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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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472 unserer Mitte dahin zu schicken, uns bemüßigt finden sollten. „l'D'pno nP «>Py nVdP’nt toby Py D’am yj trParv« w'PsrvN" „Der Stamm mutz sich der Blätter erbarmen; denn wären nicht die Blätter, so würde auch nicht der Stamm bestehen." Ta mud Chulin. „Wohlthun ist das Salz der Glücksgüter!" Talmud Keruboth. „npns poo nPo" pm par tvPu rra» Po’rt ’y-c nowo xoyo N2 v'Pi nn* pnP onDri »pou Pe^" „Warum richtet sich das Füßchen von dem Buchstaben Gimel (Radix Poi wohlthun) zu dem Buchstaben Dalith (Radix Pi arm) hin? Weil die wahren Wohlthäter immerhin den Armen nachlaufen." Talmud Schabbath. Leonard Müller. Berlin, 14. Sivan 5630. Die gesetzestreue neugebildete Gemeinde, Adaß Jisroel hat jetzt ihr Provisorium verlassen. Gestern wurden die Ergänzungswahlen der verschiedenen Vertretungskörper beendigt und zwar in einer für uns sehr befriedigenden Weise. Die Wahlagitationen waren sehr lebhaft, und zeugt das für das rege Interesse, das die Gemeindemitglieder beseelt. — Unsere Gemeinde geht nun einer neuen wichtigen Entwicklungsphase entgegen und ist es von größter Tragweite, daß sich Alles nach Wunsch realisire. ES lag genern, während der Wahl ein Schriftstück zur Unterschrift auf, das von dem kgl. Staatsministerium das CorporationS Recht für die 'öobm my verlangt Die P tition hat unseren Hrn. Rabbiner zum Verfasser und setzt dieselbe in kurzer, klarer Weise die Sachlage auseinander, zeigt, wie die Verhältnisse fast unentwirrbar sich gestaltet. Die Haupt-Gemeinde ist in Wahrheit die neue, die dissentirenden und wir, die Gesetzestreuen, bilden de facto und de jure die alte jüdische Gemeinde. Die Gegner freilich möchten das Gegentbeil bew isen. Die Petition trägt schon sehr zahlreiche Unterschriften, und constatiren wir mit Freuden die allgemeine Theilnahme, die man dieser wichtiaen Angelegenheit widmet. — Hierin findet freilich auch wieder — bei den hiesigen sogenannten Orthodoxen — ein Auseinandergehen statt. Die Einen wollen einfach um Aufhebung des Judengesetzes von 1847 petitioniren und tragen viel Gelüste nach eigener W ise-sich ui organisiren, weil ihn n die my benv' zu rigo, os und nicht ganz zeitgemäß sei! Die Anderen alleroings schließen sich den Bestrebungen der Adaß-Jisroel an. Wir haben in dies-n sehr gesch. Blättern schon oft und in eindringlicher Weise unsere Stimme in Betreff der Berl ner j'»d. Verhältnisse erhoben und stets mit aller uns zu Gebote stehenden Energie gegen die Halbh it und Compromißprojekte gesprochen. Wir wiederholen eS auch heute wieder! Wollen wir in Wahrheit der guten Sache unsere Hand bieten, wollen wir als Söhne Jakobs, auch Söhne Jisroels, Gotteskämpfer, sein — dann fort, weit fort allen und jeden Compromiß. Unsere Satzungen stünden auf schlechtem Boden, dürften, könnten wir auch nur ein Titelchen preisgeben.*) Aber da gibt es Halbgebildete, gibt es Leute, die da glauben, weil sie nothdürftig ein vus oder ein Eapitel aus dem verstehen, sie dürsten sich zu Richtern in Sachen unserer hl. Religion aufwerfen; und diesen Männern — sie machen, weil die große Menge sie für gelehrt, urtheilöfähig hält, die öffentliche Meinung — diesen Leuten eine gesunde Ansicht, die vor dem Tribunale des Rechts und der Wahrheit Stand hält, bei- | zubringen, ist eine gigantische Arbeit. Warum? Sie wollen die Wahrheit nicht hören. Immer und immer schwärmen diese Guten dafür, Allen eine seligmachende Kirche bieten zu können. Ja, könnten wir diese« leisten, wir wären nicht die Letzten, die Wirren auf die rechte Bahn zu führen. Aber wir geben uns keiner Täuschung mehr hin. Die letzten Dezennien haben uns gründlich belehrt. Wir rechnen nun nur noch mit gleichnamigen Fak'oren. Für die ern st lich Gesetzestreuen — nicht für die Halben, Mantelhängerfabrikanten — gibt eS kein anderes Mittel mehr, als fest und ernst, ohne auf die RechnungSträger zu hören, im Sinne und Geiste unserer geofftnbarten Religion unsere Selbstständigkeit zu erhalten und zu erringen, unsere Institutionen streng nach den jüdischen Gesetzen zu regeln trotz Kampf, Verkennung und — Anfeindungen noyn pND hon Berlin, 14. Sivan 5630. Aus sicherer Quell! erfahren wir, daß die Adaß JiSroel jetzt ernstlich eine Synagoge bauen will und bereits zu diesem Zwecke I8u00 Thlr. von Gemeinvemitqliedern gezeichnet sind. ES ist mit Recht anzunehmen, daß die Summe bald die 2 ja 3 fache Höhe erreicht haben wird. Gleichzeitig hören wir, daß ein hochherziger Wohltbäter der Gemeinde 60,000 Thlr. zur Gründung einer AlterversorgungSanstalt zu schenken beabsichtigt. Mögen viele Nachahmer folaen. Sohrau o/S. Im Gemeindeleben ist mancher Zeitpunkt genau wahrzunehmen, manche Stunde als hochwichtig zu halten und dies besonders bei der Wahl der Gemeinde-„Vertreter." Diesen wird alle Macht in die Hände gelegt, sie sind eS, die uns Rabbiner und Lehrer anstellen. Oft wird Ach 'und Weh hernach geschrien, aber dann ist eS zu spät. Wie gering *) Anmerk, des Corresp. Die Corresp. der jüngst Nr. d. Bl. aus Hannover zeigt wieder recht drastisch, was Alles versucht wird, um immer nur ja recht gefällig zu sein! Alles zum Preise uud zur Ehre Gottes! h djj ob»? dhot! Sirfch's ausgezeichnete Worte legten die ganze Blöße der alben dar und hoffen wir, daß alle Orthodoxen der Gemeinde sich der Sache annehmen und sich nicht Gottesdienst dictiren lassen. l

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