Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1870)
- Date
- 1870-07-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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531 »och braucht er auf die Kritik Unberufener zu achten. Nur darf ich die Thatsache nicht verschwei- 8««, daß sowohl Mlern als Kinder erwartungsvoll fernen Vorträgen entgegenharrten, in vollster Befriedigung und gehobener Stimmung von denselben gingen. Das ist die beste Kritik, der richtigste Maßstab zur Beurtheilung seiner Borixäge. Nach Dr. Kämpf sprachen bis jetzt Herr L. Wolf und Herr Dr. Tauber. Letzterer ist seit einem Jahre Prediger in der Neusynagoge. Von diesem jungen Manne verspricht sich die hiesige Gemeinde sehr viel; sie erwartet von ihm, daß er sich mit der Zeit nicht nur zu einem tüchtigen Kanzelretner sondern auch zu einem gelehrten Talmudisten heranbilden wird. Seine Freunde rufen ihm mit ganzem Herzem zu no*x "Ot 33"n r£>». Bl. FÄrrfkirche«. In Bezug auf die Taufe eines Jüdischen Mädchens im hiesigen Spitale bringt die „Fünfkirchver Zeitung" in ihrer Nr. 13 unter der Überschrift „Seelensang" Folgende-: „Die Kunde von diesem hier unerhörter. Falle veranlaßte uns zu einem Besuche im Spital, um theils von den grauen Schwestern, theils vom Spitalarzte über das Vorgefallene Aufschluß zu erlangen. Auf unsere Frage nach der Patientin und nach ihrem Schicksale sagte Schwester Anna mit gefalteten Händen: Die ist schon im Himmel . . . und der Cpitalarzt äußerte, daß die Gelauste schon seit mehr als 8 Tagen im bewußtlosen Zustande sich befand. Vor 2 Tagen hätte er eine Bewegung ihrer Lippen wahrgenommen. Er näherte sich und will das Wort „taufen" gehört habe. Diese Aeußerung des Mädchens schien ihm jedoch mit ihrem Vorleben d. h. mit der an den Tag gelegten Zuneigung zu ihren Glaubensgenossen in solchem Widerspruche, daß er der anwesenden Schwester, die unverkennbare Maßnahmen zur Tanfe traf, rieth, sie möge die Taufe verschieben. Kaum aber hatte sich der Spitalarzl entfernt, so erschien ein benachbarter Franziskanermönch, und unter dem Vorwände, daß er alle Verantwortlichkeit übernehme, vollzog er an der Sterbenden den Akt der Taufe. Der Vorsteher des iSr. Kranken- und Leichenvereines tegab sich sogleich, nachdem er diese Nachricht erfuhr, zum Bürgermeister, welcher eine Untersuchung der Angelegenheit anberaumte, die auch Frei ag im Spital vorgenrumkn wurde. DaS ist der Verlauf der Thatsache. Wir stellen uns auf keinen religiösen, sondern auf den allgemein menschlichen Standpunkt. Es ist uns nicht darum zu thun, irgend eire Seele einer Confession retten zu wollen. Aber eben vom allgemein menschlichen Standpunkte aus fragen wir: Mit welchem Rechte hat man an der Verstorbenen den Taufakt dorgenommen? Warum hat man es Unterlasten, da man doch gewußt hat, daß die Kranke der iSr. Religio» angehört, den iSr. Seelsorger uu ihr Bett zu rufen? — Der Spezialarzt will von den Lippen der Verstorbenen das Wort: „taufen" gehört haben. Zugestanden. Bei dem Umstande jedoch, daß die Kranke, an Körper und Seele schwach, seit 8 Tagen kein Wort über ihre Lippen brachte, so konnte sie mit diesem einen Worte, welches sie aus gepreßter Brust hervorbrachte, dem Doktor gegenüber, die Furcht vor dem Taufakte auSdrücken. Wir sind zu dieser Annahme um so berechtigter, als wir im Besitze zweier Zeugenaussagen sind, die von ähnlichen dort beabsichtigten Taufexperimenten erzählen! Wir haben aber noch einen andren Gesichtspunkt ins Auge zu fasten. Diese der persönlichen Freiheit, wie den Staats gesetzen hohnsprechende Verletzung der Gewisten ist nicht in irgend einem dem gewöhnlichen Menschen unzugänglichen Kloster vollzogen worden, sondern in einem Spitale,welches „Allgem.KrankenhauS" heißt, in einer Stadt, die durch ihre neugeschaffenen Institutionen die vollständige Gleichheit der Kulte nicht nur theoretisch anerkennt, sondern auch praktisch bethätigt. Ein Spital ist eine humanitäre Anstalt, in welcher der Kranke Genesung des Leibes und Ruhe der Seele finden soll. Wenn dem Körper Pflege zu Theil wird, so soll der Seele der Friede nicht entzogen werden. Was soll man aber dazu sagen, wenn in einem Spitale, dem Asyle der leidenden Menschheit, eine Parforcejagd auf Seelen arrangirt wird? Für sein Seelenheil ist jeder Mensch allein verantwortlich. Bevormundung ist hier am Allerwenigsten am Platze, daher müssen alle Bewohner der Stadt darauf bringen, dyß ähnlicher Unfug in unseren Mauern nicht geduldet und daß überhaupt unser Spital des konfessionellen Charakters entkleidet werde." Stanislau Das Vorspiel deS Dramas der Astentirungsgefchichte in Stanislau hat am 24 v. M. sein Ende erreicht, indem sowohl der Herr Statthaltereirath a's auch der Herr Auditor Stanislau verlassen haben. Nachdem sich alle Angaben des Denunicanten Nuchim Karmeliu durch die von der Regierung zur Untersuchung eingesetzte strenge gemischte „militärisch-politische Untersuchungs-Kommission" als vollkommen unwahr heraus gestellt haben, wollte die UntersuchungS-Commission durch Vornahme des Augenscheines sich die weitere Ueberzeugung über die falschen Angaben verschossen und forderte hiezu alle die auS den früheren Astentjahren bezeichnettn Personen auf, welche von Karmelin denuncirt waren, daß sie sich theilweise persönlich gar nie gestellt haben sollen, oder wieder andererseits durch Bestechung mit angeblichen Gebrechen als „kriegsdienstuntauglich" entlassen wurden. Die hiezu Aufgeforderten stellten sich freiwillig vor dieser Kommission. Die Regierung wird jetzt durch die Resultate der strengen und unparteiischen Untersuchungscommission die Ueberzeugung gewonnen haben, wie sehr die Behörden durch Karmelin hinter das Licht gejührt wurden und eS wird ersichtlich wer-