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Der Israelit · 1870-07-13 · Heft 28 (13.7.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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530 die er in den weitesten Kreisen aenessen, lecjt daS Wehklagen der V elen. als die Trauerkunde Berlin durchlief, daS unzweideutigste Zeugnis; ab, und an seinem Grabe standen viele Hunderte mit Thränen in dm Augen, ihm die letzte Ehre erweisend. Einen äußerst gewisienhastm, eifrigen und kenntnißieicken Lehrer hat das Judenthüm verloren, und ist die Lücke, die dadurch entstandm, fast unersetzbar! Meine Feder, kann unmöglich all* daS fchildem, was er gewesen und wie er gewesen! Mil ihm ist, wie Dr. H. treffend sagte, einer der Letzten auS jener ulten, glücklichen, leider vorübergegangenen Zeit von uns geschieden, die durch ihre Erscheinung schon daS wahre Judenthum documentirten. Möge sein Geist und alle beseelen, mögen wir die Thora Pflegen, wie '.er es so gerne gethan und möge die Erinnerung an ihn uns so aneifern, wie er es persönlich so gut im Stande gewesen. Sein Andenken wird Allen, die ihn gekannt, unvergeßlich bleiben. .. Dr. L. M. (Noch tief erschüttert von der Trauerkunde, die wir soeben unfern Lesern vvrgesührt, wagen wir es kaum, unserm innigen Schmerze Ausdruck zu geben. Bei unserer jüngsten Anwesenheit in Berlin galt dem theuren Lehrer unsir erster Besuch und wohnten wir noch se nem -ny# an, bei welchem er geistvoll und gediegen, wie in alten Zeiten, lehrte. Und nun ist er abberufen und hat uns trauernd und wehklagend zurückgelassen! pronvo ndi p-ojn by ban! Nur wer dielen auSge;eichne'en Mann, diesen großartigen )iüb näher kannte, wußte seinen großen Werth zu schätzen. Schon mußte ihn bei unserm jüngsten Besuche eine Ahnung des nahenden Endes erfaßt haben, denn er sprach sich in einer Weise aus, die ihm sonst fern lag. „Ich habe," sagte er zu uns, „meinm Lebens beruf darin gesucht, mit der Jugend zu „lernen," und diesen Beruf glaube ich getreulich erfüllt zu haben." Ja. er hat seinen Leb nSberuf erfüllt; denn die Meisten seiner zahlreichen Scküler leben und lehren in feinem Sinne; er ist demnach nicht gestorben; der Geist, der ihn beseelte, lebt und wirkt in seine» Schülern fort ns* men *ijj! Die Redaction.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Prag, im Juni. Es wurde unlängst in diesem Blatte über die unter der Oberleitung des vr. Kirschstein stehende R ligionssckmle in* Berlin berichtet. Es wurde da ein trauriges Bild entworfen von d r Wirksamkeit eines ReligionölehrerS, besten ganzes Streben dahin zielt, den kaum noch glimmenden GlaubenSfun- Ka im Herzen der ihm anvertrauten Zöglinge ganz zu ersticken, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Schüler dem Judenthume um jeden Preis zu entfremden, damit so in ihnen ein junge« Geschlecht Herauwachse, von dem der Prophet im Namen Gottes spricht: «Schaffet weg diese Schößlinge, de«» sie sind nicht des Ewigen." — Unwille und Unmuth regte sich in di.r Brust jedes nur etwas jüdisch denkenden LeserS, und er wird sich gewiß freuen, wenn er Berichte ans nicht minder großen Gemeinden lesen wird, die ihm die Gewißheit gewähren, daß eS anderswo besser ist,', daß noch sehr viele Pflanzstätten bestehen und neu gegründet werden, in denen die edelsten und segensreichsten Pflanzungen für die Zukunft blühen und gedeihen werden. — Ich bin nun in der Lage dem freundlichen Leser einen erfreulichen Gegensatz zu jenem trübseligen Berichte aus Berlin zu biete«. — ES besteht schon beinahe ein Jahr hier «it Verein zur Förderung und Verbreitung jüdischer Wiffenschaft unter dem Namen Aphike Jehuda. Nachdem nun nn Verlaufe des Winters wissenschaftliche Vorträge vor den Vereins Mitgliedern gehalte» worden waren, werden sie jetzt, im Sommer der Tendenz dieses Vereins gemäß vor der reisern Jugend gehalten- Welche Freude ist es zu sehen, wie die liebe Jugend schaarenweise heranströmt, den großen Saal vollständig füllt, in gemessener Haltung und in tiefster Stille dem beinahe zweistündigen Vorträge mit gespannter Aufmerksamkeit folgt, mit reger Theilnahme aus die Worte lauscht, die der Vortragende zur Beherzigung dem empfänglichen Sinn der jungen Zuhörer einschärfen möchte. Dieser Anblick erweckt in dem Mitauwesenden die Hoffnung, daß die Liebe und- Anhänglichkeit zur angestammten Religion, die Verehrung des in der Bibel und im Talmud niedergelegten GrttesworteS wieder allgemein verbreitet sein wird, daß die gute, alte Zeit doch wieder einmal, wenn auch in verjüngter Form wiederkommen wird, die den Ruf und den Ruhm der altehrwürdigen Gemeinde Prag begründet hatte. — Sowohl die jetzigen als die Vorträge im Wintercurse wurden von Herrn Professor Dr. Kämpf eröffnet. Er sprach zuerst in tief eindringender Weise über das „Synhedrium," zum Schluffe der Winterperiode behandelte er das gewicktige Thema „die Bibel und die Wissenschaft." Im Sommerkurie begann er „die Reihe mit seinem Vortrage über daS Manna." ES dürfte kaum ein Thema paffender zur Besprechung vor der studirenden Jngend sein, als eben dieses. Der Redner hielt mit der ganzen Macht seiner Rede, mit allem Aufwands scharfsinniger Beweise den Glauben an die in den Büchern MoseS rzählten Wunder aufrecht. ES ist bisher mit keinem Worte seiner Vorträge im Winterknrse erwähnt worden. Auch jetzt ist es meine Absicht nicht, mich lobend oder kritistrend über dieselben auszusprechen. Ein so hervorragender und allgemein auekkattüter Gelehrter wie Herr Prof. Dr. Kämpf bedarf weder fee« Lobes,

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