Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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588 kümmert sich nicht darum, ob diese Dividenden von Cristen oder von Juden herrühren, er heimst das ein, was er durch glückliche Combination oder kaufmännische Speculation erworben, ihm ist cs wohl nie eingefallen, ausschließlich jüdische Gelder zu seinen Geschäften zu verwenden, trotzdem diese nur reeller Natur stnd. Der Katholik Langrand hat aber die Manie gehabt, vorzugsweise die Gelder katholischer Wittwen und Waisen, ja sogar die Sparpfenninge katholischer Priester zu seinen Schwindeleien zu verwenden und ich habe noch nicht gelesen, daß ihm das „Vaterland" daraus einen Vorwurf gemacht hatte.- Wien. Die hiesige türkische Judengemeinde feierte Ende vorigen Monats den Tag der Thronbesteigung des Sultans Abdul Aziz, welcher Feier auch der erste Botschaftssecretär und das ganze Personal der türkischen Gesandtschaft mitanwohnte. Brody. Die Stadt Brody hat unfern Glaubensgenossen Nathan Kallir mit großer Majorität zum Abgeordneten gewählt. Italien. Herr Fabrikbesitzer G. N iss im in Pisa wurde mit dem italienischen Kronenorden decorirt. In Modena wurden die Herren Cesare Rovighi und vr. Leone Sacerd-oti zu Stadträthen erwählt. (Educ. JSr.) Frankreich. Paris, 8. Juli. Den vergangenen Freitag Abend vertheilten engl. Damen, als die Israeliten aus der Synagoge kamen, in franz. Sprache geschriebene Broschüren, welche die Israeliten einladen, zum Christenthum überzutreten. (Rev. Jsr.) PaprS Die Ostbahngesellschaft hat der All. Jsr. mitgetheilt, daß sie die polnischen Waisen um den halben Preis befördern wolle. PariS. Dr. Handvogel, der Arzt, welcher vom Consistorium dazu ernannt ist, die Kinder vor ihrer Beschneidung zu untersuchen, wünscht selbst einem von ihm in der „Rev. Jsr." veröffentlichten Briefe zufolge, eine Untersuchung, um die gegen ihn erhobenen Klagen zu entkräften. Paris. Die demnächst zu erwartende Erhebung des Oberrabbinen von Frankreich zur Würde eines Senators flößt dem „Volksboten" von Aixheim (Elsaß) recht bittere Reflexionen ein. Man kann sich kaum einen Begriff davon machen, mit welchem Haß dieses Blatt gegen die Juden vorgeht. „Niemals," sagt es, „wird ein Senator zur Seite eines Rebbe sitzen wollen." Wir befürchten sehr, daß eS sich gewaltig irrt. (Rev. Jsr.) Paris. Die Kaiserin hat dem Oberrabbinen Isidor 500 Fr. für das Asyl armer israel. Mädchen, das sie jüngst besucht hat, überschickt. (Rev. JSr.) Paris. Nach einer jüngst im gesetzgebenden Körper officiellen Mittheilung leben in Frankreich 89047 Israeliten. (Rev. Jsr.) Belgien. Brüssel Ein wohlthätiger Glaubensgenoffe, der nicht genannt sein will, hat 60,000 Fr. für die Erziehung von 6 polnischen Waisen gegeben. Ein nachahmungswürdiges Beispiel! (Rev. Jsr.) England. London. Wir sind erfreut, schreibt das „Jew- Chron.", die Mitteilung machen zu können, daß nunmehr acht Israeliten im Palamente ihren Sitz haben. Herr Julian Goldfmid wurde von der Stadt Rochefter ins Parlament gewählt. Rußland. Wilna. Ein getaufter Jude, Namens Bravmann, durch seine heftigen Angriffe gegen seine früheren Glaubensgenossen in Rußland bekannt, hat jüngst eine Broschüre veröffentlicht, die große Sensation in Rußland erregt hat. Der „GoloS" bedient sich tagtäglich derselben, um die Juden zu verläumden und zu beschimpfen. Bravmann scheint aber kein großes Vertrauen zu verdienen; denn nachdem er das Judenthum verlaffen, wurde er protestantisch, später römisch - katholisch und jetzt griechisch - katholisch. Er behauptet, seme Broschüre enthalte einen authentischen Rechnungsauszug aus den Büchern der isr. Gemeinde zuMinsk von 1784 bis 1833, die aber jedenfalls voll von perfiden und unverschämten Erklärungen ist. Die Gemeinde hat einmal einem Stadtrichter ein Geschenk angeboten. Seht, ruft da Bravmann ans, die Juden verderben unsere Magistrate. Alle Welt weiß aber, daß die russischen Magistrate an stch nicht so unverdorben sind. Erst jüngst soll ein kaiserliches Decret I herabgekommen sein, welches ihnen erlaubt, die ihnen ongebotenen Geschenke anzunrhmen. Haben sie übrigens nöthig, sich so gefährlichen Versuchungen aus! zusetzen, in einem Lande, wo sie Gewalt anwenden I und ohne Erlaubniß thun können, was ihnen beliebt?!