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Der Israelit · 1870-06-29 · Heft 26 (29.6.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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486 datz ein Vorsteher das Recht hat einen “D>d anzustellen, der ihm gut empfohlen ist oder verwandt ist, während Ihr wißt, daß Euer Oberrabbiner nur das Wort B'&tP ONd kennt und ausübt. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Prag. Die Erben des am 21. v. Mts. verftorbmen Herrn Moses von Portheim haben nachstehende Spenden gewidmet: der Josesstädter Kleinkinderbewahranftalt, deren Direktor und Gründer der Verstorbene durch eine lange Reihe von Jahren war, in .5 pCt. Papierrente 5000 st., der Smichover Kleintinderbewahranstalt 400 st., der Hradeker Kleinkinder- Lewahranstait 100 fl., jener von Maria de Victoria 100 st., dem Josesstädter Spital 300 st., dem Nächflenliebcverein 300 fl., den Elisabethinerinnen, dem Taubstuwmen-Jnstitut, dem Blinden-Jrstitut und dem Taussig'schen Vlinden-Jnstitut je 200 st., drei israelitischen HumanitätSanstalten 300 fl., dem Franz-Josef-Kinderspital 200 fl., dem Wöchnerinnenvcrein 100 st., für israelitische Waisenmädchm 200 st. und an den. Smichover Armenfond 300 fl. Zur Gründung eines Smichover israelitischen Armenfondes (in 5 pCt. Papierrente) 200 st. und den Smichover israelitischen Humanitätsanstalten 200 fl. Ferner zur jährlichen Vertheilung an Arme die Interessen von 5 pCt. Obligationen der Papierrente, und zwar 1200 st. in Obligationen für Prager israelitische Arme, 300. fl. für Smichover christliche Arme und 300 fl. für Smichover israelitische Arme. ' Karlsbad, 7. Juni. Bei Gelegenheit des UehÄetrittS eines jüdischen Mädchens zum KdtholizismuS wurden in der hiesigen Kirche judenfeindliche Reden gehalten, welche große Aufregung unter der Bevölkeruna hervorriefen. (Presse.i Fünfkirchen Die im allgemeinen Krankenhause in Fünfknchen getaufte Eleonora Hoffmann ist aller Anstrengungen der israelitischen Gemeinde zuwider nach katholischem Ritus begraben worden. Die seitens des städtischen Magistrates angeordnete Untersuchung der Angelegenheit ergab nämlich, daß die Kranke die Taufe freiwillig gewünscht habe. Nachdem aber seitens der israelitischen Gemeinde vorher schon eine Prvtocolls- und Zeugenaufnahme stattfand und daS Resultat derselben gerade das Gegentheil erhärten soll, so will, wie die Fünfkirchener Zeitung meldet, die Gemeinde ein Gesuch an das Ministerium um eine vorzunehmende Super-Untersuchung richten. Donaufürstenthümer. Boltrrfcharr, 13. Juni. Zur Ergänzung meines jüngsten Berichtes wöge noch Folgendes dienen. Als nämlich die Ruhe für den Moment hergestellt war, begab sich der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde zum Herrn Gene^alprokurator, um bei ihm über die den Israeliten widerfahrenen Mißhandlungen Beschwerde zu führen und für den erlittenen Schaden um Satisfaktion zu bitten. Aber der Regierungsrepräsentant verweigerte die Annahme der Petition und blieb taub für die Klagen der armen Juden, die unverrichteter Sache abzieben mußten. Dieser hohe Staatsbeamte hat nun unsere Stadt verlassen und die Nachkommen Stephans des Großen (Stephan Voda), wie sich die Rumänen in ihrem lächerlichen Stolze nennen, triumphiren ob der vollbrachten Heldenthat und scheuen sich nicht, mit weit ernsteren Judenhetzen, Ne demnächst in Scene gehen sollen, zu drohen. Das Bojarenthum, dessen größter Theil, nach Landessitte, sein Hab und Gut, theils am grünen Tisch, theils durch verschwenderisches Leben, verpraßt, schützt nun zur Vertheidigung seines Treibens, die katzenjämmerliche Furcht vor, die „lexrn äs jiäan" (Judenbrut) könnte ihnen über den Kopf wachsen. Die Heldensöhne Rumäniens wollen ein Privilegium haben, in Saus und Braus zu leben und die Juden um jeden Preis sich vom Halse zu schaffen, die unter solchen Umständen jeden Augenblick befürchten müssen, auf offener Straße angefallen und massacrirt zu werden, ohne daß ein Hahn darnach kräht. Das Militär ist bereits von hier abgezogen, trotzdem die Aussichten nicht sehr beruhigend sind. Die Gährung unter der christlichen Bevölkerung nimmt erschreckende Dimensionen an; die Aufwiegler ruhen nicht, gründen täglich neue Ccmite's, sammeln Unterschriften und dies nur zu dem einzigen Zwecke der „JudenarrHrottung." Auch..auf dem flachen Lande ergeht es den' Israeliten nicht besser wie in den Städten. Neue Judenaustreibungen aus den Dörfern wie unter dem Regime des Herrn Cogolnitscheano, judcnfresserischen Andenkens, stehen bevor. Daß die Wahlen zu den Judenhetzen, obwohl dieselben mehr politischer als religiöser Natur sind, in gar keinem Zusammenhänge stehen, beweist der ruhige Ablauf der ersteren hinlänglich. Klänge es nicht lächerlich, wenn man die rumänischen Juden, als an den Wahlumtrieben betheiligt, bezeichnen wollte? In einem Lande, wo die Juden weder politische noch Civilrechte genießen und wo sie wie die wilden Thiere gehetzt werden, könnte es ihnen in einem solchen Lande, frage ich, noch in den Sinn kommen, Politik zu machen? Der Sohn des Fiakerbesitzers S. G., der daS Verbrechen beging, feinen eigenen Vater ans den Händen der Verfolger retten zu wollen, büßt sein schweres Vergehen in rumänischen Kerkermanern ab; dagegen ist der Kaufmann T. R. bereits auf freien Fuß gesetzt. Mit schwerer Mühe nur gelang es, dessen Befreiung zu erwirken und an landesüblichem Bakjchifch (Trinkgeld) hat es bei dieser Gelegenheit. natürlich auch nicht gefehlt.

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