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Der Israelit · 1870-06-29 · Heft 26 (29.6.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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487 Wie ich aus authentischer Quelle erfahre, beabsichtigt man, die Ihnen in meinem letzten Berichte namhaft gemachten Studenten zur Strafe für ihren Scherz (als einen solchen bezeichnet die inländische officielle Presse die jüngste hiesige Massacre) zur Vervollkommnung der Studien auf RegierungSkosten ins Ausland zu schicken. Eine herbe Strafe fürwahr! Zum warnenden Beispiele für sich erneuernde Exzesse. Spricht das nicht aller Civilifation Hohn? Und ein solcher Staat rxistirt im 19. Jahrhundert in Europa. Feuilleton. Säen «nd tzrnten. 2. Moderne Glückseligkeit. In dem palastähnlichen Hause des reichen Banquier Wolfsohn soll eine große Soirve gegeben werden. Die umfangreichsten Vorbereitungen werden getroffen. Im kleinen Salon ist die Tafel aufs Prachtvollste gedeckt; der erste Tafeldecker der Stadt, ein wahrer Künstler in seinem Fache, hat mit ebensoviel Geschmack wie Pracht Einrichtungen getroffen, welche das Auge entzücken; es war ihm hier um so leichter geworden, da das Wolfsohnffche Silbergeschirr das Kostbarste ist, was in irgend einem bürgerlichen Hause angetroffen wird. ,Im mittleren Salon sollten nach dem Souper lebende Bilder dargestellt und im großen Salon soll dann getanzt werden. Eine exquisite Gesellschaft wird erwartet; es sind nur wenige Juden geladen, nur die Spitzen der Börse, der Intelligenz und der Industrie; Herr Wolfsohn liebt es nicht, viel mit seinen Glaubensgenossen zu verkehren. Dagegen werden die Elite der „guten" Gesellschaft und die Heroen des geistigen Lebens der Stadt die Räume des Wolfsohn'schen Hauses zieren; ja, der Regierungspräsident Her Geheimrath v. Lüning, Excellenz, der General-Major Freiherr v. Schwertglanz, der reiche, elegante Baron von Kronenfels haben ihre Gegenwart zugesagt; der geniale Schriftsteller und Dichter Bruno Bürger, der geistreiche Redacteur der in B. beliebten Zeitung „der Fortschritt," wird sich einstellen; die berühmte Sängerin Gracia Pinaca wird singen und der große Claviervirtuose Carl Phlegma wird sie am Piano begleiten; der gefeierte Schauspieler Armand Isserlon hat es übernommen, die von Dilettanten darzustellenden lebenden Bilder zu arrangiren; es wird ein genußreicher Abend werden. Die Gattin Wolfsohns, Auguste, eine noch jugendliche Frau, hat Alles mit der größten Sorgfalt angeordnet. Jetzt überschaut sie das Ganze mit befriedigtem Blicke; die Arrangements laffen nichts zu wünschen übrig. Und doch ringt sich aus ihrem Busen ein leichter Seufzer los. Wem galt dieser SchmerzenSlaut? Auguste stammte aus einer kleinen Stadt der Provinz; ihre Eltern waren einfache, fromme, wohlhabende Leute gewesen und hatten ihrer Tochter eine sorgfältige Erziehung zu Theil werden laffen. Als Auguste sechzehn Jahre zählte, halte der junge, strebsame Wolfsohn um sie geworben und ihre Hand erhalten. Sie war dann ihrem Gatten nach B gefolgt, woselbst sich ihre Verhältnisse bald anders gestalten sollten. Wolfsohn war durch kühne, glückliche Spekulationen bald ungeheuer reich geworden und hielt es für angemeffen, ein großes HauS auszumachen. Wenn auch ihr Gatte den Sabbat nicht hielt und sich über das ganze jüdische Religionsgesetz hinwegsetzte, so hatte doch Auguste Anfangs Alles genau festgehalten, was sie bei ihrer Mutter vor sich gesehen; bald aber hatte Wolfsohn auch das nicht mehr geduldet, und seine Frau war viel zu schwach, um ihrem Gatten ernstlichen Widerstand entgegenzusetzen. Als Auguste alle die herrlichen Einrichtungen überschaute, konnte sie sich eines Seufzers nicht erwehren. Sie hätte gern all den Glanz hingegeben für den Frieden, die Ruhe und das Glück, das in dem Hause ihrer nunmehr verstorbenen Eltern gewohnt hattt. Sie war nicht glücklick, die reiche, vielbeneidete Frau. So reich mit irdischen Glücksgütern gesegnet und noch außerdem im Besitze zweier herrlicherblühender Kinder, eines Knaben von elf und eines Mädchens von zehn Jahren, erfüllte sie das rein sinnliche Streben ihres Mannes, das lediglich auf Erwerb und Genuß gerichtet war, mtt Widerwillen. Zwar suchte sie in einer ausgedehnten Wohlthätigkeit ein Aequivalent gegen die geistige und sittliche Leere des Hauses; allein dieselbe konnte ihr den Mangel alles religiösen Lebens nicht ersetzen. Dabei machte ihr die Zukunft ihrer Kinder, die vom Jüdisch-Religiösen gar nichts erfahren durften, die größte Sorge. All die tausend Gesetzesübertretungen, die sie sich nach dem Gebote ihres Mannes zu Schulden kommen ließ, erfüllten sie mit Gewissensbissen, von denen sie nichts verlauten lassen durfte; es war ein Leben voll Qual, ein glänzendes Elend. Auguste liebte zwar ihren Galten innig; aber auch diese Liebe wurde ihr zur Qual, da Wolfsohn bei seiner durchaus sinnlichen Natur ihr Grund genug zur Eifersucht gab. All diese Gedanken gingen Augusten durch den Kopf, als sie die Pracht und Herrlichkeit ihrer Gemächer überschaute und erpreßten ihr einen Seufzer; dann raffte sie sich empor, um einzeln Alles noch einmal zu prüfen, denn Wolssohn konnte ernstlich böse werden, wenn irgend Etwas fehlte. Und in der Thak* der große silberne Pokal stand noch nicht auf der

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