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Der Israelit · 1870-08-10 · Heft 32 (10.8.1870) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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599 Kriegsgefahr und um Wiederherstellung eines baldigen dauerhaften Friedens anz»ordnen. Zu diesem Zweck haben die Rabbinate die Weisung erhalten von nun an bis nach Beendigung des Krieges an jedem Sabbat in das allgemeine Gebet für König und Vaterland folgende Stelle einzuschalten: „Und Du, o Gott, der Heerschaaren, ziehe aus mit dem deutschen Volke, das sich in gerechtem Kampf erhoben hat zur Verteidigung der Freiheit, der Ehre und des Rechts des Vaterlandes. Unterstütze es mit Deinem Geiste, welcher ist ein Geist der Stärke und der Liebe, daß es sich seiner Väter würdig bewähre durch Muth und Ausdauer im Kampfe, durch Schonung und Milde gegen Wehrlose und Besiegte. Verleih ihm Glück und Sieg, damit ein redlicher und dauerhafter Friede baldigst herbeigeführt werde!" Ferner werden an den Werktagen beim FrühgotteSdienst vor dem Gebete 'Di jhj s6 uruNi die Psalmen 27 und 46 eingeschaltet, welche von dem Vorbeter und der Gemeinde Vers um Vers abwechselnd zu recitireu oder von dem Vorbeter allein laut vorzutragen sind. Bei dem Frühgottesdienste am Montag und Donnerstag vor dem Einheben der Thora hat der Vorbeter folgendes Gebebet laut vorzutragen: nnnbD rraipnb cPDEQtp pm vp dpi rmopdi wdpv dd’jdi rmtyo .JON "iDXJl pwi Als treue Söhne des Vaterlands werden sich jedoch wie hier, so allwärts in Deutschland, die Juden nicht damit begnügen, den Allmächtigen um Hilfe anzurufen, sondern, als Nachkommen der ruhmvollen Makkabäer ziehen sie auch mit ins Feld, um für's Vaterlands zu streiten, während die zu Hause bleibenden Israeliten im Sinne der Sanitäts- und Hilfsvereine wirken und in den Synagogen Gaben spenden für die dürftigen Familien der zum Kriegsdienste berufenen Ehemänner, um auch Ihrerseits nicht zurückzubleiben in den Werken thätiger Liebe. Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin auf die verletzende Art aufmerksam zu machen, mit der in den Aufrufen zu Sanitätszwecken und zu sonstiger Theilnahme am gegenwärtigen Kriege mit dem Worte „christlich" umgesprungen wird. Da wird appellirt an die „christliche Liebe", an evangelisch- oder katholisch-christliche Herzen, gleich als ob die Religionsgenossenschaften, die sich nicht mit diesem Epitheton getroffen fühlen, gar nicht fähig wären, die humanitäre Bedeutung dieser Aufrufe zu würdigen und als ob man sie gar nicht für ebenbürtig hielte, an diesem Liebeswerk sich zu betheil'gen. Wir können uns diesen Mißbrauch, der auch bereits in politischen Blättern gerügt worden ist, nicht anders erklären, als daß die Verfasser solcher Aufrufe noch zu sehr im Pfuhl mittelalterlicher Anschauungen stecken, aus dem sich herauszuwinden es ihnen nicht der Mühe werth erscheint, oder daß, wie in einem andern Blatte sehr richtig bemerkt wird, die Jdentificirung von „christlich" mit „religiös" oder „allgemein menschlich" eben einem lapsus calami zuzuschreiben ist, an besten Entstehung der Verfasser selbst nicht gedacht hat. Man sollte aber gerade in Zeiten der Kriegsnoth, die das ganze Vaterland betrifft, sich mehr als je befleißen, jeden Einzelnen zur Thätigkeit herbeizuziehen und sick hüten, durch religiöse Neckereien es irgend einem Theile des Volkes zu verleiden, in reger Weise seine Theilnahme zu bethätigen. Die Juden aber werden, trotz solcher absichtlicher oder unabsichtlicher Ausschließung, es sich nicht nehmen lassen wollen, die Opfer, die der Krieg erfordert, nach Kräften zu tragen; sie werden Dadurch am besten solche konfessionelle Vaterlandsfreunde widerlegen. (Spr. Sal. 25, 22) nnn nn*t v? :i;b ubw' Vn Thnlheim bei Heilbronn a. N., 31. Juli. Die Ztg. d. Jdth. bringt in neuester Nummer ein kleines Inserat, daß jener Knabe nicht aus Renitenz, sondern wegen Krankheit Heuer nicht consirmirt worden sei. Also 1 weniger unter den vielen Widerspenstigen gegen dieses specisisch ck>r. Institut. In seinem Eifer sagt der interessirte Einsender, der Knabe sei ebendeßhalb auch nicht rosa "O geworden; soll wohl heißen, sei an dem betreffenden Sabbat nicht in der Synagoge gewesen; denn msa -o ist er jedenfalls geworden, als er 13 Jahre und 1 Tag alt war. Dazu bedarfs keiner priesterlichen Einsegnung. Wertheim, 6. August. Bei der jüngst dahier vorgenommenen Wahl des Gemeinderaths der hiesigen Stadt wurden die beiden Brüder Bernhard und Leopold Benario mit Stimmenmehrheit zu Mitgliedern des Gemeinderaths gewählt. — Von 180 abgegebenen Stimmzetteln haben dieselben 178 Stimmen erhalten und da gesetzlicher Bestimmung gemäß Brüder nicht gleichzeitig Mitglieder des Gemeinderaths sein können, was auch vor der Wahl gehörig bekannt gemacht wurde, so ist anzunehmen, daß unter den sämmtlichen abgegebenen Stimmzettel sich nur 2 befanden, welche den Namen eines der beiden bemerkten Brüder nicht enthielten. — Dieses Wahlresultat gibt ein ehrendes Zeugniß für die Toleranz der Wähler, welche ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß und ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung der Gewählten, die durchaus nicht dieselbe ist, nur auf die Ehrenhaftigkeit und Tüchtigkeit ihrer Mitbürger ihre Augen gerichtet hatten. Berlin. Entsprechend dem Bundesgesetze vom 3. Juli v. I. über die Gleichberechtigung der Religionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung ist in die unterm 30. vor. Monats erlassenen Anordnungen des Bundeskanzlers über die

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