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Der Israelit · 1870-07-13 · Heft 28 (13.7.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 28 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 10. Juli. Schwer und schmerzlich ist die Pflicht, die mich dieses Mal veranlaßt, vor die Leser des „ Israelit" zu treten! Ich soll das Wirken dessen schildern, der mir im Liberi so lieb, so w.rth, so theuer gewesen! Mächtig zittert mir die Feder in der Hand, wenn ich bedenke, wen Israel verloren! Rabbi Michael Landsberger hat aus Erden seinen Pilgerlaus vollendet, und verwaist ist die Stätte, die er so lange inne gehabt! Rabbi ^>"rr"i den wir am jüngsten riDff Diy zu Grabe geleitet, war am noiD 1d04 in Berlin geboren und genoß im Hause sk'neS hochberühmten Vaters, des Dajan Rabbi Schemajah die sorgfältigste talmudische Erznhung, ohne daß dabei die weltliche vernachlässigt werden wäre. Durch seinen ausdauernden Fleiß, unterstützt von den besten Anlegen, wußte er sich schon früh den Ruf eines ddpi TD^n zn erwerben und brachte es so weit, daß er in seinem 19. Jahre beim Ableben seines Vaters dessen Nachfolger im «men rva wurde, wo er 46 Jahre Tag für Tag, umgeben von wffsenSdurstigen Schülern, pois: d"w vortrug. Sein Scharst sinn sowie seine gediegene Gründlichkeit, seine bingebende Liebe und Sorgfalt für seine Schüler machten ihn zum gesuchtesten Lehrer, und mit unbegrenzter Liebe und Achtung hingen seine zahlreichen Schüler an ihm. Er war es namentlich, der feit vielen, vielen Jahren fast allein in B. das Wort Gott.s so lehrte, wie es unsere Weisen unterrichtet wissen wollten, der einen Damm bildete gegenüber der kritiscden Wuth und dem modernen Titelblatt-Studium. Ernst, weder nach rechts noch nach links blickend, ging er ruhig seinen gewohnten Weg, du ch gewissenhafte Tho raverbreitung Jrrthum und Unglaube zu bannen, und ist von ihm in Wahrheit nachzurühmen, daß an seinen Sckülern der Lehrer erkannt werden kann. Fast alle seine dtb^h, und sie zählen wohl nach Hunderten *), sind treu geblieben dem GotteSgesetze und sehr viele *) Wir wollen nur einige, wie sie uns gerade einfallen, nennen: Dr. Hildesheimer in Berlin, Dr. Nathan in Hamburg, Dr. Feilchenfeld in Düffeldorf, Dr. Lehmann in Mamz, Dr Löwenthal in Lemberg, Hirsch in Mainstockheim , Dr. Sulzbach in Frankfurt a M., Dr. Werner in Frankfurt a. M, Dr. Au.rbach in Fürth, Dr Sternheim in Berlin. Goldfckmidt in Glogau, Dr. Popellauer in Berlin, Dr. Eohn in Nackel, Dr.Eahn in Wiesbaden u. s. w, u. s. w., u. f. w. sind Rabbiner und Lehrer in JiS"ael geworden. Wie wird es sie schmerzen bei der Kunde vom Ableven deS so innig geliebten LrhrerS! Ja, er war nicht nur unser L hrer, er war unser Freund, Ratbgeber und Vater! Sanften GemütheS war er stets ängstlich, wenn er während seiner Vorträge auf eine an ihn gestellte ungehörig- Frage eine zu strenge Rüge gegeben haben sollte, und beeilte er sick soiort. die vermeintliche Beleidigung zurückzunehmen. Mit seinem großen tolmudischen Wissen verband er eine seltene Bescheidenheit, die sogar so weit ging, daß er selbst Idioten gegenüber f* ine Ansicht nicht als maßgebend binstellte. An leinen Mitmenschen ichätzte er nichts mehr als die Anerkennun der Wahrheit, und versteht eS sich von selbst, daß er ein rrwn by mio sondergleichen war. Daraus erklärt sich auch sein großer Widerwille gegen daS hohle Phrasenthum und gegen die Gelehrtthuerei; aber nachsichtig und zuvorkommend war er, wo er ernstl cheS Streben nach Wissen gewährte. Seine Schüler waren seine einzige Freude im Leben, und wie war er entzückt, als er seinen Schüler, vr. Hildesheimer, in Berlin als Collegen begrüßen konnte! Treffend hob dieser, tiefergriffen von dem so unerwartet scl neven*) Hingänge d^S >"rr"r pnst, in seinem iLO.i die Mischna, die gerade für ihn geschrieben zu sein scheint, hervor: D'TD^n rreym fna d’Jtio?in mint> j»d new!mi, die er so buchstäblich er'üllt habe! Wer har je über eine Person ein absprechendes Urtheil von ibm gehört, wer bätte es je wagen dürfen, in stiner Gegenwart einer» Menschen zu verkleinern? Still und bescheiden, ohne in das öffentliche Leben tbai'ächlich einzugreifen war seine Person schon ein Protest gegen all' das, was das 19. Iah'hundert in B. Antijüdisches geschaffen. Seine Gtwiffenbaftigkeit grenzte fast an Aeng flüchtest; sein Leben lang gab er keinem Schüler eine n"n, ja Alle erhielren, um keinem wehe zu thun, fast wörtlich dasselbe Zeugniß; nie hat er einen jh auswendig gepasilent und zu jr-der Kleinigkeit den yuw zur Hand genommen, und als ihm noch dem Tode des Rabbi Elchanan von der Gemeinde dessen Stelle angetragen wurde, wies er sie mit dem Bemerken zurück, daß er zu schwach sei, ein so wichtiges Amt zu bekleiden. Wie er als Lehrer nur seiner Schüler wegen lernte, in seinen Schülern aufging, so war er auch in der Fannlie ein innig liebender, ängstlich besorgter Gatte und Vater. Von der Achtung und Verehrung, *) Obwohl schon seit 3 Monaten leidend und seit vielen Jahren schwächlich, war er in den letzten >4 Tagen viel wohler und nur einen Tag an daS Lager gefeffelt.

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