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Der Israelit · 1870-06-29 · Heft 26 (29.6.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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' H.Jahrgans- Beilage zu Rr. 26 des Israelit. AELtrmgSrraehriehte» ««- fortefpptu -enzeu. Deutschland. D««htHei« (bei WormS), 22. Juni. Vor 15 Jahren wurde die hiesige israelitische Gemeinde aus ScwitätSgründen angehalten, eine neue Synagoge zu Lauen. Die finanziellen Verhältnisse waren stdvck der Art, daß dies ohne eine Anleihe nicht auszuführen Hvar. Herr Florian Belmont in Alzey Übermächte der Gemeinde ein Darlehen von 1600 fi. zu dem niedern Zinsfuß von 2y2 pEt. nach 20 Jahren zehntelweise rückzahlbar. Nach dem im vorigen Monat erfolgten Tode des Herrn Belmont hat besten Schwiegersohn und Erbe Dr. Ludwig Bamberger in Mainz der Gemeinde das Darlehen nebst den rückständigen Zinsen geschenkt. Berlin, 21. Juni. Der Justizminister Leon- Hardt hat einen jüdischen Astestor zu einer Stadtrichtersteve verholfen. Es ist anzunehmen, daß der Fall uicht ein vereinzelter bleiben wird. Die übrigen RessvrtSchefS geben dem Beispiel des Justizministers nicht Folge, obwohl die Anstellung eines Juden zu einem StaatSamt nichts ist, was zu besonderm Lob Stoff bietet, weil die Verfassung ausdrücklich vorschreibt, daß die Anstellung im Staatsdienst unabhängig sein soll Don dem religiösen Bekenntniß. — Der erste jüdische Richter ist zum Entsetzen der „Kreuzpeilung" endlich eine Wahrheit geworden. Astrffor Dr. Rnbo, Privatboeent an der hiesigen Universität, ein Sohn des früheren SeeretärS der hiesigen israelitischen Gemeinde «nd als sehr tüchtiger Jurist bekannt, ist eS, der dieser Tage seine Erueuuung als Stadtrichter erhalten hat. — Wie es heißt, soll nunmehr auch Hr. LaSker nm den Ruhm firner lebenslänglichen Affefforschaft gebracht und noch vor den Wahlen als Richter angefiellt werden. äganw&tx* Im Junihefte seiner Monatschrift g&t Herr Dr. Grätz unter dem Titel „Analekten" ein Größeres Exrerpt aus einer Eorrespondenz der Leipziger Neuen Zeitungen <L «L1853 (?) (vermuthlich 1753) die sich ans den damals in Altona stattgehabten Amuletenstreit Bezieht. Die Eorrespondenz enthält nicht ein einziges Irgendwie bemerkeuSwertheS Moment für die Beurthei- Lung des Streites, eS ist eine ganz gewöhnlicheZeitungsnachricht, «nt der ein Altonaer Zeitungsschreiber die gelehrten Leser der „Leipziger Zeitungen" regalirl. Von Mtona datier hätte fie dem Inhalte nach ebenso gut «n jede» andren Orte geschrieben werden können, der dem ^Streite ganz sern stand. Ich weiß nicht, ob «einer l kürzlich edirten „Ehrenrettung des R. Jonatban Eibeschüh" die Ehre zu Theil geworden war, von Dr. Grätz einer Durchsicht gewürdigt zu werden. In diesem Falle wäre ich versucht so arrogant zu sein, die der Eorrespondenz vorangeschickten vielsagenden Worte: „Obgleich gegenwärtig die Akten als abgeschloffen betrachtet werden können"?c, als ein Zugeständniß und Bekenntniß zur Wahrheit meiner kritischen Widerlegung zu betrachten und anzunehmen, daß Dr. Grätz in dieser 3. christlichen Stimme einen Rettungsanker ergreifen wollte, der sich aber bei geringem Nachdenken kaum als ein schwacher Strohhalm erweist. Jndeß onck im andren Falle, in welchem Dr. Grätz in Anwendung der bequemsten Art der Vertheidigung meine Abhandlung vollkommen ignoriren würde, wird es mir gestattet sein, einige wenige Worte pro domo zu sagen. Es ist mir im Ernste gar nicht eingefallen, daß ein Historiker aus der flüchtigen EintagSliteratur der Zeitungen, „die der Geschichte, HalS, Arm und Beine knebeln oft in demselben Augenblick, wo die Begebenheit auS dem Schooße ihrer Ursachen hervorgeht" wirklich die Begründung seiner Ansicht entnehmen könnte, und ich habe daher die Hinweise auf die Correspondcnzen gar nicht berührt. Die „Analekten" belehren mich allerdings eines Andern. Diese Zeitungsstimmen seien „von der Parteileidenschast nicht affieirt" und ihr „Uriheil über den Streit" wäre daher nicht zu unterschätzen. Nehmen wir einmal mit Grätz an, die beregten Nachrichten entstammten einer christlichen Feder. Der Schreiber kannte den Gang des Streites entweder nur vom Hörensagen, dann war sein Gewährsmann ein Jude, ein Anhänger von Eibeschütz oder Emden, denn unparteiische Juden gab es damals in Altona-Hamburg gewiß uicht. Wo soll da die Unparteilichkeit Herkommen? Oder — und der stäche Inhalt scheint darauf hinzudeuten — hatte der Correspondenl nach Art des Alles wiffenden Skribenten selbst den Verlauf des Streites verfolgt, für dm er jedoch gerade so viel Verständniß haben konnte, wie, um mich eines landläufigen Ausdrucks zu bedienen — der Bauer vom Gurkensalat. Nur für den Verlauf des Streites sind die damaligen Zeitungm eine nicht unwichtige, wenn auch sehr vorsichtig zu benutzende Quelle; ein Uri heil über den Amuletenstreit darauverwerthen zu wollen, wäre ungefähr daffelbe, wie wenn man sich für die Entscheidung einer juristischen Streitfiage bei einer Gerberzeitung Rath holen wollte. Daß Jacob Emden allein über Eibeschütz dm Stab gebrechen, haben weder damals noch hmte die „Eibejchützianer" „glauben machm" wollen. Uebrigm» steht in den abgrdrucktm Correfpvndmzm kein Wort

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