetzestreuen herrscht. Die neue Synagoge ist ihnm durch die unjüdffche Form des Gotte»-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.