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Der Israelit · 1870-07-27 · Heft 30 (27.7.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 30 (27.7.1870)
Date
1870-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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565 die leichteste Art sich einsckleichen, find aber nur mit Anstrengung wieder zu entfernen. vr. Schl.r. Hamburg. (Schluß.) Das literarische Interesie des Vereines gipfelt nach dem Referenten in der Wahrung unserer Nationalliteratur, in der Erforschung und Erhaltung der im Talmud niedergelegten Schätze. Auch das ist eine sehr schöne Aufgabe. Die Klagen über daS geringe Verständniß der talmudischen Schriften in unserer Zeit sind vollkommen gerechtfertigt, wenn ich gleich die Befürchtung, daß diese unsre Nationalliteratur in einigen Generationen verloren zu gehen droht nicht ganz zu theilen vermag jd^k «b '0 Woher aber — ich bin so unbescheiden dies zu fragen — woher aber besitzen jene Herren die Kühnheit, der Welt vorgaukeln zu wollen, daß sie, die Schüler des Breslauer Seminars, einen Verein gründen mußten, solches Unheil von Israel abzuwenden? -»dik k1? ok Id »ik *idik OK 'd mk. Ich habe gewiß vor der wissenschaftlichen und talmudischen Größe des Herrn vr. Frankel die allerhöchste Achtung und ,nur die Liebe zur Wahrheit zwingt mir die folgenden Worte ab. Hand aufs H-z! Mit welchen talmudischen Kenntnissen auSgeri et verlassen denn die meisten Schüler des Breslauer Seminars die Anstalt, so daß sie vorgeben können, im Stande zu sein, die Schätze des Talmud sich und Andren zu erhalten? Wie kommt der Herr Referent dazu mit solcher Bescheidenheit und Vornehmtuerei alle diejenigen Rabbiner und Rabbinatscandidaten zu ignoriren, die zwar nicht so glücklich sind, Schüler des Seminars zu sein, die aber zu denFüßen eines Ettlinger, Bamberger, Hildesheimer u. Anderer gesessen und sich auch in wiffenschaftlicher Befähigung reichlich mit den Jüngern aus Breslau messen können? Sollten diese weniger im Stande .sein die Schätze des Talmud zu erhalten? Die Herren mögen sich beruhigen, das Verständniß des Talmud wirb nicht abhanden kommen, dafür ist auch ohne den jüdifch-theolog. Verein gesorgt. Seine Bestrebungen nach dieser Seite hin verdienen selbstverständlich nur Lob. Interessant sind die Expektorationen des Vers, über daö heutige Verfahren bei Anstellung von Rabbinen: „Der Candidat wird zur Probepredigt berufen, findet sie Beifall, so erfolgt die Anstellung, es wird höchstens noch von mancher Seite gefragt, ob der Candidat „nicht zu fromm sei" und da die Gegensätze sich berühren, so wird von einer andern Seite darauf gehalten, daß der Candidat recht fromm, wenn auch unwissend sei." Der Wehruf ist in seinem ersten Theile leider oft genug begründet, aber es war unvorsichtig von Seiten des Schreibers ihn ertönen zu lassen, der zweite Theil desselben ist charakteristisch. Ich muß nun einmal beute den Beichtvater spielen. Noch einmal Hand auf's Herz! Wodurch erhalten denn viele Hörer des Breslauer Seminars Rabbinerstellen? Etwa wegen ihrer hervorragenden talmudischen oder wifsenschaftl. Befähigung? Das mag bei manchen wohl der Fall sein, aber bei allen, oder auch nur bei den meisten? Wo die faktischen Verhältnisse s» klar vorliegen, sollte man lieber schweigen, anstatt unliebsame Erinnerungen wach zu rufen. Ich möchte ferner den geehrten Herrn Schreiber fragen', ob denn nach seiner Ansicht und der Ansicht der Mitglieder des süd.-theolog. Vereines das wichtigste Erforderniß zum Rabbineramte nicht Frömmigkeit, ob nicht diese für einen Rabbiner weit wichtiger als Wissenschaftlichkeit sei. Freilich sollen undmüssen heute beide Eigenschaftenv er einigt sein bei ejinem Volkslehrer, aber letztere allein befähigt doch gewiß nicht zum Rabbiner. Für den Schre ber de- Leitartikels mag Frömmigkeit wohl ein wächsener Begriff sein, der sich dehnen und zusammenziehen läßt, je nach dem praktischen Bedürfniß, wie wir des Weitern in Betreff der praktischen Momente deS jüd.-theol. Vereines belehrt werden. Diese praktischen Momente des Vereines, sie sind so eigentlich des Pudels Kern. „Der Verein lehnt an das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau und will in seinem Sinne wirken." Es ist dies die zweite Unvorsichtigkeit, welche dem Schreiber passtrt. Wie mit einem Scklage werden durch sein Geständniß alle die schönen Illusionen über die idealen Zwecke des Vereines unbarmherzig zerstört. Eine eigenthümliche Logik, die nicht gerade von „wissenschaftlichem Geiste" zeugt, liegt in dem Schluffe, weil der Verein von rechts und links angefeindet werde, muß er den richtigen Weg eingeschlagen haben. Qnod erat demonstrandum. Richtiger ist wohl der Schluß, weil von allen Seiten die praktischen Tendenzen und Ziele des Vereines verurtheilt werden, müffen seine Mitglieder auf ganz verkehrtem Wege sein. Den» alle jene Salbadereien von einem einzuschlagenden Mittelweg', von der Nothwendigkeit sich gleich weit entfernt zu halten von dem „Fanatismus der Strenggläubigen" und der „Reformsucht" und wie sonst noch alle die schönen Phrasen Heiken mögen, die wir schon X-Mal von den Schleppträgern des Breslauer Seminars zu hören bekamen ad majorem Vratislaviorum gloriam, ziehen heut zu Tage nicht mehr. Die gerade und ehrlich denkenden Juden, gleichviel, welcher religiösen Richtung sie angehören, können sich nun einmal von dem Gedanken nicht lossagen, daß Halbheit wie im Leben überhaupt, so besonders auf religiösem Gebiete gleichbedeutend sei mit Principlostgkeit. Freilich ist sie sehr bequem, diese Richtung der Rabbiner aus dem Breslauer Seminar. Es sind halt „Leute für Alles", in reformsüchtigen Gemeinden Reformer, in orthodoxen Gemeinden orthodox, ganz nach Belieben, bald für „Cultusverbesserung", bald gegen jede Aenderung. Nur die süße Ruhe und der Frieden darf nicht gestört werden. Sie sind durch

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