Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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563 Aeitrrnqsrrachrichtey und Gorrefpoudeuzen. Deutschland. Main), den 20. Juli. Der in Nummer 22 dieser Blätter veröffentlichten, von 131 Rabbinen Unterzeichneten, die jüdischen Ehegesetze betreffenden Erklärung haben sich noch die nachfolgenden Herren Rabbiner angeschlossen: Bernfeld, I. H., Rabbiner zu Jrsa, Ungarn. Knrpeles, Elias, Rabbiner zu L o s ch i tz in Mähren. Mainz, 18. Juli. Die Nummer 28 der „Neuzeit" veröffentlicht einige für die Münchener Synode gestellten Anträge. Wir heben darunter den folgenden hervor: „Die Synode wolle beschließen: die Feier des Sabbat sei auf einen andern Tag (den Sonntag) zu verlegen." Unter den Motiven wird angeführt, „daß sich die winzige Minorität der Juden der ungeheuren Majorität der Nichtjuden fügen solle." Wer zweifelt noch daran, daß diese Menschen auf die Vernichtung des Judenthums ausgehen! Uebrigens wird wohl die projectirte Synode nicht statthaben; bei dem geringen Arcklange, dyn das Project gefunden, ist den Entrepreneuren sicherlich der herrschende Kriegslärm ein willkommener Vorwand zur Aufgebung desselben. Heilbronrr a. N, 19. Juni. Unter diesem Datum hat der Ausschuß der isr. Waisenanstalt Wilhelmspflege die isr. Kirchenvorsteherämter Württembergs ersucht, nach thunlicher Aushölung der Ansicht der Gemeindegenossen sich darüber zu äußern, ob die Aufnahmen von 4—5 west russischen Waisen in die Wilhelmspflege gutgeheißen werde und ob die Gemeinde gewillt sei eines jener Kinder nach der Entlassung aus dieser Anstalt zum Zwecke weiterer.Fürsorge an Kindesstatt anzunehmen. Der Vorstand der Wilhelmspflege', der bekannte Philantrop und Oberkirchenvorsteher vr. Ad. Levi in Stuttgart, setzt in seinem Circular voraus, daß der Wcheruf, der in Folge der Hungersnoth der jüdischen Bevölkerung Westrußlands sich vernehmen ließ, zweifelsohne zu allen Gemeinden gedrungen und auch die Aufforderung, welche in neuester Zeit seitens der „Alliance Jsraelite" in Paris an die isr. Gemeinden Europas und Amerikas in der Richtung und zu dem Zwecke ergangen ist, daß dem Elend, in welchem Tausende von jüdischen Waisen aus jenen russischen Provinzen ohne Nahrung, Pflege und Erziehung verkümmern , durch Adoption solcher unglücklichen Wesen möglichst gesteuert werden möchte, in allen Gemeinden kündbar geworden sei. Die Leitung der iör. Waisenanstalt WilhelmSpflege, deren finanzielle Kräfte es jetzt wohl verstatteu würden und deren Hilfe für inländische Waisen und verwahrloste Kinder zur Zeit in einem geringeren, die Mittel des Instituts nicht absorbirenden Maße in Anspruch genommen wird, wäre nun gerne bereit, im Sinne und Geiste von dt»n Hansen b:) in dieser Calamität durch Aufnahme von etwa 4—5 jener russischen Waisen auch die Wilhelmspflege sich hilfreich erweisen zu lasten. Da aber diese Anstalt nach ihren Statuten nur für solche israel. Waisen, die dem Lande Württemberg angehören, bestimmt ist, so will es der Ausschuß in diesen Falle nicht wagen, diese Schranke durch Aufnahme ausländischer Kinder zum Zwecke unentgeltlicher Verpflegung zu durchbrechen, ohne sich zuvor des Einverständnisses der jüdischen Bevölkerung des Landes, mit deren Anschauung er einrK gehen möchte, versichert zu haben. Diese Rücksicht ist billig, da das Vermögen und die Einnahmen der Wilhelmspflege aus Spenden, Gaben und Vermächtnissen der württembergischen Israeliten erwachsen ist, und besteht. Ueberdies vermöchte der Ausschuß, die Zustimmung der Vorsteherämter vorausgesetzt, zu einer der-, artigen Hilfereichung an auswärtige Waisen sich nicht herbeizulassen, bevor er darüber Beruhigung und Sicherheit hat, wenn diese nach ihrer dereinstigen Entlassung aus der Wilhelmspflege, erfolge diese nach der Schulpflichtzeit oder aus dringlichen Gründen schon früher, zum Zwecke weiterer Fürsorge den Gemeinden, zuzuweisen sein würden. Das Vorsteheramt der isr. Gemeinde H eil bron^n hat nun nicht nur seine Zustimmung zur Aufnahme von wenigstens 4—5 solcher Waisen ertheilt und die spätere Annahme eines solchen Kindes versprochen, sondern sich auch bereit erklärt, noch einige weitere dieser Kinder in der Wilhelmspflege auf Kosten hiesiger Privatleute versorgen zu lassen, wenn der Raum und die sonstigen Verhältnisse des Waisenhauses es gestatten, und wenn man erfahren haben wird, welche Entschädigung per Kind und Jahr zu bezahlen ist. Die Antwort ist noch abzuwarten. Möge dieses Beispiel andere israelitische Waisenanstalten und Gemeinden zur Nachahmung aneifern und sich allerwärtö bewähren: mir cnn1 "p “wn. Berlin, 11. Juli. Die Nr. 157 „der Vofsischen Zeitung" bringt einen von P. Unterzeichneten Artikel: „Die Juden und Freimaurer." — Der Verfasser stellt darüber Betrachtungen an, wie die auffallende Erscheinung zu erklären sei daß in einer Zeit, wo alles.dahin drängt, die Scheidewände, welche frühere Jahrhunderte zwischen den verschiedenen Confessionen aufrichteten, niederzureißen, wo selbst in dem skandinavischen Reiche die frühere Intoleranz im Wege