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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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471 Ikr 'das Gesetz von den Wahlberechtigten nicht, wie es 'rein sollte, Legitimationskarten abverlangt. Zkach den cnciiUvenbcu Gerüchten erwartet man für die nächsten Tage eine Erneuerung der Unruhen. Sämmtliche Tnippen sind consignirt. Mit dem 6m 10. Juni in Giurgevo gelandeten Dampfschiffe fmnen wie denl „Tgb." telegraphirt wird, Zwei österreichische Israeliten, Namens Weiß linö Ai scher an, welche die rumänische Behörde sofort verhaftete, weil den „Vagabunden und Juden" der Einlaß in Rumänien verwehrt ist. Nachdem der österreichische Generalkonsul Zulauf Derreist ist, nahm sich der französische Konsul der beiden Israeliten auf das Energischeste an; er drohte mit cimenr allgemeinen europäischen Proteste und verlangte für die Reisenden vollste Satisfaktion und eine Entschädigung von 1600 Francs. Beides wurde in der Lhat geleistet. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. August Frankl. Eri ab?n ist die Idee und unerschöpflich deren Quelle. Wenn unsere bisherigen Unglücklichen nicht ganz von den Wohllöaten der Natur ausgeschlossen sein wollten, waren sie gezwungen an den christlichen BlindemErziebungö - Anstalten Theil zu nebmen, blieben jedoch von einer jüdisch religiösen Erziehung ausgeschlossen, betheiligtkn sich am christlichen Religionsunterrichte, wodurch die Keime des Judentbums erstickt, das Christenthum ans Kosten d.s Judenthnms entfaltet, das jüdische Bewußtsein verdrängt oder ein Zwittergeschopf berangebiloet wurde. Die hebräische Sprache blieb dem Unglücklichen fremd, jüdische Gebete außer Ahnung, jüdischer Gebräuche unbewußt genoß er unjüdische Kost und ist ihm die Weihe des Sabbats wie die Heiligung der Feiertage verschlossen, und zu dem physischen Unglücke gesellt sich noch daö moralische Unglück der gänzlichen Verwahrlosung im jüdischen Leben und Streben. Er ist abgestorben für das Judenthum wie sein Auge abgestorben für die Welt und ihre Freuden. Deutschland. Deainz, 17. Juni. Wir haben heute zum Besten der Annen und Nothlcidenden im h. L. 120© ff. nach Amsterdam geschickt; die Gesammtsmmue der von uns in diesem Jahre übersandten Spenden beläuft sich nunmehr aus 8487 fl. 24 kr. Frankfurt a. M. In voriger Woche ist eine Sendung von w e ft r n s s i s ch e n W a i s e n, nach dem «Elsaß bestimmt, hier angekommen und von dem Präsidenten des hiesigen Localconnte's, Herrn vr. C a r m o l v, denl Mitarbeiter au dieser Zeitschrift, weiter befördert; es waren dies sechs, theilweise gänzlich verwaiste, tbcilweise vaterlose Kinder. Möge dies gottgefällige Werk weiter einen gedeihlichen Fortgang nehmen. Ba«berg, 13. Juni. Werfen wir in der jüdischen Culturgeschichte unfern Blick nur auf ein Seculum zurück, und fassen wir darin die Evolutionen LeS geistigen Lebens auf, seine Bewegungen und Fortschritte, so erregt in unS unser gegenwärtiger Zustand ein unüberwindliches Staunen. Die frühern erniedrigenden Erwerbsweisen und die Sperre vor aller wissenschaftlichen Entwicklung, gleichsam in einem geistigen Ghetto verschlossen, haben durch politische Umwälzung edleren Erwerb, Handwerken, Künsten und Wissenschaften Platz gemacht und Institute in's Leben gerufen, die unser jüdisches Bewußtsein wach rufen, «nserer religiösen Tendenz neues Dasein geben und «nserem nationalen Leben Selbstständigkeit verleihen. 3« den bisherigen Instituten tritt jetzt ein neues hinzu —dieB linden-Erz iehungs an st alt fürJSraellrtenin Wien unter der ASgide des bekannten Schrift- KrüerS und hochherzigen II r. medicinae Ludwig Da tritt mit einem Male unvorgesehen die frohe Kunde von der Di*. Fränkischen israelitischen Blinden- ErziehungSanstklt in Wien an unser Ohr, und begrüßen wir diese Erscheinung mit Freuden. Der Unglückliche, biöber von der Welt und ihren Freuden ausgeschlossen, wird der Welt und einer nützlichen Thätigfeit gegeben, sein Geist wird entwickelt und stndet Nahrung auf jüdischem Boden, sein Gcmüth wird erbaut und fühlt sich neu gestärkt an unfern überkommenen Gebeten, sein Verstand wird bereichert und wirb empfänglich für jüdische Spraä e, jüdisches Wissen und jüdische Tradition, jüdische Grichichte macht ihm sein Loos erträglich und ein Nadli Joseph Sagi Naher (der Hocherleuchtete — vielleicht eine An pielung auf das Licht des Verstandes zum Ersatz für den mangelnden Gesichtssinn. Talmud Beracbotb 64,1 und Horioth 14, t) tritt als Tröster und Vorbild vor sein ungeblendetes geistiges Auge. Der sonst Unglückliche ist jetzt glücklich, und feiert in dem gefeierten Institute seine Wiedergeburt. Lasset uns an dieser göttlichen Idee unsere Theilnahme beweisen und unsere angestammte Empfänglichkeit für Gemeinnützigkeit durch reiche Beiträge aus unseren Privatmitteln wie aus unseren Communal-Cassen bewähren, indem wir damit den untrüglichen Beweis liefern, daß wir für höhere Zwecke empfänglich, daß wir ein fern blickendes gesundes Auge für die Tragweite einer solchen Pflanzschule haben, ein tiefes Gefühl für das Schicksal der Menschen wie ein reiches Gemütb für das Glück unserer Brüder in unS wahren. Die Geschichte wird unsere Namen mit Verehrung neunen, und wird uns eine Anwartschaft auf die Wohllhaten jener Anstalt nicht versagen, wenn wir je einen Unglücklichen, wovor Gott bewahre, aus

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