Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1870)
- Date
- 1870-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■HWW 'iödT -r* 50S DaL Bedenken oder die Drohung, die hierin ausgesprochen war, wurde schon seiner Zeit von dem Schreiber dcs Gegenwärtigen in diesen Blättern als ejn .Nebelbild ohne Kern und Inhalt nachgewiesen, und soweit bis jetzt die Erfahrung reicht, war meine Auffassung der „angedrohten Spaltung" (Iewish Times No. 20} eine richtige. Bald nach der Confererz hat man zwar uns zugerufen: Wohlan, ihr habt Beschlüsse gefaßt, ober eure Beschlüsse werdet ihr nimmer zur Ausführung bringen könne«. Mau wollte damit wohl das Unterlassen der förmlichen Lossagung von den Ketzern rechtfertigen. A ein die Beschlüsse werden ausgeführt. Ich selbst habe bereits vor der Conferenz einmal bei der Wiederverehelichung einer kinderlosen Wittwe, der keine Cbalizah gegeben worden war, sunctionirt. Ebenso vollzog ich zweimal die Trauung von Männern, die gerichtlich, von ihren.Frauen geschieden worden waren, ohne daß sie denselben rituellen Get gegeben hatten. Dieses ist nun allerdings talmudisch statthast. Denn sieht auch der auf talmudisckem Boden Stehende die blcß laydesgesetzlich geschiedene Frau immerhin noch als religiös-legale Frau des Mannes an, — wohlan, so ist ihm die neuaygetraute Gattin eine zweite Frau, und nach dem Talmud ist ja Polygamie vollkommen zulässig! Aber selbstv rständlich würde ich auch nicht anstehen, eventuell bei der Wiederverheiratbung einer von ihrem Manne gerichtlich geschiedenen Frau die Trauungshandlung vorzunehmen, auch wenn sie keinen Get von ihrem ersten Manne empfangen haben sollte. Ob ich jemals einen „Cohen" mit einer nach der Halachah ihm. verbotenen Frau getraut habe, weist ich nicht, da ich darnach niemals frage. Wie ich< so handeln auch, wie ich aus brieflichen , Mittheilungen weiß, andere meiner Cellegen und haben bereits so gehandelt. Unsere betreffenden Conferenzbeschlüffe sind nun vollkommen rwvd? rDt>n (I!!) geworden. Allein trotzdem entsteht keine Spaltung und erweitert sich keine Spaltung. Kein Rabbiner und keine Gemeindebehörde denkt hier zu Lande daran, Listen über sündhafte Ehebündniffe und über im Inrest erzeugte Personen anzufertigen; Niemand erläßt eine bezügliche öffentliche nron, Niemandem kommt es in den Sinn, der Vorschrift der Mischnah (Kidd. 4, 4) gerecht zu wer den und eventuell bis zum vierten, resp. fünften Glied der Ascendentm hinaus sich der makellosen Abstammung eines Mannes oder einer Frau zu vergewifferu. Durch die Ausführung unseres Getbesthluffes verstößt man auch nicht, „gegen die allgemein noch tief wurzelnde Ansicht, die der Wiederverheirathung eines bloß bürgerlich Geschiedenen einen Incest sieht." Für Amerika wenigstens ist diese Annahme ohne alle thatsächliche Begründung. Eine solche „allgemeine" Ansicht sst ganz und gar nicht vorhanden rmd findet man hier und da ja noch eine, solche Ansicht^ dann ist sie nicht „tief wurzelnd", sondern so abgefchwächt u»b verblaßt, daß man ohne alle praktische Bedenklichkeiten sie gänzlich unbeachtet laffeu kann. Man darf heute schon dreist anvehmen, daß unter 10 000 kaum einer eine sonst gute eheliche Partie darum ablehnen würde, weil die Mutter oder die Großmutter eine zweite Che eingegangen hatte, ohne daß ihrer laudeSgesetzl chen Scheidung noch ein HocuSpocus (!!!) von einem RabbinatSkvllegium nachfelgte. Eben so sehr darf man als sicher annehmen, daß unter den amerikanischen Rabbinern so wenig eigentliche Orthodoxie und rigoröser Sinn zu finden ist, daß wohl ker.ier derselben auf Grund eines Makels in der Abstammung hin Jemanden zu kopuliren Ansland nehmen würde. Aber gesetzt auch, es ließe sich ja irgend ein vbscurer und obscuranter Rabbiner in unserm Lande zu einer factischen Opposition gegen die Philadelphia Beschlüsse herbei, oder er proclamirte allein oder in Verbindung mit 2 oder 3 anderen dunkeln GestnnungSgenoffen eine Lossagung von den „Radikalreformern, die noch ärger' sind als die Karaim" — in GotteS Namen! Wir würden es in aller Gemüthsruhe und ohne alle Notiznahme geschehen lassen, wissend, daß darob keines Reformers Nachtruhe gestört würde. Selbst die ernstgemeinte und ernst ausgeführte Lossagung einiger Dutzend und sogar eiuiger hundert Leutchen würde uns gar nicht so „furchtbar" erscheinen, wie Herrn Faffel. Die Reformer sagen sich nicht von den Orthodoxen in dem Sinne los, daß sie jede Ehegemetnfchaft mit ihnen meiden wollen. Wenn aber umgekehrt eine Trennung der Orthodoxen von den Reformern in Scene gesetzt werden soll — gut! Wenn bb Orthodoxen es anshalten können, die Reformer können es. Chicago, den 3. Mai 1870. vr. B. Felfenthal." Sind die Eheverhältnffse in Amerika in der That so wie sie Herr Dr Felsenthal schildert, so wäre es dringend geboten, die ernstesten Maßregeln, zu ergreifen, um das traurigste Schisma zu verhüten, das irgendwie die Gemeinde Israels bedrohen konnte. Hört Ihr es, Männer in Israel,, denen noch Gottesfurcht im Herzen wohnt, wie Jene sich rühmen, daß sie dazu beitragen b"*) 'tOE^ DnjDD nnvjSv und daß in Amerika die Söhne und Töchter Israels bei einer etwaigen guten Partie sich über den "hd>k VS nntDD hinwegsetzen, daß man ein Schisma nicht fürchtet, und wenn ein solches eintreten sollte, man eS aushalten zu können glaubt! Die Zeiten vom „KebÄveib zu Gibeoh" sind leider wiedergekehrt, aber was sollen wir armen, in der Zerstreuung wohnenden Israeliten thun, um de« Unwesen zu steuern? Ja Amerika selbst scheint es. keine geeignete»