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Der Israelit · 1870-08-10 · Heft 32 (10.8.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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598 keiner andern Religion nach. All die alte Unbill, die uns geworden im Laufe der Jahrtausende, haben wir vergessen. Wir lieben das Land, in dem wir geboren, dessen Sprache wir sprechen, dessen Sitten und Eigentümlichkeiten die unfern, in dem die Asche unserer Vater ihre Ruhestatt gesunden. Wir lieben unsere Fürsten, die Recht und Gerechtigkeit üben, unsere Mitbürger, an die uns tausend Bande knüpfen. Wir lieben unser deutsches Vaterland und sind bereit, Gut und Blut für dasselbe hinzugeben. Und in der That, begeisterte Vaterlandsliebe beseelt die in den Kampf ziehende Jugend des deutschen Israel. Wir greifen wohl nicht zu hoch, wenn wir die Ziffer der jüdischen Männer und Jünglinge, die aus Norddeutschland, aus Bayern, aus Württemberg, aus Hessen aus Baden in dem deutschen Heere eingereiht sind, auf 10,000 angeben. Sie alle sind bereit, ihr Herzblut für das Wohl des Vaterlandes hinzugeben. Nicht minder groß ist die Begeisterung derjenigen, welchen es nicht vergönnt ist, mit in den Kampf zu ziehen. In den Spendenlisten zum Besten der Verwundeten und der Angehörigen der Krieger, der Commissionen zur Erfrischung der durchziehenden Truppen, in den Reihen der Sanitäts-Corps u. s. w., u. s. w., in allen den Anstalten, welche die Uebel des Krieges zu mildern bestrebt sind, überall finden wir Juden und jüdische Namen, hervorragenden Antheil nehmend. Um so schmerzlicher ist es, wenn trotz allem Dem das alte „Rischus" nicht schwindet, das alte Vorurtheil, der alte Racenhdß aufrecht erhalten bleibt. Da bringt die „Augsburger Allgemeine Zeitung" eine Notiz — und die meisten Zeitungen drucken sie nach — „daß die Zeppelin'sche Reiterpatrouille durch einen vorüberfahrenden Juden dem Feinde verrathen worden, als sie ihre vom zweitägigen Ritte in Feindesland erschöpften Pferde erfrischen wollte". Die ganze Notiz ist sicherlich erlogen; wenn sie aber auch wahr wäre, was berechtigt die „Allg. Ztg.", die Worte „Jude" und „Verrath" mit einandex in Verbindung zu bringen? War der Vorüberfahrende ein Franzose — und es war doch in „Feindesland" — hat er dann einen Verrath begangen? Aber selbst, wenn er ein Deutscher, also in^der That ein Verräther wäre, weßhalb nennt die „Allg. Ztg." die Religion des Verräthers? Unlängst brachten die Zeitungen Kunde von deutschen Bauern bei Zweibrücken, die durch ihre Verwandten in Frankreich dem Feinde hatten Kunde zukommen lassen — warum wurde da nicht gesagt, daß diese Verräther Christen seien? Es ist die alte Gehässigkeit, die alte Verfolgungs - sucht, die alte Aufhetzerei gegen die Juden. Als im Jahre 1866 die Preußen vermittels ihrer vorzüglichen Karten den Weg über die Rhön fanden, da wurde — um das Volk gegen die Juden aufzuhetzen — auögesprengt, die Juden hätten ihnen die Wege gezeigt. Und dennoch hatten die Juden ebenso tapfer in den Reihen der Bayern wie der Preußen gekämpft! Als in den Befreiungskriegen das deutsche Volk sich erhob, da dachten die Juden nicht daran, daß ihnen Napoleon I. die bürgerliche und politische Gleichstellung gebracht hatte. Viele edle Jünglinge ergriffen die Waffen und zogen als Freiwillige aus, für das Vaterland zu kämpfen, zu siegen, zu sterben. Auch wir werden uns in unserm Patriotismus nicht irre machen lassen. Aber dem Judenhasse werden wir entgegentreten, wo immer wir ihm begegnen. Möge Gott unser theures Vaterland schützen! Aeitrrngsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Mainz. Der Herausgeber dieser Blätter hat die nachstehende „Bitte" an die Mitglieder der isr. Gemeinde zu Mainz gerichtet: „Unter den hier garnisonirenden Soldaten befinden sich gegenwärtig 113 Glaubensgenossen. Zum größten Theile Reservisten und Landwehrmänner, haben sie Frau und Kinder daheim — meist in der Provinz Posen — zurücklassen müssen. Diese Männer sind von Jugend auf gewöhnt, nach jüdischem Gesetze zu leben; sie bitten flehentlichst, daß ihnen dieß auch hier ermöglicht werde. Erleichtern wir ihnen ihr schweres Loos! Ueberall constituiren sich Vereine, die für die Vertheidiger des Vaterlandes zu sorgen streben. Zeigen wir, daß unsere Vaterlandsliebe mit der Anhänglichkeit an unsere Religion Hand in Hand geht, indem wir den Soldaten unseres Glaubens jüdische Kost verschaffen! Wohl ist es eine schwere Zeit, eine Zeit des Mangels, der Theuerung, der Noth und der Gefahren. Gott aber, unser Beschützer und Behüter, wird diese große Pflicht, die uns obliegt und die wir erfüllen, uns und unfern Familien gedenken und alles Böse gnädiglich von uns abwenden. Mainz, 31. .Juli 1870. vr. Lehmann. Dieser Bitte ist G. s. D. bereits vielfach entsprochen worden, so daß wir fmit der Verköstigung beginnen konnten. Hetkbronn a. N., 31. Juli. Der furchtbare Krieg, welcher über Deutschland hereinzubrechen droht, hat die israelitische Oberkirchenbehörde Württembergs veranlaßt, gleich den übrigen kirchlichen Behörden des Landes, für die israelitischen Gemeinden besondere öffentliche Gebete um Schutz des deutschen Vaterlandes in der drohenden

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