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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 20)
Language
German
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/ 478 entsprechen können. Sora«, de» 10t Juni 1870. König!. KreiSgericht. L Abtheilung." Donaulfürstenthümer. Bukarest. Am 28. Mai hatte der österreichischungarische Generalkonsul ZulaufzuBukarest eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Epureanu, deren Gegenstand die Iudenversolgnngen in Tel kutsch bildeten. Herr Epurearm gab — wie einem ungarischen Blatte geschrieben wird die berubigendsten Zusagen über die Energie, mit welcher die Regierung gegen die Urheber jener Exzesse Vorgehen und den beschädigten Juden zu ihrem Rechte verhelfen werde. Vierzig Rädelsführer stnd bereits verhaftet, der Primär abgesetzt. Herr Zulauf bemerkte nicht mit Unrecht, daß Europa das Vorgehen der fürstlichen Regierung in dieser Angelegenheit als «in Kriterium für die Äeurtheilung des neuen Ministeriums 'betrachten werde. So geschehen am 8. Mai. Am folgenden Tage aber wiederholten sich bekanntlich die Schanbthaten in Bottusch an. Mehrere Juden warben dort schwer verwundet, darunter auch der wohlhabende Fiakerbesitzer Herr Salomon Gugu, welch 'Letzterer ftinrn Wunden bereits erlegen sein dürste Dessen Sohn, der den alten Vater vertheidigen wollte, wurde »«haftet. Auch die löbliche Polizei hat mit Haud angelegt. Ein geachteter israelitischer Kaufmann, Namens I. Reicher, der es wagte, an den Herrn PÄizeiprLfecten C. Plaev d«-Frage zu richten, warum auch dieser selbst Steine iu die jüdischen Häuser werfe, wurde verhaftet. Der von Jassy hergekommene General-Prokurator hat zwar formell den Herrn Polizerprafekten seines Verhallens halber zur Rede gestellt, worauf der Hüter der öffentlichen Ruhe die kurze und bündige Antwort gab, er habe deßhalb den Pöbel mit Steinwerfen beschäftigt. um ihn vom Blutvergießen abzuhalten. (?) Per acclamationem wurde die Verteidigung des patriotischen Rumänen ausgenommen, und der Kaufmann verblieb in Haft, und dies darum, weil er das .gesagt, was ja der Herr Polizeipräfekt selbst zugestand. Don dem Bojarenthum sollen an dem Aufruhr die Herren Gebrüder Roset, Gebrüder Caruso, Advokat Miclesco u. A. Antheil genommen haben; auch Konrad de Scotto, Sohn des griechischen Konsuls, eines wahrhaft liberalen Mannes, bezeichnet man als betheiligt. Viele jüdische Familien verlassen di« Stadt und flüchten sich größtentheils in die nahegelegenen Städte der Bukowina, Czernowitz, Suczawa u. s. w., da man .für die bevorstehenden Psingstfeiertage ein« Wiederholung der Exzesse befürchtet, trotzdem einige Aufwieg- * ler verhaftet wurden. \ Das von J^ssy und Michaeleny herbeigeschaffte MNilitär hat vorläufig die Ordnung hergestebt; unter dem Volke iudeß gLhrt es fort und dt« Gründe sind keineswegs Religionshaß, sondern rein polittscher Natur. Die höhere Klasse der Christenheit hetzt direkt den Pöbel zu seinen Zwecken auf. Wie «eit es noch kommt, wissen die Götter. Türkei. Constanlinopel. Durch den schrecklichen Brand, welcher vor wenigen Wochen dahier einen ganzen Stabttheil in Asche gelegt hat, haben auch viele unserer Glaubensgenossen große« Schaden erlitten. Ebenso verbrannten zwei Gebethäuser; doch konnten die Thorarollen noch gerettet werden. (Ihr. An.) England. London, 6. Juni. Die rumänische StaatSeisenbahn-Anleihe im Betrage von sechs Millionen SilbergUlden, wurde seit ihrem Auftreten mit 1—l*/a Pfd. St. Prämie gehandelt, wurde auch mäßig überzeichnet, würde aber einen ungleich größeren Erfolg gehabt haben. wenn nicht Glyn und Comp, welche fich im Prospekte als Contrahenteu präseMrten, am zweiten Zeichnungstage erklärt hätten, daß sie bloS als Agenten für die Pariser Sociötö Financivre stguriren. Weßhalb sie die« Ihaten, ist noch nicht genügend aufgeklärt; daß fie es aber Ihaten und damit ihren eigenen Prospekt dementirten, wird ihnen vielfach recht übel gedeutet und hat der Anleihe entschieden geschadet. Ebenso viel, wenn nicht mehr noch, schadete ihr der offene, unverboleue Widerstand, den ihr die vornehmsten unserer jüdischen Häuser entgegensetzten. „Wir betheiligen uns nicht an der Anleihe eines Landes, in dem unsere Glaubensgenoffen zu Tode gehcht werden, wie im rohen Mittelalter," so erklärten viele derselben. „Wir weisen nicht nur jede Betheiligung bei dieser Anleihe, sondern auch fernerhin jedes Geschäft in rumänischen Papieren von unS," so erklärten Andere. Die Anleihe war dadurch geschädigt, das Judenthum aber hat wieder einmal bewiesen, daß ihm seine Race doch noch höher steht, als daS 'l/g-Princip. Auf die rumänische Anleihe folgte die fünfprocentige spanische im Betrage von 23,181,000 Silbergulden, emittirt durch Rothschild, garantirt durch die Quecksilberminen von Almaden und zufolge ihres Emissionspreises (80) und Tilgungsplanes einen Zinsenertrag von ungefähr 6 V2 Procent verheißend. Da Spanien sich von der Mode der Judeuhetzen seit lange loögefagt hat, kamen nufere jüdischen Firmen der neuen Anleihe mit viel wohlwollenderen Gefühlen entgegen, als der rumänischen, und es geschah daS Unerhörte, daß in zwei Stunden die ganze Anleihe vielfach überzeichnet und Rothschild ansverkauft war, wie eine anziehende Theater Vorstellung. Seitdem hielt sich fünfprocentige spanische Anleihe, die gerade so hoch wie

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