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Der Israelit · 1870-07-13 · Heft 28 (13.7.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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t feststehenden ,Herrn Oberrabbiner Stern, in bester | Ordnung; die Wohlthätigkeitsanstalten sind musterj hast; in den Synagogen wird ganz nach altem Her-! kommen aber mit Anstand, Würde und in bewundernd- > werther Andacht gebetet. Doch das Großartigste, was wir in Hamburg gesehen und bewundert haben, ist die Talmud Thora-Schule Neben der neuerbauten, prachtvollen Synagoge „auf den Kohlhöfen" erhebt sich ein schönes, luftiges, lichtvolles, geräumiges Gebäude, das eigens für diese Schule erbaut worden ist. Vierhundert Knaben werden hier in elf Klassen von tüchtigen, großentbeils akademisch gebildeten Lehrern unterricktet. Sechs Real- und drei Elementarklassen (zwei Klassen sind Parallel - Klassen) bilden diese K nder zu wahrhaften Juden und tüchtigen Menschen heran. Herr Oberrabbiner Stern, der Ephorus der Anstalt, und die wackeren Männer, die ihm bei der Leitung d r Schule zur Seite sieben, haben diese herrliche B ldungöstätte zu der gegenwärtigen, sich von Tag zu Tag noch steigernden Blüthe emporgehoben. Wir haben alle Klassen besucht und dem Unterrichte angewohnt. Das jüdische Wissen geht mit dem profanen Hand in Hand. Hebräiich Lesen, Gebete-Ueberfetzen, hebräische Grammatik, die Bibel mit'hren Commentaren, Mischnajoth und Gemara werden mit der größten Liebe und Sorgfalt unterrichtet; der Gemara- Unterricht beträgt für die oberen Klassen zehn bis zwölf Stunden wöchentlich. Ueber den profanen Unterricht brauchen wir wohl nicht mehr zu sagen, als daß die Anstalt den Anforderungen einer preußischen Realschule derart genügt, daß sie die Berechtigung für den freiwilligen einjährigen Militärdienst an ihre Abiturienten zu ertheilen befugt ist. Ursprünglich war die Talmud-Thora-Schule lediglich für die Kinder der Armen bestimmt. Das hat nun bereits seit einigen Jahren aufgehört. Auch Wohlhabende se> den jetzt ihre Kinder hinein und sind mit den Resultaten des Unterrichts sehr zufrieden; das gute Beispiel erweckt Nacheiferung, und so kömmt cs, daß das geräumige Schulhaus zu klein wird, daß neue Parallelklassen errichtet werden und daß noch ein Schulhaus gebaut werden muß. Es ist für das jüdische Herz eine unaussprechliche Freude, zu sehen, wie jüdische Knaben hier in den Geist unserer hei'igen Lehre eingeführt werden, wie sie Thora und Mizwoth kennen lernen, um dereinst als Männer darin zu leben und zu weben und das von den Vätern ererbte, kostbarste Gut wiederum auf ihre Kinder zu übertragen. Eine solche echt jüdische Freude ist so erhebend, daß sie kräftigend und belebend sortwirken muß. Würden allüberall solche Schulen gegründet, geleitet und sortentwickelt, wir dürsten getrost und beruhigt der zukommenden Zeit entgegenschauen. Die Adaß Iisrael in Merlin. Wir haben in dem vorstehenden Aufsatze die Eindrücke geschildert, welche die israel. Gemeinde zu Hamburg auf uns gemacht hat. Von der großen nordischen Handelsstadt begaben wir uns nach der Hauptstadt des norddeutschen Bundes, w lche täglich an Größe, Ausdehnung und Bedeutung gewinnt; und in demselben Maße wie Berlin wächst, vermehrt sich auch die israelitische Gemeinde dieser gewaltigen Stadt; denn Berlin, noch vor hundert Jahren eine Mittelstadt mit circa 1' 0,000 Einwohnern, darunter etwa 1"00 jüdische Seelen, zählt jetzt mehr als K)0,0 0 Einwohner, und die jüdische Seelenzahl beläuft sich auf ur'gefähr 30,000. Als der Herausgeber dieser Blätter in den Jahren 1852 bis 1854 in Berlin studirte, zählte Berlin 400,'>00 Einwohner und 13,000 jüdische Seelen. Die isr. Gemeinde daselbst erschien nach Außen hin eine conservative; das Rabbinat stand auf streng consrrvativem Standpunkte, und die Institutionen der Gemeinde: Schechitah re waren in best r Ordnung Im Innern dagegen sah es böse aus; die wahrhaft Frommen bildeten eine verschwindend kleine Minorität, denen Muth, Thatkraft und Eifer fehlten; es schien^ wie wenn das ganze Judenthum Berlins auf den Aussterbe Etat gesetzt war; man sah es schon damals kommen, daß, wenn die neue Synagoge, deren Bau damals projectirt war, vollendet sein würde, daß wenn einmal die ehrwürdigen Rabbinen in ein anderes Leben a berufen sein würden; daß dann die Gemeinde als solche nicht genug Lebenskraft besitzen möchte, um sich auf echt jüdischem Standpunkte zu behaupten. Und wie man es geahnt hatte, so ist es gekommen: rös ^rrn ppa, mit Aub sing man an und mit der Berufung von Geiger ward die iSr. Gemeinde zu Berlin auf den Gipfelpunkt der äußersten Reform gehoben oder vielmehr in den Abgrund mod rner Religionslosigkeit versenkt. Geiger, Abrabam Geige! Der Name allein sagt genug; seit fast vierzig Jahren marschirt dieser Mann an der Spitze der Zerstörer und Vernichter des Judenthums; unter dem Scheine der Wissenschaftlichkeit verbirgt sich bei diesem Manne die oberflächlichst' Combinations- und Hypothesen Reiterei, und nichts ist ihm heilig, weder die mündliche noch die schriftliche Lehre. Doch Gott sendet, nach dem Ausspruche der Weisen , st-'tS das Heilmittel vor der Wunde, und dieses Heilmittel ist für Berlin die Gründung der Adaß Jiöroel und die Berufung ihres Rabbiners, vr. Isr. Hildesheimer ’"j. Als wir im October vorigen Jahres Berlin besuchten, war die Adaß Jisroel erst erstanden; alle Verhältnisse waren noch neu; jetzt haben sie sich bereits unter göttlichem Beistände conso- 0

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