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Der Israelit · 1870-08-03 · Heft 31 (3.8.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 31 (3.8.1870)
Date
1870-08-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Beilage zu Rr. 31 des Israelit. 3ett»ngSnachri«hterr ««- Korrespondenzen. Deutschland. München. Gelegentlich der Debatten über die Freigabe der Advocatur hat der Justizminister ausgesprochen, daß er ein Advocatcn-Proletariat befürchte, das der Concurrcnz halber „jedem Juden und Wucherer mit der Dose entgegenkomme". Diese Worte erregten einen solchen Sturm, daß der Minister sich veranlaßt sah, des andern Tages seine Worte wieder zurückzunehmen. Berlin, den 26. Juli. Einen recht schmerzlichen Verlust haben wir in der Nacht heS 14. ThamuS erlitten. R. Tobias Löwinsohn, Vortragender Lehrer des hiesigen Talmud - Vereins, schied in einem Alter von 52 Jahren, nachdem er noch in später Nachtstunde in dem Worte Gottes geforscht, sanft und schmerzlos aus diesem Leben. Eine Fülle deS Wissens vereinte sich in ihm mit der seltensten Bescheidenheit; eine hohe Uneigennützigkeit und ein Drang zu helfen, wo er nur zu helfen im Stande war, durch Wort und That, das waren Tugenden, die ihm zur zweiten Natur geworden, und eine klare lichtvolle Vortragsweise machten ihn zu einer Zierde des Lehrerstandes. Mit gulem Gewissen kann man auf den Hingeschiedenen das Wort der Schrift in Anwendung bringen: „Aber die Lehrer werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche Viele zur Gerechtigkeit führten, wie die Sterne immer und ewig." Geboren in Zwin im Großherzogthum Posen, Schüler der Robbinen in Labischin und Jnowraclaw, kam der Verstorbene vor 8 Jahren aus Gollub, wo er talmudische Vorträge gehalten, nach Berlin, und v» rde von dem sel. Dr. Sachs, wie auch von dem sel. Rabbinats - Assessor Rosenstein, die sein Wissen wohl zu schätzen wußten, sehr begünstigt, von Letzterem sowohl wie auch von dem Rabbiner der Adaß Jisrvel, vr. Hildesheimer, wurde er bei Bildung eines j'-, häufig zugezogen. Leider hatte der Heimgegangene mit den bittersten Lebenserfahrungen zu kämpfen, denn seine Stelle war in materieller Beziehung eine sehr traurige. Niemals aber hörte man eine Klage aus seinem Munde, ein felsenfestes Gottvertrauen war sein schönstes Besitzthum, und was ihm als ein 4.anz besonderes Verdienst anzurechnen, ist, daß bei so vielen trüben Stunden, an denen sein Leben reich war, er für das Wohl und Wehe seiner Mitbrüder ein tiefes Gefühl hatte , und für Manchen durch die That einzutreten wußte, wo bitterer Mangel bei ihm eingekehrt war. Eine Wittwe und 6 unmündige Kinder, darunter ein gelähmter Sohn von 21 Jahren, blicken verzweifelt in die Zukunft. Herr Dr. Hildesheimer hat in mehreren Zeitungen einen Aufruf ergehen lassen, um die Hinterbliebene Familie vom Untergänge zu retten. Dem Aufrufe ist trotz der traurigen Krieges-Calamität von vielen Seiten entsprochen worden und macht eine Sammlung erfreuliche Fortschritte. Doch um zu einem Resultate zu gelangen, bedarf es noch der Gaben Vieler. O, mögen Alle, die ein jüdisches Herz ihr eigen nennen, im tiefsten Mitgefühl für eine so ehrenhafte unglückliche Familie ihre milde Hand öffnen. Der Allbarmherzige wird es ihnen reichlich durch seinen Segen vergelten. Als vor einiger Zeit sieben Juden aus Czamikan von dem Schwurgericht von Schneidemühl wegen verschiedener Betrügereien zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurden, bediente sich der Staatsanwalt Marteus im Eingänge seines Plaidoyers der Worte: „Die Juden nennen sich seit Jahrtausenden das auöerwählte Volk, ja sie sind auserwählt durch — ihre Verworfenheit!" Diese Aeußerung wurde natürlich zurKenntniß des Justizministers gebracht, und obwohl der Staatsanwalt sein Wort nur in Hinblick auf den vorliegenden Fall gesprochen haben wollte, erhielt er von seiner Vorgesetzten Behörde eine'Rüge, und wurde — nach Deutsch-Crone versetzt. Wir wollen uns gern der Hoffnung hingeben, daß falls sich wiederum ein Beamter eine derartige öffentliche Beleidigung einer vom Staate anerkannten Religions-Gesellschaft zu Schulden kommen lassen sollte, in einer weniger milden Form vorgegangen werde. In der preußischen Armee, die jetzt zur Wahrung deutscher Ehre und deutschen Rechts die W ffen ergriffen, befinden sich viele Bekenner des Judenthums, die eben so freudig ihr Blut wie die Bekenner anderer Confessionen hingeben, und in früheren Kriegen hingegeben haben, — da dürfen wir wohl erwarten, daß, wenn einst mit Gottes Hilfe Friede in den deutschen Gauen sein wird, daß die vollständigste religiöse Gleichberechtigung eintrete und Niemand es mehr wagen werde, jüdische Ehre und jüdisches Recht mit Füßen zu treten. Hamburg, 20. Juli. Von einem Ungenannten wurden in dankbarer Erinnerung an den 16. Juli 1845 M. 250 der Armen - Commission der deutsch-

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