Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447477--08522-2464173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
570 des ungeheuren Aufsehens, welches das plötzliche Verschwinden des Juweliers Hirsch im Jahre 1839 verursacht hat. Derselbe hatte nämlich einer an ihn ergangenen Einladung, seine kostbarsten Waaren zum Verkauf nach Ofen in die Festung zu bringen, Folge geleistet und war seit jenem Tage mit den die Summe von 80,000 fl. ausmachenden Effecten verschollen. Vor einigen Tagen, berichtet ein Pesther Blatt, traf eS sich nun, daß der Hausmeisters eines in der Festung befindlichen Hauses sein Ende herannahen fühlte. Derselbe ließ nun die Nachbarn herbeirufen und machte ihnen, von Gewissensbissen gepeinigt, die entsetzliche Entdeckung, daß er und sein Hausherr vor 31 Jahren den Juwelier Hirsch ermordet und dessen Leichnam im Keller verscharrt hätten. Das Bewußtsein dieser Unthat hätte ihm schon lange die Seele belastet, doch Furcht vor irdischer Strafe wäre es gewesen, die ihn bis jetzt vor der Selbstanzeige zurückgehalten. Jetzt fühle er den Tod schon im Herzen, und er könne nicht früher sterben, als bis er diese Mittheilungen gemacht. Der betreffende Hausbesitzer soll 14 Häuser besitzen. Stri. . Am 26. Juni ging eine an Gicht leidende Frau, der die Aerzte kalte Bäder angerathen hatten, in den hiesigen Volksgarten, wo ein mineralhaltiger Quell entspringt, und wollte daselbst die Füße baden, der Garten, der sich ziemlich weit von der Stadl entfernt befindet, war in Folge der regnerischen Witternng fast gar nicht besucht, die Frau war eben in die Quelle gestiegen, als aus einmal der Gartenwächter und eine in der Nähe des Gartens wohnende Bäuerin mit Stäben herbeigelaufen kamen, die Frau entkeideten und sie durch die von Juden unbewohnten Gassen vor das Gemeindeamt führten. Im Gemeindeamts angelangt, ließ der Assessor die arme vor Schimpf und Schande wie versteinert dastehende Frau ankleiden und in ein benachbartes Judenhaus bringen, ohne aber den rohen Wächter über seine Handlungsweise zurechtzuweisen. Als später der Gartenwächter von einigen Leuten über die begangene Brutalität zur Rede gestellt wurde, gab er zur Antwort, daß der Assessor vor einigen Wochen ihm ausdrücklich anbefohlen habe, gegen Jeden, den er erwische, so zu verfahren. Die jüdischen Bewohner Stri's waren mit der Erklärung nicht zufrieden, sondern verlangten vom Gemeinderathe Genugthuung für die dieser Frau angethane Beschimpfung. Der Gemeindewächter wurde auch wirklich auf einen Tag dem Bezirksgerichte eingeliefert und die christlichen Gemeinderäthe faßten den Beschluß, diesen Assessor zu entfernen, die Juden aber, insbesondere ein gewisser K. L., legen jetzt Fürbitte für das fernere Verbleiben desselben ein. Italien In Wlfii ist neulich ein trauriges Zeichen von Unduldsamkeit vorgekommen. Bet der Letchenbestattüug eines Juden wurde der Rabbiner, welcher bei der Trauerfeierlichke t prästdirte, von einem ihm von unbekannter Hand zugeschleuderten große« Stein am Kopfe getroffen. Persönliche Feinde hatte der brave gute Mann gewiß nicht, nur religiöser Fanatismus kann die Unthat veranlaßt baben. (Wochenfchr.) Holland. Groningen. Herr Dr. S. Mosenstein, Sohn des verewigten Rabbinatsasseffors Elchanan Rosenstein in Berlin, ist für daS Jahr 1870—1871 zum Rector magnificus der Universität zu Groningen ernannt worden. (N. I. W.) England. London, 15. Juli. Im Oberhause stand gestern die zweite Lesung der Universttäteidesbikl, welche im Unterhause durchgegangen war, aus der Tagesordnung. Lord Salisbury beantragt gegen sie zwei Amendements: 1) daß es geboten sei, den religiösen Character des Unterrichts auf den Landeshochschulen zu wahren; 2) daß behufs dessen die Bill einem Sonderausschüsse überwiesen werde. Für diese Anträge, welche einer Verwerfung der Bill gleichkomme«, sprach nur der Bischof von Glocester, rvährend der Erzbischof von 3)ork mit den Bischöfen von Exeter und Oxford ihnen entgegentraten. Bei der Abstimmung jedoch wurde die zweite Lesung mit 97 gegen 83 Stimmen abgelehnt, worauf Salisburys erstes Amendement ohne Abstimmung und fein zweites mit 95 gegen 79 Stimmen angenommen wurde, obwohl die Lords Russell, Grey, Somerset und Granville dagegen gesprochen hatten. Die Bill ist somit für diese Session verloren; ein Ergebniß, das längst als wahrscheinlich betrachtet worden war. London. Wir haben Institutionen in Menge, schreibt der „Jew. Rec.", um Hilfsbedürftige zu unterstützen, aber unglücklicherweise wenige, durch die die Armen veranlaßt werden, sich selbst zu helfen. Besonders hier gibt es viele arme isr. Frauen und Mädchen, die ohne alle Beschäftigung sind. Man beabsichtigt deßhalb, Waschhäuser zu errichten, in denen eben diese armen Frauen und Mädchen durch Waschen, welche Arbeit nicht schwer zu erlernen ist, ihr Brod verdienen können, und dies um so eher, da hier die Wäsche sehr theuer bezahlt wird. Die Ausgaben für ein halbes Jahr sind auf 1800 fl. berechnet. Chatham. Vor zwei Wochen wurde dahier (Ggt>)