Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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966 „wissenschaftliche theologische Forschung" belehrt, daß auch das positive Zudenthum Reformen nicht für unberechtigt Kalte, sie sogar zuweilen gebiete. Die Grenze solcher angeblich erlaubter Reformen wird dann in jeder Gemeinde von Jedem beliebig bestimmt, Wodurch denn in manchen Gemeinden der Gottesdienst wie ein sit venia verbo — buntscheckiges Probenbuch aus sieht. Doch genug davon. „Wenn etwas Ganzes wird aus noch vielen Halben, „Ganz gut! Es wimmelt jetzt von Halben allenthalben, „In jeder Halbheit wohnt ein Trieb zur Uebertreibung, „Bei Uebertreibung bleibt nicht aus die Unterbleibung. (R ü ck e r t.) Diese praktischen Momente, wie gesagt, scheinen so eigentlich des Pudels Kern zu sein. Der Verein gibt der Hoffnung Raum, „eS werde sich ein einheitliches religiöses Band um die Gemeinden schließen" (Ähal) und dies ist wohl nicht „als der praktischen Ergebnisse geringstes zu betrachten." Schließlich also nichts anders, als das Bestreben in collegialischer Brüderlichkeit die Jünger der Breslauer Schule anzubringen. Solchem offenen Gebühren gegenüber kann man nicht oft genug den Ruf wiederholen: ErmannetEuch, ihr Gesetzestreuen inJsrael. Wir bedürfen dringend einer neuen Rabbiyerschule, in der gesinnungstüchtige, ganze Rabbiner herangebildet werden. Veritas. Oesterreichisch - UngarHche Monarchie. Lemberg, 11. Juli. Die „N. fr. Pr." läßt sich von hier trlegraphiren: „Bei den letzten Judenhetzen machte sich erwiesenermaßen der Einfluß russischer Agitationen theilweise geltend. Der Haupträdelsführer der Judenhetzen ist verhaftet." Ein anderes Telegramm desselben Blattes besagt: „Schaaren von Exceventen rotteten sich auf dem Georgsplatze zusammen. Die Nonnen des Klosters „Sacr4 Coeur" holten Militär; 30 Arbeiter yaben sich geäußert, sie hätten die Judensta^t in Brand gesteckt, wenn Smolka durchgefallen wäre. Der Pöbel behauptet auch, daß die Juden von den Fenstern Steine herabgeworfen hätten." Donaufürstenthümer. Bukarest, 15. Juli. In der heutigen Kammersitzung wurde die außerordentliche Session abermals bis zum 20. Juli verlängert. lieber die Zulassung der Israeliten zu Staatsgüterpachtungen wurde lebhaft debattirt. Galatz. DaS Geschwornengericht in Galatz hat am 30. Juni sämmtlicke wegen der Tekutscher Judenhetze Angeklagten — 50 an der Zahl —- freigesprochen!!! England. London. Den 13. Juni war das jährliche Stiftungsessen der jüdischen Freischulen, dem viele, angesehenen Glaubensgenossen beiwohnten. Die Schulen werden gegenwärtig von 1600 Knaben und 1000 Mädchen besucht. Die Ausgaben betrugen im verflossenen Jahre 52800 fl. Der Vorsitzende gedachte bei dieser Gelegenheit in warmen Worten des verstorbenen Alfred Davis, der nicht nur den Schulen testamentarisch 360000 fl. vermacht, wie wir s. Z. gemeldet, sondern schon bei seinen Lebzeiten denselben 252000 fL geschenkt, in welche Summe seine jährlichen Beiträge nicht miteingerechnet sind. Türkei.. Widbin, 13. Juli. Auch in der Türkei beginnt man nun Schulen zu errichten, um die Jugend sowohl in den religiösen Fächern als auch in Sprachen und sonstigem profanen Wissen auszubilden. Die in Widdin seit 2 Jahren gegründete Schule hat sich rasch emporgeschwungen und das am 2. und 3. d. stattgehabte Examen, dem der Pascha und die Consuln mitanwohnten, lieferte ein glänzendes Resultat. Am 15. Ab, gleich nach der Abreise des Herrn A. Farchi nach D'^rv, wird dessen Haus, das schönste Gebäude in Widdin, zur Disposition der öffentlichen Schule gestellt werden. F e rr i l l e t p n* Säe« und Ernten. VI. Moderne Verstocktheit. Als sich der Rabbi mit Wolfsohn allein befand, sagte er: „Mein lieber Wilhelm, oder wie ich Dich lieber nenne: Wolf, höre mir genau zu und unterbrich mich nicht; was ich Dir jetzt sagen werde, wird zu Deinem eigenen Heile gereichen. Was sollte es mir auch nützen? Stehe ich doch an der Pforte des ewigen Lebens! — So höre mir denn aufmerksam zu: Dein Großvater, seligen Andenkens, man nannte ihn Rabbi Wolf Schnaittach, kam als armer Jüngling hierher und ward bald mein Lieblkngöschüler, später mein bester Freund; ich veranlaßte d n reichen Rabbi Hirsch Uslar, daß er ihm die einzige Tochter gab. Dein