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Der Israelit · 1870-07-20 · Heft 29 (20.7.1870) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XI Jahrgang. M SS Der Israelit. Ein Kentrat - Hrgan für das orltjodore Iudentßum. Herausgegebm von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 20. Juli 5630 (1870). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestms 2 Sogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. E. oder fl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmm Bestellungen an. Inserate l*/2 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Francozusendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. E. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhattr Leitende Artikel: In ernster Zeit. — Die ohnmächtige Wuth der sogenannten Reform im Judenthum. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlm. Posen. — Oefterr.-Ung. Monarchie: Lemberg. Lemberg. Wiliczka. — Belgien: Brüssel. — -kentllrton: Säen und Ernten. Anhatt der Beilage: Leitend« ... Zeitungsnachricht«» und C »rresstondenzen: D eu tsch l and: Mainz.Breslau. — Oesterr.-Ung.Monarchie: Krakau. — Holland: Amsterdam. — England: London. London. — Türkei: Konftantinopel. — Asien: Damaskus. — Amerika: New-Uork. Bicksburg. — Afrika: Tunis. Marokko. — Egypten: Alexandrien. — Inhalt der pädagogische« Beilage: Erziehung, eine Kunst. — Pädagogische Prinzipen nach dem Talmud. — Correspondenzen: Württemberg. Aus Westphalen. Leitende Artikel. In ernster Aeit. Mainz, 18. Juli. Eine schwere, ernste Zeit! Während wir Dieses schreiben, hat vielleicht das Vorspiel des furchtbaren Drama's begonnen, das sich vorbereitet. Nach kaum vier Jahren der Ruhe und deS Friedens erfüllt wildes Kriegsgeschrei die Welt. Krieg! In der messianischen Zeit — verheißen unS die Propheten — werden umschmelzen die Völker ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Winzermessern, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen. Unsere hochgepriesene Cultur, unsere so weit vorgeschrittene Civilisalion hat eö noch nicht dahin gebracht, die entsetzlicke Barbarei des Krieges auS der Welt zu schaffen! Nichtiger Vorwände halber haben unsere westlichen Nachbarn Zustände Hervorgernfen, in welchen Hunderttausende unschuldiger Menschen, die sich einander nie beleidigt, ja, nie gesehen haben, den Mord als das höchste Ziel ihres StrebenS ansehen müssen! Wahrlich, das ist nicht Cultur, nicht Civilisation, nicht Sittlichkeit — daö ist Barbarei, entsetzliche Barbarei. In der That, die Welt ist noch nicht erlöst; sie harrt der Erlösung noch entgegen. Je feiner, je entwickelter unsere Culturzustände sind, je enger durch den regen und schnellen Verkehr die Nationeit mit einander vereint, desto tiefer und schmerzlicher wird jede gewaltsame Störung empfunden. Flehen wir zu Gott, daß das drohende Gewitter noch vorüberziehe, daß es sich nicht über unfern Häuptern entlade! ' Wir hier, inmitten des kriegerischen Getümmel-, haben bereits herzzerreißende Scenen geschaut, haben schon gesehen, wie die geliebten Kinder sich losreißen mußten tzom Herzen der theuren Eltern, wie die arme Wittwe den erwachsenen Söhnen, ihren und der kleineren Kinder Stützen, nachweint; doch was fragt der Chauvinismus nach dem Elende der Mitmenschen? Nein, nicht die Cultur, nicht-bie Civilisation können uns das Heil bringen; sie gebären den Chauvinismus, sie verfeinern Sünde und Laster, und die

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