Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1870)
- Date
- 1870-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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525 treu diesen Glauben bewahren, daß das Iubenthum in der mündlichen und schriftlichenTradition wurzele, daß jedes vermeintlich wissenschaftliche Resultat, das gegen Inhalt und Geist derselben verstößt, nicht richtig sein könne, oder wenigstens von einem wahren Juden a!S ein ihm unverständliches betrachtet werden müsse, daß treues Festhalten an diesen Grundpfeilern des Iudenthums — und nicht das, waS man heute alles Wissenschaft zu nennen beliebt — unseren Ahn n „Kraft zur Ausdauer" gegeben. Oder sollte etwa mit der „Wissenschaft" Grätz'sche freie Geschichtsforschung gemeint sein, in welcher eben jener Grundpfeiler unseres Glaubens umgehauen und „Tradition" gleichbedeutend ist mit „zeitlicher Entwicklung"? Das Seminar, an dem solche Forschung gelehrt wird, ist ja der Boden, „dem der Verein entwachsen". Neben der erwähnten kritischen Arbeit des H. vr Güdemann und dem vortrefflichen Vortrag des H. vr. Frankel über Talmudstudium sowie der (in manchen P inkten ungenauen) Abhandlung von vr. Zuckermandl über rn’’>3 und der trefflichen Rede des H. vr. Freudenthal hat die Welt bis jetzt Nichts von dem Verein zu hören bekommen, trotz der relativ großen Zahl seiner Mitglied r. Doch ich vergpsse ja Grätz's Vorschlag zur Abschaffung der ruvu!! Der Anfang macht etwas bedenklich. Vielleicht wird'S in Zukunft besser. „Der Verein zählt noch nicht nach Decennien." (Schluß folgt.) Altona, im Juni. Eine großartige Schenkung gedenkt Herr Benjamin Leja, der Gründer des Leja-Stifts, der Stadt Altona zuzuwenden, indem er ein Capital von etwa einer halben M llion Mark ausgesetzt hat, aus dessen Zinsen ein dem genannten Stift ähnliches Gebäude mit Freiwohnungen für 50 Bewohner, ohne Unterschied der Confession, errichtet werden soll. Nach der Vollendung des Baues di ses Stiftes wird dasselbe, ebenfalls aus den Zinsen dieses Capitals, mit einem Capital von 50,000 Mk. fundirt werden, aus dessen Zinsen die Unterhaltungskosten, Gehalte rc. bestritten werden sollen. Die ferneren jährlichen Renten des Stammeapitals sollen sodann sicher belegt werden, bis die Zinsen und Zinseszinsen die Errichtung einer Bau- und Gewerbeschule gestatten, in welcher unbemittelte, strebsame junge Leute, ohne Rücksicht auf die Confession, sich unentgeltlich für ihren Beruf ausbilden können. Von da ab soll der Zinsertrag in 5 gleiche Theile getheilt und zu Vö an die Bewohner der beiden Leja - Stifte vertbeilt, zu 2/5 bedürftigen Einwohnern Altona's als Miethunterstützung verabreicht und zu 2/s sicher belegt werden, um ein Capital an;"samm-'ln, aus welchem die jedesmalige Administration der Leja-Stiftung gemeinnützige Anstalten in Altona errichten darf. I Aus Altona. Herr Eduard S. Salomon, »n geborener Schleswiger, der während mehrerer Jahre in einem Altonaer Manufacturwaarengesch äff' als Commis beschädigt war, ging vor längeren Jahren nach den Vereinigten Staaten, wo er sich während des Bürgerkrieges sowohl in politischer als in militärischer Hinsicht auszeichiete und bis zum General avaneirte. Nach Beendigung des Krieges kehrte General Salomon nach d?m Staate Illinois zurück, wo er in Chicago semen Wohnsitz hatte. Als Anerkennung seiner vielen Verdienste hat Präsident Grant ihn zum Gouverneur des im Nordwesten der Bereinigten Staaten belegenen Territoriums Washington ernannt, und ward er von Freunden durch Uebergabe eines prachtvollen Geschenks vor seiner Abreise von Chicago geehrt. Das Geschenk bestand aus einem silbernen Thee- und Tafelservice in drei Etuis. Auf einer Silberplatte befindet sich auf dem oberen Deckel derselben die Inschrift: „Geschenkt dem General E. S. Salomon von seinen Freunden. Chicago, Jll., den 23. März 1870." Dresden, den 22. Juni. Bezugnehmend auf die in Ihrem geschätzten Blatte gebrachte Mitteilung, in Betreff des vom Gerichte Sohrau (Schlesien) nicht bestätigten Vormunds (Jude) für einen christlichen Knaben, theile ich Ihnen mit, daß Hrr Ferdinand Schie von hier seit 4 Jahren Vormund über einen christl. Knaben ist und daß s. Z. das Gericht, wohl wissend, daß derselbe Jude, nicht den geringsten Anstand nahm, ihn zu verpflichten und dieß in einem Lande, wo das Wort „Toleranz" noch nicht so lange bekannt als im Preußenlande. Viel hätte ich Ihnen von unseren Gemeideverhältnissen müzutheilen, leider aber Nichts als von Reformen und Reformen. So wird binnen kurzer Zit unser seit ca. 30Jihren bestehendes Gotteshaus durch eine „O 'gel" entweiht, welche von dem Gelde eines Legats eines vor ca. 2 Jahren verstorbenen Vorstehers , der dem Judenthum ferne stand, erbaut wird. Einige Männer, die es mit der Reliligion der Väter noch ern't meinen, traten zwar dagegen auf, um die Einführung derselben abzuwenden, ab^r was vermögen Weni-e gegen eine indifferente Gemeinde, was vermögen sie gegen die Reformwirthschaft eines Landau und Advocaten Lehmann! Ausführliches über unsere Gemeinde werde ich Ihnen nächstens mittheil'N, wenn Sie mir die Spalten Ihres Bla tes hierzu öffen wollen. (Recht gern. Die Red.) Oesterreichisch Ungarische Monarchie. Wien. (Erste iör.BlindenErziehungSanstalt.) Für dieselbe sind folgende weitere Beilage eingegangen: Von Sr. kais. Hoheit dem Erzherzog Albrecht 200 fl., von Herrn Moritz Pollak 200 fl. P. - R., von Herrn Moritz Hirschl 400 fl.