Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447478--08539-2464191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
586 israel. Gemeinde, M. 500 der Talmud-Thora-Schule zur Errichtung erweiterter Schulräume, M. 100 dem deutsch - israel. Waiseninstitut, M. 100 der israel. Mädchenschule, M. 100 dem Paulinenstist, M. 100 der Blindenanstalt von 1830 geschenkt. Laut letztwilliger Verfügung des sel. Herrn Siegmund Robinow wurden an seinem Begräbnißtage M. 100 an israel. Arme vertheilt. — Von einem Ungenannten in wehmüthiger Erinnerung an den 18. Juli 1867 empfing der isr. Feuerungsverein von 1855 M. 100. (Reform.) Lyck Der „Hamagid" bringt den ersten Rechenschaftsbericht des Königsberger Comito, nach welchem dieses 371 Personen nach andern Ländern geschickt, 136 junge Leute theils zu Handwerkern, theils zu Geschäftsleuten, Lehrern u. s. w. ausbilden und 84 Waisen erziehen läßt. Bis jetzt hat daS Comite 23,986 Thlr. ausgegeben. Wir haben, schreibt der „Hamagid" weiter, bereits schon früher unser Urtheil über das Königsberger Comitö gefällt; eS selbst gesteht nun ein, daß bis jetzt in Amerika keine Gesellschaften sich gebildet, um die Ankommenden zu unterstützen, wie es schon im Voraus hätte geschehen müssen; es selbst bekennt nun, daß es gezwungen ist, vorerst aus Mangel an Geldmitteln seine Thätigkeit einzustellen, ebenso gesteht es, daß außer den Abgeschickten noch 4000 Personen Reisebriefe erhalten haben. Dadurch aber wurden diesen Armen Hoffnungen gemacht, auf die hin . sie ihr Hab und Gut verkauften. Ebenso können wir nicht verschweigen, daß unter den nach Amerika geschickten Russen viele Arbeitsunfähige sind, wie dieses sowohl die amerikanischen Zeitungen als auch ein Brief an das Comitö selbst bestätigen. Dresden. Dem Rechenschaftsberichte der Dresdner Religionsgemeinde entnehmen wir, daß sie eine Einnahme von 18979 Thlr. und eine Ausgabe von 9532 Thlr. hatte, die Schulkasse erzielte 10060 Thlr. Einnahme, während sie nur 2500 Thlr. verausgabt hat. Unter den Vermächtnissen ist hervorzuheben eine Stiftung von der verstorbenen Frau Clara Bondi: 12000 Thlr. zu einer Markus Bondi - Stiftung zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Kranken, die in die böhmischen Bäder reisen, die eine Hälfte für christliche Badereisende und die andere für sächsische Israeliten, ebenso eine Clara Bondi-Stiftung, für die Frau Rosalie Zunz 10000 Thlr. bestimmte; der Zinsertrag soll armen Israeliten für Miethzins und Schulgeld verabreicht werden. Oesterreichisch -- Ungarische Monarchie. Wien. Das „Vaterland" brachte in seiner Nr. vom 15. Juni einen reizenden Leitartikel, dessen Schluß folgende statistische Thesen über die Existenz der Juden in Wien aufstellt: „Wien darf keine Provinzialstadt werden, aber es soll sein das neue Jerusalem, die Metropole Israels. Wer bewohnt die Paläste auf der Ringstraße? Die Juden. Wer ist im Besitze der prunkenden Läden am Graben? Die Juden. Wer beherrscht die Wiener Presse? Die Juden. Wer steht an der Spitze jenerjFabriken, welche das Kleingewer.be Und den freien Handwerkerstand vernichten? Die Juden. Wer cassirt die fetten Dividenden der Actien ein? Die Juden. Für wen wird im Winter Theater gespielt? Für die Juden. Wem kommt die Civilehe zugute? Den Juden." Die in Pesth erscheinende „Bethlens dipl. Wochenschrift" hat hierauf unter dem 26. Juni folgendermaßen geantwortet: Die Juden in Pesth. Das „Vaterland" hat vor Kurzem über die Juden in Wien einen Artikel veröffentlicht, der von unserer Seite, die wir, als Enkel der protestantischen Rebellen, denn doch keine Juden sind, eine Erwiederung verdient. Das Blatt meint, auf jedem Gebiete (sei es Politik, Literatur, Kunst, Handel und Industrie) nehmen die Juden in Wien eine hervorragende Stellung ein und ihr Einfluß ist in Wien überall maßgebend. „Man möge daher — sagt das „Vaterland" — die Juden aus Wien hinausmerfen." Wenn die Partei des „Vaterland" je an's Ruber kommt und ihre Drohungen effectuiren wollte, so bitten wir, alle aus Wien hinausgeworsenen Juden unS nach Pesth zu überschicken. Die Juden sind durch ihr Talent und ihre Thätigkeit ein bedeutender Factor der Civilisation geworden und wir können sie in Pesth brauchen. In Pesth selbst finden wir zwei Städte. Der eine Theil von Pesth gleiäft einer europäischen Handelsstadt, — es ist die Stadt der Juden. Der andere gleicht einem großen Dorfe der Wüste — es ist die Stadt der Magyaren. - Alles, was in Pesth als ein Werk der Civilisation, als ein Zeichen der europäischen Cultur betrachtet werden kann, ist durch jüdischen Geist oder! durch jüdisches Geld zu Stande gebracht worden. Würde es in Pesth keine Juden geben, so würde die Landeshauptstadt auf dem Niveau des großen Debreczin'S stehen und die reichen Grundbesitzer und Comitatshelden würden in ihrem eigenen Staub und Koth ersticken. Noch vor zehn Jahren war die ungarische Presse beinahe frei von Juden, denn der Wirkungskreis der ungarischen Presse war so beschränkt, daß die paar Parteiblätter von ihren eigenen Partei-Anhängern mit Artikeln leicht versehen werden konnten. Es gab keine eigentliche Journalistik, nur eine