Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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559 Neuzeit begegnen; mit dem Aufsuchen derselben soll uns eine Reihe von. Abhandlungen beschäftigen. Correspondenzen. Württemberg, 6. Juli. Vor etlichen Tagen erschien eine Verfügung der Kgl. JSr. Oberkirchenbehörde, betreffend den Religionsunterricht in der einclassigen isr. Volksschule, über die wir hiermit einem größern Publikum berichten. Bei dem Entwurf eines Normallehrplanes für die Volksschule deS Landes hat die ev. Oberschulbehörde, das Kgl. Conftstorium, auch isr. Lehrer in die Commission berufen. In der 3. Beilage zu diesem Plane sind (laut Cultministerialverfügung vom 21. Mai d. I.) auch die Fächer des isr. Religionsunterrichts im Allgemeinen verzeichnet und an diese Beilage schließt der Erlaß der isr. Oberkirchenbehörde sich an, indem sie zum Religionsunterricht I. den Unterricht in der hebr. Sprache, II. biblische Geschichte und Bibellesen und Hl. systematischen Religionsunterricht aufzählt. I. Der Unterricht in der hebr. Sprache umfaßt 1) das Lesen, 2) das Uebersetzen des Gebetbuches und der fünf Bücher Mosis in Verbindung mit grammatikalischen Uebungen und 3) das Einüben einiger hebr. Wörter und Sprüche. Die für diesen Unterricht bestimmten 6 Stunden der Woche werden auf das Lesen und Uebersetzen je hälftig verwendet. Der Unterricht im Lesen des Hebräischen soll erst beginnen, wenn das Kind nach i/2 Jahre das Deutsche einigermaßen zu lesen versteht. Als Hilfsmittel ist Hästers Fibel von Hecht zu gebrauchen. Richtiges grammatikalisches Lesen, einzeln und im Chor, wird speciell empfohlen. Die Fibel soll bei zwei V* Stunden in der Woche in 6 Monaten bewältigt sein und dann werden diese Kinder mit denen des zweiten Schuljahres zum Lesen in der rftSTi vereinigt, worauf 1 Wochenstunde verwendet wird. In einer dritten Stunde werden die drei höheren Abtheilungen zusammengenommen und im grammatikalischen Lesen geübt, wobei auf Dagesch, Schwa, Patach Furt., Mappik n, Makkeph, Metheg, Ethnach, Silluk u. s. w. aufmerksam zu machen ist. Das Uebersetzen der Gebete für beide Geschlechter, wöchentlich 1 Stunde, beginnt mit dem 4. Halbjahr der Schulzeit. In diesem Wintersemester sind zu übersetzen: dü no und die Benedictionen, «’2i2.i, '"2p .]in 71212 und noixn s"2 ,pj?7is"2 ,t>an» Im dritten Schuljahre sind 20Stücke mit ca. 200 Zeilen zu übersetzen, nämlich: |ni27i ,nov2 v6« 11212 ,i2«v ■pa ,<nv ym ,«tp ,r)pH '21 tiuivki '2 ,tdtixi ,1212 ,7i27iv ,'t^n .ti^tj ,'ivx .7120 '^>271 -'52.1 ,"]b 7IT2 ,p"v bv nunn« Im vierten Schuljahre: ,i7ivn ni2ia ,nb)ppnrr ,ü^yb ’H2,n"op 'dtd ,1122 »n» 1x1p '7fr ititi ,psi '7m .711212 2"' , .l'.ll , 7122 7127!« ,11« IM' ,111 1121 .v2.1 byi 7,212 ,12'^p ,yuV 2V NI'PLv« Zusammen ca. 300 Zeilen. Im fünften Schuljahre: 2"i ,'2^>'!rciv i"' 71212 ,'n 71"«,1p «1,1 .171« ,12'Sb ,12712« v2« ,2'2-1p.1 7>2« 71L'L ,1S ,1127171 ,2“p ,l"2p '2T2 , ^212' ,70171.1 «2'1 7I^»p'l 71L1 ,2'1P2 ,}l'i6 «21 ,'2 '212 ,p27171 ,2'L'I Zufammm 400 Zeilen. Im sechsten Schuljahre: 71212 , 7i2V2 , tsnp .17122 *?1 1212- ,71'INVV ,2'1P2^> P2Ü7 71^5712 «21'1 ppv ,71^1271 , JTI'l , n"D 71D22711 71XL1.1 112 ,712V bv .71512 1P 2m,12 An jedem n"i ist ein Theil von *?t>7i und der Reihe nach die mittleren Benedicttonen der nt,m\b v"n 71"1V>1, vor jedem 212 21' die mittleren 711212 der betreffenden 7!v57i und zwischen Purim und Peßach ander .112.1 die Stücke v«2 ,202p ,2*2 ,xdt6 «.12 bis 2"2 vi in Behandlung zu nehmen. An diesem ganzen Unterrichte haben die Kinder des siebenten und achten Schuljahres repetirend Theil zu nehmen und außerdem hat der Rabbiner oder dessen Stellvertreter, der Lehrervorsänger, in einer besonderen V2 Stunde folgende Psalmen zu erklären: 18, 34, 90, 91, 135, 136, 33, 92, 93, 149, 24, 144, 167. Von Wichttgkeit ist es, daß bei diesem Unterrichte die Jugend zu einem andächtigen Gebete und zu einem wohlanständigen Verhalten in der Synagoge angeleitet werde. (Schluß folgt.) Aus Weftphalen Dem uns vorliegenden „Lehrplan der Elementar- und Seminarabtheilung der Marx-Haindorf'schen Stiftung in Münster," herausgegeben von dem Director und den Lehrern derselben, entnehmen wir Nachfolgendes von allgemeinem Interesse. Nachdem in dem Vorworte dieses über 40 Octavseiten füllenden .Schriftstückes über Zweck und Ziel öffentlicher Bildungsanstalten im Allgemeinen abgehandelt ist, heißt es dann über die in Rede stehende, wie folgt: „Endlich aber hat gerade die Aufgabe unserer Anstalt, jüdische Lehrer zu bilden, noch ihr besonderes, heiliges Interesse. Hier ist eine innige Verbindung mit der Oeffentlichkeit, noch wichtiger, denn die Kluft geht sonst tiefer. Es ist aber leicht einzusehen, daß bei der Verschiedenheit der menschlichen Meinungen die öffentlichen Stimmen selbst verschieden lauten. Die Aufgabe eines Lehrers wird verschieden aufgefaßt, besonders die eines jüdischen; die Wünsche an eine Lehrerbildungsanstalt sind sehr getheilt; die religiösen Ansichten besonders weit auseinandergehend. . Da eine Anstalt aber einem festen Plane, einem klar erfaßten Zwecke folgen muß, so wird sie darum leicht die Einen anziehen, und die Andern abstoßen, Freunde