Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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587 Sammlung von Partei-Reden und Partei-Aeußerungen. Sobald man die ungarische Journalistik, auf bas Niveau jener von anderen civilisirten Nationen erheben wollte, war man gezwungen, ein halbes Dutzend Juden zu ünportiren, damit die Trägheit in der Technik der Blätter theilweise beseitigt und die journalistischen Formen entwickelt werden. Auf welches Gebiet des öffentlichen Lebens wir auch sehen, überall finden wir die Juden emsig arbeiten und gegen den alten Geist der Finsterniß im Kampfe begriffen. Das „Vaterland" hat Recht, wenn es die Juden scheut, denn es sind die ärgsten Feinde der Thunes, Clam's und Apponyi's. Wir bitten das „Vaterland" um alle eventuell hinausgeworfenen Juden. „Mehr Juden — mehr Licht." Graf Nicolaus Bethlen" Das Aesige „Neue Fremdenblatt" gibt dem „Vaterland" auf alle Fragen Antwort, aus der wir Nachfiehendes ansühren: Frage III. Wer beherrscht die Wiener Presse? Die Juden. Das ist eine heiklige Frage und die Antwort darauf etwas schwierig. Schwach- Eöpfige Kanzelredner sprechen zwar immer von der Judenpreffe in Wien, als ob die Mitarbeiterschaft von Katholiken an Wiener Journalen eine Unmöglichkeit wäre. Hätte das „ Vaterland " die Frage so gestellt: Wer sind die Eigenthümer der Wiener Journale? und darauf die Antwort gegeben: Die Juden, dann könnte man dem humanen Blatte allenfalls erwiedern, daß die Eigenthümer von vier Journalen in Wien ganz unzweifelhafte Christen sind, ohne daß diese Thatsache ihnen und ihren Organen in den Augen der Leser irgend einen größeren Werth verleiht, und daß es in Wien sogar ein demokratisches Blatt gibt, bei dem nie ein Jude als Mitarbeiter engagirt war. Daß dieses Blatt zufällig zu den wenig gelesenen zählt, daran tragt die christliche Mitarbeiterschaft gewiß keine Schuld. Aber das „Vaterland" sagt: „Wer beherrscht die Wiener Presse? Die Juden", und darauf muß denn doch eine Antwort gegeben werden. Die Wiener Presse, sagen und schreiben die Feudalen und Nationalen alltäglich, ist von der Regierung gekauft, die Regierung beherrscht sie also — und da bis zur Stunde Oesterreich noch nicht so tief gesunken ist, um einen Juden an die Spitze der Regierung gestellt sehen zu müssen, so beherrscht die christliche Regierung die Wiener Presse oder doch einen großen Theil derselben. In der That ist seinerzeit das größte Wiener Blatt von einer unbestritten katholischen Regierung, und zwar von dem Gräfin Belcredi und dem noch frömmeren Grafen Larisch angekauft worden. Daß nachträglich einige jüdische Banquiers diesen katholischen Ministern einige Actien des angekauften Journals abnahmen, kann man doch nicht den Juden zum Vorwurf machen. Wie Graf Beust in neuester Zeit die Wiener Presse beherrscht, wissen wir ja Alle, und so weit geht doch der Haß des „Vaterlandes" nicht, den Grafen Beust zu den Juden zu zählen? Frage IV. Wer steht an der Spitze jener Fabriken, welche das Kleingewerbe und den freien Handwerkerstand vernichten? Auch die Juden, erwidert das „ Vaterland. " Meint das „Vaterland" vielleicht die große Monturfabrication, welche den Handwerkerstand vernichtet, so wird es auch wissen, daß der Untenehmer dieser Engroö- Fabricaiion ein Katholik ist, und wenn es sich die Mühe nimmt, das Adreßbuch, Abtheilung „Fabriken", zu studiren, so wird es finden, daß eine nicht unbedeutende Zahl von Baronen, Grafen, Fürsten es nicht verschmäht, Fabriken zu besitzen, welche das Kleingewerbe vernichten, eine Thatsache, aus der kein vernünftiger Mensch den Herren Grafen und Fürsten einen Vorwurf machen wird. Frage V. zählt zu den lustigsten Rathseln, die das „Vaterland" aufgibt. Wer, fragt es, cassirt die fetten Dividenden der Actien ein? Die Juden. — Was vorerst die Dividendenfrage betrifft, so wird das „Vaterland" wohl nicht in Abrede stellen wollen, daß auch fromme katholische Christen Actien besitzen. Sind ja doch kürzlich erst zwei der höchsten geistlichen Würdenträger in Oesterreich gestorben, in deren Nachlaß man eine nicht unbedeutende Menge von Actien der verschiedensten Banken gefunden hat. Nun habe ich die Mühe nicht gescheut, in den letzten 24 Stunden bei sechs unserer ersten Bankinstitute Nachfrage zu halten und erfuhr, es sei seit dem Bestehen dieser Institute der Fall noch nie vorgekommen, daß ein katholischer Actienbesttzer — von dm jüdischen versteht sich das von selbst, eine Dividende zurückgewiesen habe, selbst wenn sie nicht fett war. Die Geschichte unseres letzten Börsenschwindels nennt eine nicht unbedeutende Zahl don ausgezeichneten katholischen Namen, die bei Gründungen und Syndicaten sich betheiligien und noch heute als Präsidenten und Verwaltungsräche fungiren und nebst fetten Dividenden auch fette Tantiemen einstreichen. — Kennt übrigens das „Vaterland" einen gewissen Langrand nicht, der auch in Wien verschiedene Institute errichtete, und von keinem Rabbiner, sondern von dem Papste zum Grafen ernannt und mit unterschiedlichen Orden begnadigt worden ist? Dieser Langrand, ein Katholik par exceUence, soll die fettesten Dividenden eingestrichen und nebenbei seine Actionäre so übers Ohr gehauen haben, daß dis belgischen Gerichte ihn wie einen ordinären Schwindler vor ihr Forum citkren. Und dabei fallt mir ein eigenthümlicher Vergleich bei, den ich mir anzuführen erlaube. Von dem Juden Königswarter ist es bekannt, daß er auch sehr fette Dividenden kinstreicht, aber der Mann