Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447478--08535-2464187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SöK fat Angriff nahmen, und mit Gottes Hilfe diesen Sommvr noch eitze Prachtvolke rituelle nipo fertig dastehen wird. Wo mehr Energie und Frömmigkeit ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Zu wünschen, dringend geboten wäre es daher, daß bei der nächstens stattfindenden Vorstands- und Repräsentanteawahl das nn«> ntnn, wohl ins Auge gefaßt, und nur Männer von anerkannt jüdischem Sinne, Frömmigkeit!und Biedersinn in den Vorstand gewählt werden. Nehmet, Gläubige, euch zusammen, bildet eine feste Phalanx, höret nicht auf den Sirenengesang der Neologen, und zeiget den ungarischen Gemeinden durch die That, daß auch in Kaschau noch wahre Frömmigkeit herrscht. cdtwq in«. Rumänien. Dvttirschan, 27. Juni. Ein Vorfall, der sich vor einigen Tagen hier zutrug, verdient umsomehr der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, als er die Stichhaltigkeit der rumänischerseits vorgeschützten Anlässe zu den Judenhetzen einigermaßen beleuchtet. Der Sohn einer bei dem hiesigen israelitischen Kaufmann S. G. seit zwölf Jahren bediensteten christlichen Magd stand seit einiger Zeit bei einem Bojaren im Dienste, wurde aber von dem edlen Rumänen auf eine solche Weise mißhandelt, wie dies nur in den seligen Zeilen des Frohndienstes zu geschehen pflegte, so. daß der arme Bursche beschloß, seinen Brodherrn zu verlassen. Gesagt, gethan. An einem Abende der verflossenen Woche kam er zu seiner Mutter und bat, man möge ihn dort übernachten lassen. Der Hausherr, der Anfangs seine Zustimmung nicht geben wollte, da man sich unter den jetzigen Umständen hütet, mit einem solchen Individuum in nahe Berührung zu kommen, gab endlich doch die Erlaubniß, daß der Bursche die Nacht unter seinem gastfreundlichen Dache zubringe. Vor Tags glaubte Herr G. ein Röcheln in der Küche, wo Mutter und Sohn schliefen, zu hören; schnell öffnete er die Thüre und welch' entsetzlicher Anblick bot sich seinen Blicken darl Der Bursche lag, in seinem Blu<e schwimmend, der Länge nach am Boden hingeftreckt; er hatte sich nämlich mit einem Messer mehrere tövtliche Stichwunden in selbstmörderischer Absicht beigebracht. Herr G. hatte Geistesgegenwart genug, den Fall sofort bei der Polizei zu melden und kurze Zeit darauf erschien auch eine gerichtliche Commission, um den Thatbestand aufzunehmen. Der Selbstmörder war noch am Leben und gab ungefähr Folgendes zu Protoll: Die Mutter habe ihm, nachdem ed ihr sein Leid geklagt, gerathen, zum Bojaren zurückzukehren, um nicht vom Regen in die Traufe zu, kommen, er habe aber aus Furcht, der Bojar könnte die Drohung, den Kopf des armen Juugen zum abschreckenden Beispiel auf einen Pfahl aufzustecken, zur Wahrheit werden lasten, dem Rathe seiner Mutter nicht gefolgt, und vielmehr den Vorsatz gefaßt, Hand an sich zu legen, was er auch nun zur Ausführung gebracht. Sprach's und hauchte seinen Geist auS. Die Juden können wirklich vom Glück sagen, besonders Herr G., daß die Polizei noch rechtzeitig dazu kam; ein kleines Stündchen Verspätung hätte eine Metzelei im großen Mnßstabe Hervorrufen können. „Ein Christ von einem Juden in sein Haus gelockt und ermordet," würde es geheißen haben und bei einem solchen Vorwände sind die Folgen unberechenbar. Ueber manche rumänische Lippe kam das Bedauern, daß die Sache so abgelaufen, denn der früher erfolgte Tod des Bojarenknechtes wäre ihnen Wasser auf die Mühle gewesen. Es werden wiederum Reden gehalten, die das Volk zur Ausrottung der Juden aufreizen, ein Gewitter ist im Anzuge und es ist zu befürchten, daß sich das schwarze Gewölk bevor man sich's versieht entladet. Ein Individuum, bei dem die Aufwiegler 300 Dolchstöcke bestellt haben sollen, wurde verhaftet; allerhand Gerüchte sind im Umlauf, und wenn auch manche derselben die Geburt aufgeregter Köpfe sind, so ist leider die Mehrzahl nur zu begründet. — Die jüdische Gemeinde hat eine Deputation nach Bukarest geschickt; ob diese etwas wirken wird, bleibt natürlich in Frage gestellt. Mit Jubel begrüßten die Juden den Regierungsantritt des Fürsten Karl, hoffend, daß sie unter einem deutschen Prinzen, wenigstens vor persönlichen Angriffen geschützt sein werden. Welche Dimensionen die Judenverfolgungen während dieser paar Jahre angenommen, ist leider nur zu bekannt. Hier könnte man die Worte Schiller mit einer Variante anwenden: „Wo Alles haßt, kann Karl allein nicht lieben." Einiges Licht auf die Behandlung österreichischer Unterthanen in Rumänien wirft folgender Vorfall. In dem drei Meilen von hier gelegenen Grenzstädtchen M. wird ein Jude, anläßlich der Volkszählung und Steueralmessung, gefragt, weß Landeskind er fei: „ Ein Oesterreicher" lautet die Antwort. Der Herr Kontroleur läßt sich den Paß vorzeigen, wirft ihn weg und bedient sich dabei eines Ausdruckes, den der Anstand nicht wiederzugeben erlaubt. Dasselbe wiederholte er bei einigen anderen Israeliten. Der Dorohojer Bezirksstarost, Herr Gustav v. Udricky, einer der energischesten Starosten in Rumänien, hat sofort bei dem Bezü kstribunal die nöthigen Schritte eingeleitet; hoffen wir von dem energischen Auftreten des Herrn von Udricky das beste Resultat.