Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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581 die Fenster desselben eingeschlagen wurden, der Kutscher hieb in daS Pferd ein, doch kam dasselbe keinen Schritt vorwärts, da die Räder von hundert Händen festgehalten wurden. Wuchtige Schläge fielen nun auf das Haupt der Unmenschen, Weiber drahten ihm die Augen auSzukratzen, und derselbe wäre gewiß auf der Stelle ein Opfer seiner Unthat geworden, wenn nicht einige Sicherheits-Kommiffäre die Menge besänftigt und den blutig geschlagenen Ernay in das Stadthaus eskortirt hätten. Aus Oberungarn. Kafchau im ganzen Ungarlande und über dessen Grenzen hinaus als Ausgangspunkt bekannt, von wo die Vergewaltigung gegen die treuen Anhänger des Gesetzes ihren ersten Anlauf genommen, und das einen Schrei des Schmerzes und der Indignation bei allen Frommen Israels hervorgerufen bat, tritt in jüngster Zeit als leuchtender Stern am Himmel der Glaubenssonne auf, und es dürfte die Leser dieser geschätzten Blätter interessiren über die Genesis und den Fortgang dieser Gemeinde Genaueres zu erfahren. Vor noch nicht 50 Jahren durfte in Kaschau weder ein Jude wohnen, noch übernachten — es sei denn im Gefängniß. — Nach und nach zogen Handel und Verkehr jüdische Ansiedler an, es bildete sich eine Gemeinde, die aus heterogenen Elementen zusammengesetzt, zwar eine Betstube, oder besser Betkkller, zum gemeinschaftlichen Gottesdienste miethete, des eigentlich jüdischen Gemeinsinns aber gänzlich baar war Materialismus stand der das Licht der Welt erblickenden Gemeinde als Wehemutter zur Seite, Jndifferentismus zog sie groß, und Nihilismus ist der Sprößling ihrer Pfleger. Wie konnte es auch anders kommen? Elemente, die weder vom Geiste der Religion noch der Intelligenz gekräftigt, durch Zuziehung gleichartigen Stoffes aus aller Herren Länder und Dörfer fortwährend vermehrt, welche Früchte kann ein solcher Baum bringen? An den Spitzen erkennt man das Gebäude! So dienen uns denn als solche die 5 Vorsteher, die seit Bestehen der Gemeinde an deren Spitze waren, als: Dr. Schwab, Joseph Adler, Julius Holländer, Jacob BürkLny und vr. Kain. Schwab fehlte es nicht an jüdischem Sinn und Verständniß des Judenthums, waS er bei verschiedenen Gelegenheiten darthat; so untersagte er, einen im Gerüche der Frömmigkeit stehenden uma, der selbe für eine Kalbshaut verlaust, fernerhin mit umo aufzurufen : doch war Schwads religiöses Privatleben nicht derart, daß es als Musterbild gelten konnte, und wie schön auch manchmal seine Vorträge waren, jüdischen Geist einzuflößen vermochten sie nicht. Adler hat zwar das Verdienst, den Grund, auf welchem beide Synagogen stehen und ein Schulgebäude nebst Wohnungen für alle Gemeindebeamten hinlänglich Raum hätten,- für einen Spottpreis zu erwerben, einen Leichenwagen aus Eigenem angeschafft und Anderes noch ins Leben gerufen zu haben: doch läßt sich nicht verkennen, daß Gewalt einerseits und der Krebsschaden der Neuerungssucht anderseits seinen Schöpfungen zu Grunde lag, weßhalb sie auch nach kurzem Siechthume verschieden. Mit may zu Ende gelangen wir zur Periode des oy? unter Holländer. Durch Berufung des bis jetzt fungirenden pn als Rabbiner nach Rußland, mußte dieser Posten neu besetzt werden, und da glaubte der Vorsteher, ein ehemaliger Honwed — (Freiwilliger im 48r Jahre) müsse eine geeignete Persönlichkeit dazu sein, und der Mann gleich Cäsar kam, sah und siegte. Der Siegesrausch dauerte freilich nur sehr kurze Zeit, die Hohlheit deS Berufenen, gegen dessen rabbinisches Wissen und jüdisches Leben fromme Rabbinen sich aussprachen, stellte sich sehr bald heraus', Holländer sah den gemachten Fehlgriff ein, dem Zwiespalt aber war durch das Verbleiben dieses Subjecteö in der Gemeinde — wenn auch nicht als Rabbiner — Thor und Thüre geöffnet. und diese Zeit darf mit Recht mit Dy* bezeichnet werden, auf welche ms folgte. Ja, ms zog Barkans Vorsteherschaft für die Gemeinde herbei, da durch den Bau der Synagoge mit dem Almemor oben, durch den Gewissenszwang den Orthodoxen das j'jo zu verbieten und selbe durch Gewalt maßregeln zu wollen, die Spaltung zur unauSfnllbaren Kluft wurde. Gewalt ruft Gewalt hervor, und so kam eS, daß das anfangs winzige Pflänzchen der Orthodoxie trotz der D'Jfns' gedieh und lebenskräftig wurde, während die Schmarotzer der Neolozie mehr und mehr verkümmern. Kaum der ms entronnen, ziehen unter Kain die o\jn 'aredv, die sein Vorgänger geschaffen, los, und bringen des Wirrsals viel. Kümmert uns auch nicht Kains weibische Eitelkeit, überlassen wir ihm das Brüsten mit magnatischen Manieren, drücken wir immerhin bei seinem Liebäugeln mit den Orthodoxen ein Auge zu, gestehen wir auch, daß im Vergleiche zu Bürküny er das verkörperte Recht ist: können wir doch nimmer in Kain den Mann erblicken, der den Gemeindefrieden zu wahren und die Einheit zu erhalten berufen wäre. Dazu bedarf es mehr als Schönrednerei! Dazu ist vor Allem Frömmigkeit, inniges Durchdrunzensein vom jüdischen Geiste und von der Weltbestimmung Israels nothwendig, und das ist bei den -wa -QDj/ni pppm -pinn nimmermehr zu finden. Resumiren wir daö Wirken genannter Herren, so kommen wir zu dem Ausspruch, daß das was? deo bei Niemandem den Grundgedanken bildete, was aus dem schon erhellet, daß wahrend ihres vieljährigen Wirkens es immer bei den Spenden zu einer .iipO sein Bewenden hatte, bis vor einigen Wochen die Orthodoxen aus eigenen beschränkten Mitteln den Bau