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Der Israelit · 1870-08-03 · Heft 31 (3.8.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 31 (3.8.1870)
Date
1870-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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580 deutend umfangreichere Stiftung, der er den Namen „Joseph Le ja-Stiftung" zum Andenken an seinen Vater — beilegte. — Diese Stiftung ist durch ein in 5°/o ital. Staatspapiere angelegtes Capital zum Nominalwerth von 600,000 Francs fundirt. — Das Capital ist unantastbar. — Die Zinsen sollen zur Ansammlung sicher belegt werden, bis sie eine solche Höhe erreicht haben!, daß davon ein zweites Stift für 50 Freiwohnungen gebaut und mit einem Capital von 20000 Thlr. dotirt werden kann. Auch diese Wohnungen werden zum dritten Theil an Israeliten vergeben. — Ist dies Werk vollbracht, so wird sobald die angesammelten Zinsen eö erlauben, zum Bau einer Gewerbeschule gestritten, und auch diese mit einem Capital dotirt, groß genug, von den Zinsen auch die Lehrer besolden zu können. — In Bezug auf die Religion soll bei der Aufnahme von Schülern oder Annahme der Lehrer keine Unterschied gemacht werden. Sobald auch dies Werk vollbracht ist, kommen alljährlich ®/5 der Zinsen zur Auszahlung, während 2/5 neuerdings sicher belegt werden, um nach Beschluß der Administration zu gemeinnützigen, wohlthätigen Zwecken, je nach Bedürfniß verwandt zu werden. Die b/z werden vertheilt: i/5 an die Bewohner der beiden Stiftungen zu gleichen Theilen, 2/5 an verschämte Hilfsbedürftige in Portionen a 20 Thlr. mindestens — zur Mietheunterftützung. — Die Auswahl ist am Geburtstag des Gründers zu treffen. — Von diesen 2/5 muß der dritte Theil an Israeliten vergeben werden. — Die drei Administratoren verwalten ihr Amt auf Lebenszeit ohne jede Vergütung. — Tritt ein Vacanz ein, so hat der Magistrat aus einer von den Administratoren aufzustellenden Candidatenliste zu wählen. — Männer, die besoldete Aemter bekleiden, können nicht gewählt werden. Die Administration ist in ihren Beschlüssen der siädt. Verwaltung nicht untergeordnet. Wr. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Prag, 15. Juli. Nicht leicht dürfte eine Gemeinde eines solchen friedlichen und einigen Zustandes sich erfreuen, wie die hiesige; alle Versuche gewisser Individuen, die sich ein Geschäft daraus machen, einen Krakehl zu arrangiren, sind sämmtlich erfolglos geblieben. Es herrscht eben hier eine gegenseitige Duldung, einer kümmert sich nicht um das Thun und Lasten des Andern, der strengorthodoxe Jude verkehrt im Umgänge mit dem modernen Juden auf freundschaftlichem Fuße und die Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine gewinnen nur bei diesem moäus vivenäi. Dieses harmonische Zusammenleben manifestirt sich auch bei Gelegenheit des Festmahls der iSr. Beerdigungsbrüderschaft, welches, wie alljährlich am 1. Ta» mus stattfand, Männer aller Parteien saßen da ganz gemüthlich beisammen, die Rabbiner H. TeweleS und M. Adler, welche bekanntlich der strengsten Richtung angehören befanden sich da in Gesellschaft der Herren Prof. Vr. Kämpf, vr. Stein, vr. Singer wie noch anderer Prediger. Herr Rabbiner Teweles hielt einen Vortrag über die Pflichten und Rechte eines Vorstandes und besten Verhältniß zum Vereine wie auch über die Gegenpflichten der Mitglieder zu dem Vorstande, indem Redner die Geschichte KorachS und den Prkncipienkampf, der demselben zu Grunde liegt, zum Vorwurf nahm, und dieses Thema nach allen Seiten hin beleuchtete. Nach ihm noch sprachen die Hrn. Rabb. Adler und Singer in sehr anrregmder Weise und mit vielem Beifall. Schade, daß Herr vr. Kämpf, der stets gefeierte Redner, nicht zum Sprechen disponirt war. Der Verein Afike Jehuda zur Verbreitung jüdischer Wistenschaft wirkt jetzt in den Sommermonaten, durch wissenschaftlichreligiöse Vorträge für die reifere Jugend, welche;eden Sonntagsmorgens von den zu diesem Zwecke gewonnenen Hr. Prof. vr. Kämpf, Rosenberg, Tauber, Wolf, abgehalten werden. Es meldeten sich bereits über 300 Hörer. Aus Pesth, 18. Juli, wird berichtet: Ein Vorfall, wie er brutaler kaum gedacht werden kann, hat sich heute Nachmittags in der Zwei-Mohrengasse zugetragen. Ein jüdischer altersschwacher Greis, Namens Neumann, suchte im Hause Nr. 21 der genannten Gasse einen Bekannten und trat von ungefähr in das Vorzimmer des Herrn des Hauses, F. Ernay, ein, wo er von zwei Kötern angefallen wurde, die er mit einem leichten Stäbchen von sich abwehrte. Auf den Lärm kam die Frau heraus, die den Greis nach seinem Begehr fragte und ihm die Wohnung des Gesuchten wies. Doch kaum hatte der arme Greis die Schwelle beschritten, als Herr Ernay ihm nacheilte und ihn die Wendeltreppe hinunterstürzte, nach dem er ihn mit geballter Faust zweimal ins Antlitz geschlagen. Mit gebrochenen Gliedern blieb das Opfer der gemeinsten Rohheit unten liegen, doch bald wurde derselbe von mitleidigen Leuten bemerkt, die die Transportirung des Unglücklichen in das israelitische Spital veranlagten. Unterdessen hatte sich der Vorfall mit Blitzesschnelle durch die ganze Theresienstadt verbreitet, allenthalben staute sich die Menge in der engen Gasse und machte jede Kommunikation unmöglich. Drohende Rufe, wie: „Sperrt ihn ein, den Mörder!" „Schlagt ihn todt!" wurden laut, und Ernay fand es endlich für ratbsam, in einem Comfortable Rettung vor der erbitterten Menge zu suchen. Doch kaum hatte er den Wagen bestiegen, als auch schon

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