Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Barbarei bricht hervor, sobald ihr die Gelegenheit geboten wird. Hoch und erhaben ist die Religion Israels mit ihren großen Zielen, die sie der Menschheit vorsteckt. Hoffen wir, daß die Menschheit endlich diesen Zielen entgegenreife! Me ohnmächtig« Mutder sogenannten Mesorm im Indenthnm. Mainz, 12. Jul:. Von Zeit zu Zeit erläßt Herr vr. Ludwig Philippson zu Bonn als Vertreter der sogenannten Reform eine Serie gistgeschwollener Leid-Artikel, welche die Ohnmacht und Schwäche der von ihm vertretenen Richtung deutlicher darlegt als dies irgend einer gegnerischen Feder möglich wäre. Denn welches find die Argumente, auf die sich Herr Ph. stützt? Nichts als Lug und Trug, nichts als craffe Verleumdung und verabscheuungswürdige Gehässigkeit. Den ganzen Kampf der Orthodoxie gegen den modernen Nihilismus will Herr PH. lediglich auf den Ehrgeiz» die Herrschsucht und den Eigennutz einiger ^Scribler" zurückführen. Sollte Herr Philippson wirklich so beschränkten Geistes fein, an die Wahrheit dieser feiner thörichten Behauptungen zu glauben? Die heilige Religion Israels, die schriftliche und die mündliche Lehre — unser höchster Schatz seit Jahrtausenden, unser Hort und unser Schutz in den Jahrhunderten des Elends und der Verfolgung — unsere heilige Religion ist in Gefahr, von den modernen „Judeu-Heideu" verwässert, vernichtet, in ihren Grundlagen erschüttert zu werden; wie ein junger Titan trat vor ungefähr 10 Jahren Herr Philippson auf. machte, sich zum Wortführer der Himmelsstürmer, berief Rabbinerversammlungen und Synoden, kämpfte unablässig gegen Gott und Seine heilige Lehre, beschimpfte, verlästerte, verleumdete die Vertreter deö wochrh asten JudenthumS, die edelsten Männer in Israel — und nunmehr, nachdem ausdem jungen Titan, ein altersschwacher Greis geworden, sieht er, daß er vergeblich gelebt. daß das Wort unseres Gottes alleu Angriffen widersteht, daß die sogenannte Reform geistigen Banquerott gemacht und keinen Boden mehr hat im Volke Israel, daß tugendkräftige und muthige Kämpfer erstanden und täglich erstehen für unsere Heiligthümer, daß das Feld der jüdischen Journalistik, welches. PH. allein gepachtet zu haben vermeinte, aufgchhrt hat, Domäne der Reform zu sein, ja, sagen wir es offen heraus, daß der „Israelit" in fast dreimal größerer Auflage erscheint als die „all-gemeine". Durch diese Erwägungen wird unS daö Rumoren der ohnmächtigen Wuth des Herrn Ph. erklärlich erscheinen. Armer, armer Philippson! ES muß ein sckmerzliches Gefühl sein, auf ein verfehltes Leben voll vergeblicher Anstrengungen zurückzuschauen! Vor zwanzig Jahren stand Herr Ph. auf dem Gipfelpunkte seiner Macht. Niemand wagte gegen den gestrengen Herrn Hand oder Fuß zu erheben; die Orthodoxie war mundtodt und mußte sich Alles, AlleS gefallen lassen. HerrPh. geberdete sich als unumschränkter Herrscher in judaicis, und die blöde Menge seiner Anhänger und Nachbeter hielt ihn sogar — horribilö dictu — für einen jüdischen Gelehrten. Wie ist doch das so ganz anders geworden! „Wie bist du doch vom Himmel gefallen, du glänzender Morgenstern!" Die ganze Weit weiß jetzt, daß Herr Ph. nur ein Am Haaraz ist; seine Richtung ist von aller Welt verurtheilt, seine Schöpfungen sind in sich zerfallen, die Rabbinerversammlungen sind zum Hohn und Gelächter geworden, zur Münchener Synode haben sich nur acht Rabbinen gemeldet,*) und die „all-gemeine" hat zwar nicht aufgehort, gemein zu sein, findet aber nur noch wenige Leser. Und wer trägt die Schuld an dem Allem? Doch Niemand anders als die „orthodoxen Scribler", deren Triebfedern nach Herrn Ph.'s Behauptung nichts als Ehrgeiz, Herrschsucht und Gewinnsucht sind, die rsichts wissen und nichts verstehen als gegen den armen Märtyrer, gegen den guten, bemitleidenswerthen Herrn Ph. zu schimpfen! Und Ph., der seit 34 Jahren die Orthodoxen unablässig verlästert und beschimpft , beklagst sich, vast man ihm die Wahrheit sagt? Machen wir nür eine kleine „Blumrnldse" auS einem seiner jüngsten „L e i davtikdl". „Die Orthodoxie," behauptet Herr Ph., „habe weder Geistesnoch Thatkraft, nichts Schaffendes und Treibendes, weder Religion noch Sittlichkeit!!" „Die Lehmanns, Hildesheimers u. s. w. haben gar nichts geleistet; sie seien verleumdende, verketzernde, verfolgende Menschen; sogar ihr Fanatismus sei erheuchelt, und entspringe lediglich aus persönlichen, eigennützigen Motiven. Und das sagt Herr Ph. nicht einmal/ daS wiederholt er mit andern Wendungen in einem Artikel bis zum Ueberdruß; er nennt uns Verleumder und vergißt ganz daran, daß er uns auf die schmählichste Weise verleumdet. *) Der unvermeidliche Adler in Cassel, Aub und Geiger in Berlin, Feilchenfeld in Kulm, Goloschmitt in Leipzig, Griinebaum in Landau , Wechsler in Oldenburg und Wiener in Oppeln — eine schöne Chabrußo! —