Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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579 7 / Vergessenheit zur Schau trägt, wie es in unserem Heimathland der Rabbiner vr. Heß sich erlaubte, der die Erklärung von 133 Rabbinen veranlaßte. Daß nun die Hauptwurzel so schamloser Ableugnung der Thora hauptsächlich in dem hohen Grade der Ignoranz zu suchen, welche überhaupt den religiösen Versall unserer Zeit characterifirt, dürfte wohl kaum eines Beweises bedürfen. Dies veranlaßt uns aber auf eine gefährliche Schattenseite aufmerksam zu machen, die nur zu häufig in unserem eignen Lager sich kundgibt! Es ist dies nämlich die allzugroße.Genügsamkeit in den Anforderungen an einen Rabbiner in Bezug auf das eigentliche Fachstudium, auf deffen Kenntnisse ntpnpn umiro nämlich, um seinem Berufe entsprechen zu können, indem man sich begnügt, wenn derCandidat „fromm," auf orthodoxem Standpunkte steht, und zur Wahl eines solchen Rabbiners sich Glück wünschen zu dürfen wähnt. Dem aber ist durchaus nicht so. Unsere heilige Religion läßt sich eben mit Concessionen nicht ein, sei es nach rechts oder links, sei eS heute oder zu den Zeiten Rabinna und R. Aschi'S. Sie verlangt vielmehr, daß derjenige der i'tfvrpi pü’H vornehmen will, auch vollkommen hiezu befähigt sei, andernfalls sie ihn von diesem hochwichtigen in daS Allgemeine und Spezielle so tief eingreifende Religionsgebiet ferne gehalten wissen will. Die mangelhaften Kenntnisse eines pffiTpi j'v'i -hdd aber kann oft unbewußter Weise diesen traurigen Folgen nach sich ziehen, die wir mit Wehmuth an Jenen beklagen, die von nampn U’min sich losgesagt. Wie sollte man sich ferner dabei beruhigen können, die Herstellung und Ueberwachung eines mpo, die Approbation eines orw, die Entscheidung einer leichten oder schwierigen casuistischen Anfrage (nbttv) Jemandem anzuvertrauen, der solchen hochwichtigen, „fleißig Lernen" und viel Praxis erfordernden Anforderungen nicht entsprochen, und so halb oder ganz unbewußt sich zum doti hn* soiariD macht? Der betreffende sogenannte Rabbiner ist da am ehesten zu entschuldigen, denn eS fehlt ihm nicht nur die Fach-, sondern auch die Selbstkenntniß; er ist sich seinerUnkenntniß und Nichtbefähigung über die hochwichtigsten Angelegenheiten der Religion zu entscheiden unbewußt, er vertraut Jenen, die ihn dazu ausersehen und so seine Befähigung dokumentirt haben. Bedenket aber, Ihr einflußreichen Männer in Israel, denen Muster im Weinberge des Herrn zu sein Wunsch und Bestreben ist, bedenket die Verantwortlichkeit, die derjenige übernimmt, ver einen Unbefähigten, und wäre er noch so orthodox, zum Rabbiner macht, bedenket, welchen Antheil Ihr an dessen, durch nn^n rawr verursachten jni habt, und überleget es Euch wohl, wen Ar zum Rabbiner wählt! Sorgen wir aber zuerst dafür, unsere angehenden Candidaten auszubilden, daß sie zu Männern heranreifen, denen mit gutem Gewiffen eine.-ibtzMzum paßkenen anvertraut werden kann. Die allgemeine wissenschaftliche Bildung kann und darf heutzutage nicht außer Acht gelassen, nicht vernachlässigt werden, aber als Surrogat der mir, kann sie dem gläubigen Israeliten nicht dienen! Befähigung mit Fleiß verbunden findet die ausreichende Zeit auch für allgemeine Wissenschaften ohne darum die Hauptsache zu vernachlässigen; wer aber dies zu erreichen nicht im Stande, der mag seine Kräfte als Prediger und Lehrer der h. Religion in ersprießlicher Weise verwerthen, aber Rabbiner muß er eben nicht sein wollen, um das Interesse der h. Religion, sein eigenes und das der seiner vermeintlichen Befähigung sich Anvertrauten nicht zu gefährden. Möge diese Anregung an maßgebenden Stellen gebührende Würdigung finden, und sie wird '".ijn zur Förderung fleißigen ernstlichen Thorastudiums sicherlich beitragen. mn-Ai min Altona im Juli. Am 17. d. M. entschlief sanft im 74. Lebensjahre unser Gemeindemitglied Hr. Benjamin Leja! — Derselbe war in Hamburg geboren, aber schon als Kind mit seinen Ellern hieher übergesiedelt. Da sein Vater in ärmlichen Verhältnissen lebte, so war er gezwungen, schon früh für seinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Er begann einen Handel mit optischen Gegenständen, begab sich später auf Reisen, und legte dann in großartigem Styl ein Geschäft in Stockholm an. — Dies Geschäft verkaufte er später, um ein neues in der Weltstadt Paris zu etabliren. — Nachdem er hier viele Jahre hindurch mit gutem Erfolge thätig war, verkaufte er auch dies, und zog sich ins Privatleben zurück — nach Altona. — Hier arbeitete er unermüdlich daran, seine Ideen, eineStiftung in großartigem Stylzur Ausführung zu bringen, und begann, nachdem die Stadt demselben einen passenden großen Platz zur freien Verfügung gestellt hatte, mit dem Bau eines Stiftes, des Lejastifts, worin 44 Familien, (zum dritten Theil der mosaischen Religion angehörend) Aufnahme fanden. Zugleich deponirte er bei der Stadtverwaltung 20000 Thlr., von denen die Zinsen die fortlaufenden Verwaltungs- und Erhaltungskosten decken sollen. — Da der Fundations-Acte gemäß, dieses Stift für ewigen Zeiten — zum dritten Theil aus Bewohnern mosaischer Confession bestehen soll, ordnete er an, daß von der aus 3 Mitgliedern bestehenden Administration, einer der mosaischen Confession angehören solle; so kam es denn, weil der Stifter sich bereits krank fühlte, daß er ein, unter der Altonaer Bevölkerung wohl bekanntes Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herrn Adolph Kaufmann ersuchte, dies Ehren-Amt auf Lebenszeit zu übernehmen. — Der Verstorbene fundirte dann eine zweite be-