Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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544 diegenen Characteren und Geisteseigenschaften Gefallen fanden. Auch Lippold war dem Kurfürsten Joachim II., welcher nicht allein Schlösser baute, sondern auch für die Hebung, des Volksunterrichtes durch wesentliche Reformen wirrte, sicher nicht nur als Kämmerer und Schatzmeister, sondern auch als Mensch lieb und werth." Und zum Schluß sagt er: „Der Fürst, welcher ein solches Urtheil über ein so hart geprüftes und glaubensmuthiges Vol? fällte, ist längst zu Staub und Moder geworden, aber über seinen gedankenlosen, herzlosen Richterspruch hat die Geschichte selbst den Stab gebrochen. Die Juden wurden nicht auögerottet, sondern haben sich im mühsamen und ernsten Streben, in unablässigem Kampfe zu ihrer jetzigen glänzenden socialen Stellung emporgerungen." Am vergangenen Sonntag fand in der Niederwallstraße eine katholische Wahlversammlung statt, um in allen 6 Wahlbezirken sowohl gute katholische Wahlmänner, wie auch derartige Candidaten aufzustellen, um die Versuche der Liberalen, in die Bundesverfasiung Beschlüsse hineinzubringen, welche die der katholischen Kirche durch die preußische Verfastung gewährleisteten Rechte aufheben sollten, abzuwehren. Bei dieser Gelegenheit hielt der bekannte „geistliche Rath" Müller, Redacteur des hier erscheinenden „Märkischen K'rrchenblattes", welcher bei der vorjährigen Einweihungs-Rede des Dominikanerklosters zu Moabit die Bemerkung gemacht, „daß die F uer der Inquisition das Angesicht der Erde erneuert hätten," eine Ansprache an die Versammelten, in welcher er sich dahin äußerte: „Die Juden seien sein Ideal, was die Form anlangt, sie sind nur 27,000 in Berlin, und machen doch einen Skandal für 150,000. Warum sollten es die Katholiken nicht eben so machen. Rur immer unverrückt weiter." Wir halten es unter unserer Würde, über diese Art der Gehässigkeit, die auf Unwahrheit beruht, uns zu betrüben, oder gar uns des Weiteren darüber anszulassen, da sämmtliche hiesige Zeitungen, inclusive „Kladderadatsch", in energischer Weise dieses Gebühren gekennzeichnet haben. Der Wahrheit die Ehre. Wer kann den Berliner Juden den Vorwurf machen, daß sie, wie es der „ geistliche Rath " Müller öffentlich verkündet hat, Skandal machen? So angenehm wie es uns wohl sein mag, auch einige jüdische Abgeordnete im Parlament zu wissen, niemals haben wir Wahlversammlungen veranstaltet, um für jüdische Candidaten Propaganda zu machen, und niemals haben wir uns Jnvectiven gegen irgend eine Religions-Gemeinschaft zu Schulden kommen lassen. Posen, Ende Juni. Inmitten einer Zeit, in welcher der krasseste Materialismus alles Göttliche so sehr überwuchert hat, daß nicht nur der Laie, des göttlichen Wortes unkundige Privatmann, sondern auch so mancher quasi Rabbiner und Prediger, die sich doch ein Wenig über das Gewöhnliche und Sinnliche zu erheben bemühen sollten, sich nicht entblöden, weil die zu realisirenden Lehren des Glaubens und der Religion einen ewigen Kampf mit ihren Leidenschaften und Wünschen, mit ihren Anmaßungen und Bestrebungen heraufbeschwören, allem Göttlichen und Erhabenen Hohn zu sprechen, ist es erfreulich und wahrlich herzerquickend, wenn dann und wann sich einige Stimmen vernehmen lassen, die uns die Göttlichkeit unseres heiligen Gesetzes vor die Seele rufen. Solche Stimmen sind dann wahrlich! wie überirdische, göttliche zu halten. Früher, so lange noch jüdisches Leben, d. h. ein solches, welches von der Religion getragen, erglüht und geheiligt ward, in Israel das Gemeingut Aller war, brauchte nicht erst demonstrirt zu werden, daß die Lehre, wie wir sie gegenwärtig in unseren Händen haben, auch so uns wirklich von Gott offenbart worden ist. Es waren noch keine Jost und keine Geiger mit ihren gotteslästerlichen Ansichten vor das Forum der Oeffentlichkeit getreten, um dem Pentateuch eine spätere Zeit und verschiedene Autoren zu vindiciren. Es hatten noch keine jüdischen Lehrer, wie unsere moderne Kirschsteine, mit so dreister und frecher Stirne in einer jüdischen Schule die das Gesetz Gottes und das ganze Judenthum untergrabende Lehre zur Geltung zu bringen gesucht, daß unsere Religion kein Ausfluß Gottes, sondern ein Truggewebe von verschiedenen Personen in der Absicht ausgesponnen sei, um gleich Ammenmärchen das Volk Israel, das doch in Wahrheit seinem Gesetze lediglich allein trotz aller nur möglichen erdachten, an ihm vorgenommenen Vernich - tungs- und Zerstörungsversuchen seinen immerwährenden Bestand zu verdanken hat, in den Schlaf einlullen zu können. Denn jeder Einzelne war von der Göttlichkeit des Gesetzes so durchdrungen, daß er den Probierstein dieser Echtheit zugleich in seinem eignen Innern vorgefunden hat. Die religiöse Liebe und die religiöse Begeisterung, die innige und sinnige Freude bei der Ausübung eines jeglichen und scheinbar noch so geringen Gebotes der Religion, so wie endlich das unermüdliche Forschen im Gesetze als eine heilige, gottesgefällige Pflicht, ohne Rücksicht auf Brodstudien und Nahrungsquelle, haben ihm die Göttlichkeit unserer Thora fühlbar gemacht und so sein Inneres mit heiligen Empfindungen, die auch ganz in das praktische Leben übergingen, erfüllt, daß das Bewußtsein von diesen beseligenden Gedanken mit seinem ganzen innern Wesen innig verschmolzen war. Er hatte noch nicht nöthig gehabt, erst durch künstliche, systematische Beweise überführt zu werden, daß min D'Otfn p ist, und demnach Wärme. Liebe und Begeisterung zu ihr von Außen her zu empfangen, um für sie zu leben, und wenn es nöthig war, auch für